Formel 1

Formel 1 2019: Pirelli kämpft gegen Überhitzung und mehr

Pirelli hat für die Formel-1-Saison 2019 einige Veränderungen an ihren Reifen vorgenommen. Neue Temperaturvorgaben, Drücke, neue Regenreifen - die Übersicht
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Pirelli hat über die Formel-1-Saison 2018 hinweg stetig an der Verbesserung des Reifen-Angebots für die nächste Saison gearbeitet. Beim ersten F1-Test für 2019 gibt der Reifenhersteller nun einen Überblick über weitere Veränderungen. Diese sollen einige von Pirellis Problemen aus der Saison 2018 in den Griff bekommen.

Auf der Liste der Probleme standen unter anderem zu stark überhitzende Hinterreifen, zu kalte Vorderreifen, und nicht immer richtig arbeitende Regenreifen und Intermediates. Mit neuen Mischungen, Designs, Temperaturvorgaben und Reifendrücken will Pirelli 2019 dagegen vorgehen.

Pirelli senkt Temperaturvorgaben und Reifendrücke

Eine der in Barcelona von Pirelli verkündeten Maßnahmen ist das Senken der Maximal-Temperatur für die Reifenwärmer der Hinterreifen. 2019 heißt die Vorgabe: Die Temperatur hinten darf nur noch 80 Grad Celsius betragen. Vorne bleibt der Wert unverändert bei 100 Grad.

"Wir haben 80 vorne, 80 hinten in Abu Dhabi getestet, um zu verstehen, ob das Aufwärmen noch immer akzeptabel ist", erklärt Pirelli-Sportchef Mario Isola. "Als wir mit den Teams gesprochen haben, waren sie besorgt, was das Aufwärmen der Front angeht, weil die etwas delikater ist." Also wurde beschlossen, die Vorgabe nur hinten zu senken. Das soll das Ende der extrem langsamen Aufwärmrunden bedeuten, wie sie 2018 an der Tagesordnung waren - da hatten viele Fahrer Angst, die filigranen Hinterreifen noch vor dem Start zu zerstören.

Die Hinterreifen lieferten 2018 mit Überhitzung oft Probleme - Foto: LAT Images

Da die Reifen jetzt nicht mehr zu stark überhitzen, kann Pirelli auch die Mindestreifendrücke für die Hinterreifen senken. Niedrigere Reifendrücke am Heck verbessern die Situation noch weiter. Teams haben mehr Spielraum, und Probleme mit Überhitzung oder mit Blasenbildung sollten sich dadurch reduzieren.

Durch die veränderte Balance sollte es außerdem leichter sein, die Vorderreifen auf Temperatur zu bekommen. "Bei manchen Strecken, wie zum Beispiel Baku mit einer 2.2 Kilometer langen Geraden, kühlt dir der Vorderreifen ab und dann kannst du ihn womöglich nicht mehr richtig anheizen", erklärt Isola. In Baku führte das 2018 beispielsweise zu Problemen mit zu kalten Vorderreifen, zu viel Untersteuern und zu Graining.

Pirellis neue Reifen: Dünne Lauffläche, neue Arbeitsfenster

Ebenfalls neu ist die Konstruktion der 2019er-Pirellis. Wobei diese Reifen mit der dünneren Lauffläche nicht ganz neu sind. Bei drei Rennen - Barcelona, Silverstone, Le Castellet - kamen sie 2018 schon zum Einsatz, und bewährten sich. Dank der dünnen Lauffläche überhitzten sie weniger. Daher entschloss sich Pirelli, die dünnere Lauffläche 2019 bei allen Rennen einzusetzen.

Mit neuem Reifen-Design gehen auch neue Arbeitsfenster für die Reifen einher. Pirelli hat darauf abgezielt, diese Arbeitsfenster zu erhöhen. Auch das reduziert das Problem mit der Überhitzung, da es die Reifen weniger sensibel macht.

Reifen von °C bis °C
C1 110 140
C2 110 135
C3 105 135
C4 90 120
C5 85 115

Bei C1 handelt es sich um den härtesten Reifen, bei C5 um den weichsten Reifen. Pro Rennwochenende wählt Pirelli drei dieser fünf Mischungen aus, die dann als Hard, Medium und Soft zum Einsatz kommen. Welche der fünf Mischungen verwendet wird, das kommuniziert der Reifenhersteller im Voraus.

Pirellis Reifenmischungen bei den Testfahrten - Foto: Pirelli

Pirelli baut neue Intermediates und Regenreifen

Zuletzt sind noch die neuen Regenreifen ein Thema. Beide Pirelli-Mischungen für nasses Wetter wurden komplett überarbeitet. Sowohl der Intermediate als auch der Regenreifen sollen ein viel größeres Arbeitsfenster aufweisen. Damit soll der Übergang von Slicks zu Intermediates zu Regenreifen sanfter und einfacher werden.

Der Regenreifen bekam außerdem ein neues Profil, um besser gegen Aquaplaning anzukommen. "Die Idee war, eine bessere Fahrbarkeit mit dem Regenreifen bei Starkregen zu bekommen", erklärt Pirelli-Mann Isola. Zuvor hatten die Regenreifen von Pirelli bei stehendem Wasser oft schnell Probleme bereitet.

Damit fühlt sich Pirelli für die Formel-1-Saison 2019 gut vorbereitet. Die Arbeit für die nächsten neuen Reifen, die steht auch schon wieder an. 2020 gibt es wieder Änderungen, und ab September sollen schließlich die neuen 18-Zoll-Reifen getestet werden. Dafür braucht es aber noch einiges an Entwicklungsarbeit.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video

a