Formel 1

Bottas selbstkritisch: Habe in Formel 1 noch nichts erreicht

Valtteri Bottas geht nach zwei teaminternen Niederlagen 2019 in eine Make-or-Break-Saison mit Mercedes. Laut ihm kann nur die WM das Ziel sein.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas steht 2019 bei Mercedes unter Druck. Es ist sein drittes Jahr mit dem Team, und sein Vertrag läuft am Ende aus. 2018 blieb Bottas sieglos, während Teamkollege Lewis Hamilton die zweite WM in Folge holte. Auf der Strecke hatte Hamilton fast immer die Oberhand.

2019 wird für Bottas bei Mercedes zum Entscheidungsjahr werden. Hinter ihm lauert Junior Esteban Ocon, momentan Test- und Simulatorfahrer, auf seine Chance. Das weiß Bottas selbst genauso gut. Seine Zeit in der Formel 1 droht abzulaufen, wenn er nicht bald abliefert. Das Ziel kann nur heißen: So viel gewinnen wie möglich, Lewis Hamilton schlagen und volle Attacke in Richtung Weltmeisterschaft.

Bottas: Habe noch Zeit - aber nur eine Formel-1-Karriere

"Zuerst einmal fühlt es sich an, als ob ich in der Formel 1 noch immer nichts erreicht habe", gibt Bottas im Rahmen des Barcelona-Tests zu. Dass die letzte Saison enttäuschend war, bestreitet er gar nicht. Im Gegenteil: "Es hat mich fast wütend gemacht, dass ich in meinen was, sechs Jahren Formel 1, mein Ziel noch nicht erreicht habe."

"Natürlich habe ich Zeit", so Bottas weiter, "aber du beginnst zu begreifen, dass du nur eine Karriere hast." Diese Karriere könnte nach 2019 auch schnell eine falsche Richtung einschlagen. Sieglose Jahre wie 2018 machen sich nicht gut, wenn man in einem der besten Autos des Feldes sitzt. Nico Rosberg bewies, dass Hamilton nicht unschlagbar ist. Bottas blieb diesen Beweis bis jetzt schuldig.

Im Winter nahm Bottas im WRC-Auto an einer Rallye teil - Foto: Taneli Niinimäki/AKK

Der Druck für 2019 ist daher sicherlich vorhanden. "Mein Ziel für dieses Jahr ist es, so viel wie möglich zu gewinnen", definiert Bottas. "Und das einzige Ziel für die ganze Saison ist die Fahrer-Weltmeisterschaft, für mich persönlich und für das Team."

"Am Ende der Saison will ich nicht denken, dass ich etwas anders hätte machen sollen, härter kämpfen sollen", so Bottas. Er hat sich 2018 noch einmal genau angesehen, und will jetzt sicherstellen, dass er keine Chance mehr auslässt und keine unnötigen Fehler mehr begeht.

Bottas sicher: Kann schneller als Hamilton sein

Das klingt natürlich schlüssig, doch wie einfach ist es für Bottas, das umzusetzen? In seinen ersten beiden Mercedes-Jahren konnte er Hamilton nur auf bestimmten Strecken das Wasser reichen. Strecken, die seinem für die Reifen etwas sanfteren Fahrstil entgegenkamen, wie Russland oder Österreich. Doch mehrheitlich war Hamilton einen Tick schneller.

"Ich kann nicht ändern, wie ich fahre", räumt Bottas ein, "aber wie gesagt, ich weiß, was ich machen kann, um auf meinem höchsten Level zu fahren. Ich kann Lewis im Qualifying und im Rennen ebenbürtig sein. Ich weiß, dass ich es kann. Jetzt ist es einfach harte Arbeit, um das regelmäßiger als in den vergangenen Jahren zu schaffen."

Details verrät Bottas natürlich nicht. Nur, dass er alles Nötige machen will. Nichts unversucht lassen will. Dass er vom Team wie öfters am Ende von 2018 zurückgepfiffen wird, davor hat er keine Angst. Das war schließlich auch unglücklichen Umständen geschuldet. Schließlich hätte Bottas nach Baku die WM sogar angeführt, doch ein Reifenschaden kostete ihm einen fast sicheren Sieg.

Danach schien er gebrochen. Sein eigentlich starker Start in die Saison 2018 mit knappen Niederlagen in Bahrain, China und Baku sollte also nicht vergessen werden. Wenn er diese Form wiederfinden und mit einer zusätzlichen Portion Aggressivität versehen kann, dann mag noch so einiges möglich sein.

Hamilton mag Bottas: Der beste Teamkollege

Bottas' dominanter Teamkollege Lewis Hamilton, jetzt fünffacher Weltmeister, streut seinem Teamkollegen im Rahmen des Barcelona-Tests jedenfalls Rosen: "Es braucht Zeit, sich in ein neues Team einzufinden, das ist nicht einfach. Ich glaube, dass er in den letzten Jahren ein unschätzbarer Teil des Teams war."

Hamiltons Lobeshymne ging noch weiter. Toll gewachsen, positive Energie, hält das Team stabil. Und die Arbeitsbeziehung sei die beste, die er je hatte: "Wir sprechen über Sachen am Auto - ich weiß nicht, ob ich das in der Vergangenheit schon einmal hatte. Wir arbeiten wirklich zusammen, reden über das Auto. Das wird weitergehen, hoffentlich haben wir zusammen ein starkes Jahr."

Valtteri Bottas, Teamchef Toto Wolff und Lewis Hamilton beim Mercedes-Shakedown - Foto: Mercedes-AMG

Hamilton stimmt auf Nachfrage zu, dass Bottas 2019 wohl aggressiver sein wird, obwohl er es selbst von ihm noch nicht erfragt hat. Er beschließt die Bottas-Fragen dann mit noch mehr Lob: Bottas sei in vielerlei Hinsicht sein bis jetzt komplettester Teamkollege: "Wahrscheinlich auch der Bescheidenste, deshalb haben wir eine so gute Atmosphäre im Team."

Ob das nicht ein wenig zu freundlich ist? Diese Frage drängt sich danach so richtig auf, und wird am Donnerstag auch an Bottas gestellt. Er glaubt nicht: "Weil wir erkennen, dass es uns als Fahrer hilft, wenn wir in den Meetings zusammenarbeiten."

Die Nettigkeiten und die enge Zusammenarbeit abseits der Strecke sei kein Hindernis, sobald es ans Fahren geht, da ist sich Bottas sicher. Dann wollen beiden den anderen schlagen. "Und er weiß das auch", sagt Bottas über Hamilton. "Es ist alles sehr offen, es gibt keine Tricks. Sicherlich werden wir auf der Strecke Spaß haben, wenn wir gegeneinander kämpfen, aber wir müssen daran denken, dass wir das Auto entwickeln müssen. Das könnte dieses Jahr noch wichtiger werden."


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