Formel 1

Hamilton wettert gegen Pirelli: Formel 1 braucht beste Partner

Lewis Hamilton zieht nach den Formel-1-Testfahrten ein erbarmungsloses Fazit zu den Pirelli-Pneus für die Saison 2020. Reifendrücke viel zu hoch.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Alle Jahre wieder beherrscht das Thema Reifen die Formel 1. Für die Saison 2020 schien das schwarze Gold allerdings in die zweite Reihe zu rücken. Nach einem finalen Test nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi hatten alle zehn F1-Teams gegen eine Änderung der 2019er Konstruktion der Pirelli-Pneus votiert. 2020 bringen die Italiener somit die identen Reifen wie in der Vorsaison.

Für Teams und Fahrer bedeutet das weitaus weniger Unbekannte. Sie kennen das Produkt. „Für uns ist es leichter, mit den gleichen Reifen eine weitere Saison zu starten“, bestätigte nun Lewis Hamilton nach seinem letzten Einsatz bei den diesjährigen Formel-1-Testfahrten in Barcelona am Freitagvormittag. Die eigentlich geplante neue Konstruktion sei schlicht kein Fortschritt gewesen. Im Gegenteil. Hamilton: „Sie haben Reifen für 2020 gebracht, die schlechter waren.“

Lewis Hamilton: Reifendruck deutlich zu hoch

Mit der jetzt weiter genutzten 2019er Spezifikation zeigt sich der sechsfache Weltmeister nach sechs Tagen Test allerdings ebenso wenig zufrieden. Grund dafür sind die Reifendrücke. Als Reaktion auf die 2020 erneut schneller gewordenen Formel-1-Boliden - mutmaßlich die schnellsten der Geschichte - hat Pirelli den Luftdruck nach oben angepasst. "Mehr Abtrieb heißt größere Belastung auf dem Reifen, also müssen wir Gegenmaßnamen ergreifen", warnte Pirellis F1-Leiter Mario Isola Ende 2019.

Für Hamilton ging der Reifen-Monopolist der Formel 1 dabei zu weit. „Die Tatsache, dass sie sie mehr aufgepumpt haben ist nicht so großartig. Jetzt sind sie definitiv ein gutes Stück zu aufgeblasen“, wetterte Hamilton.

Formel 1 2020: Welches Teamduell eskaliert zuerst?: (28:20 Min.)

Pirelli in Zandvoort mit 2 PSI extra?

Besonders ‚freuen’ kann sich der Mercedes-Pilot schon auf Zandvoort. Wegen der dortigen Steilkurven wird Pirelli entweder eine spezielle Vorderreifen-Konstruktion bringen, die steifer ist - oder den Standard-Pneu mit weitaus höherem Luftdruck fahren. Bei den Testfahrten Barcelona experimentierte Pirelli hier mit 2 PSI. „Wir erhielten gute Rückmeldungen für beide Konzepte. Sobald uns mehr Streckendaten von dort [Zandvoort] vorliegen, werden wir bewerten, welches am besten funktioniert“, berichtete Isola.

Ungeachtet dessen ließ sich Hamilton - nicht zum ersten Mal - zu einer regelrechten Schelte hinreißen. „Wir müssen einfach sicherstellen, dass wir immer mit den besten Technologien und technologischen Partnern zusammenarbeiten wollen, um vorwärts zu kommen“, polterte der Mercedes-Pilot. „Wir müssen einfach weiter drängen, es besser zu machen. Diese Reifen werden für dieses Jahr okay sein.“

Hamilton kritisiert Kommunikation mit Pirelli

Okay - das klingt nicht begeistert, Hamilton und die anderen 19 Piloten müssen nun eben mit dem Gegebenen leben. Zumindest für die Zukunft nah 2020 hofft Hamilton aber, endlich, auf Besserung. „Racing ist das, was sich verbessern muss. Reduziert die Aero und gebt uns bessere Reifen. Das ist eine sehr, sehr wichtige Aussage, wir brauchen bessere Reifen“, fordert der sechsfache F1-Champion deshalb.

Pirelli traut er diese Aufgabe offenbar weniger zu. „Wir haben jahrelang über Reifenabbau und thermischen Abbau gesprochen, saßen jahrelang mit Pirelli in einem Besprechungsraum in Brasilien und sie schienen nie von der thermischen Degradation gehört zu haben, als ob sie zum ersten Mal davon gehört hätten“, berichtete Hamilton.

„Wir versuchen, besser mit ihnen zu kommunizieren. Der Target Letter ... Ich weiß nicht, wer ihn dieses Jahr geschrieben hat, aber derjenige hat ganz offensichtlich keinen guten Job für die Reifen für 2020 geleistet. Hoffen wir einfach, dass wir 2021 ein besseres Ziel haben und eines, das sie [Pirelli] oder ein anderer Hersteller auch erfüllen können.“


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