Formel 1

Formel 1, Abu Dhabi: Fahrer & Teams im Kampf um Ehre und Geld

Der Weltmeister steht fest. Trotzdem geht es beim Finale in Abu Dhabi noch einmal um alles. An der Spitze wird fürs Ego gefahren, hinten um die Millionen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 gibt sich beim Finale in Abu Dhabi ein letztes Mal in der Saison 2018 die Ehre. Die Weltmeisterschaft haben Mercedes und Lewis Hamilton für sich entschieden, doch ein Schaulaufen ist auf dem Yas Marina Circuit deshalb längst nicht angesagt. Für etliche Fahrer und einige Teams geht es bei diesem 21. Rennen im Kalender noch einmal um den Erfolg und die Ehre, und das aus den unterschiedlichsten Gründen.

Valtteri Bottas: Rettung vor siegloser Schmach?

Zunächst einmal gibt es mit Valtteri Bottas unter den Fahrern der Top-Teams einen Mann, der dieses Jahr noch nicht ganz oben auf dem Podium stand. Der Teamkollege des Weltmeisters zeigte eine starke erste Saisonhälfte, wurde auf dem Weg zum Sieg jedoch zweimal vom Schicksal gestoppt. In Shanghai wurde ihm eine Safety-Car-Phase zum Verhängnis, in Baku ging wenige Runden vor dem Ziel ein Reifen hoch.

Danach wurde es für Bottas sogar noch bitterer. In Hockenheim war er kurz vor Schluss auf dem frischeren Reifen schneller als Hamilton, wurde nach der ersten Attacke aber vom Team zurückgepfiffen. Bottas wurde zum Wingman degradiert, den Sieg in Sotschi durfte er gleich im Stile eines Rubens Barrichello an seinen Teamkollegen abgeben. Der hat nach 20 Rennen stramme 10 Siege auf seinem Konto. "Für mich ist es ziemlich enttäuschend und erstaunlich, dass ich dieses Jahr noch kein Rennen gewonnen habe", sagt Bottas.

In Abu Dhabi hat er ein allerletztes Mal die Chance, diesen schwarzen Fleck von seiner Weste zu waschen. Im Weltmeisterteam ohne Sieg aus der Saison zu gehen, während der Teamkollege fast die Hälfte aller Rennen gewonnen hat, würde Bottas zweifelsohne einen noch härteren Winter bereiten. 2017 gewann er das Finale in Abu Dhabi, was wohl auch der Tatsache geschuldet war, dass Hamilton zu dieser Zeit nicht mehr die Notwendigkeit sah, alles aus sich herauszuholen.

Dieses Jahr hat Bottas nach Russland moralisch mehr oder weniger das Anrecht auf Payback. Er selbst will allerdings keine Geschenke. "Ich erwarte nicht, dass ich vom Team etwas zurückbekomme. Wenn ich gewinne, will ich gewinnen, indem ich es verdient habe. Ich kann verstehen, dass es für sie schwierig ist. Aber für mich als Person und als Athlet ist das nicht ideal."

Valtteri Bottas will in Abu Dhabi seinen verdienten Sieg in der Saison 2018 nachholen - Foto: Sutton

Räikkönen vs. Bottas. vs Verstappen: Dreikampf um Platz drei

Neben dem Sieg fürs Ego hat Bottas auch noch einen zweiten guten Grund, sich in Abu Dhabi richtig reinzuhängen. In der Weltmeisterschaft winken für den dritten Platz zwar nicht gerade Ruhm und Ehre, doch jeder geschlagene Gegner gibt im Nachhinein ein gutes Gefühl. Aktuell hält Räikkönen mit 251 Zählern den Rang hinter Weltmeister Hamilton und dessen Verfolger Sebastian Vettel. Bottas fehlen 14 Punkte, Verstappen liegt nach seiner bestechenden zweiten Saisonhälfte nur weitere drei Zähler dahinter.

Der ehrgeizige Niederländer würde sich über Platz drei vielleicht nicht gerade ein Loch in den Bauch freuen, aber zwei Piloten der absoluten Top-Teams in einem unterlegenen Red Bull zu schlagen wäre auf jeden Fall eine Ansage für die Zukunft. In seiner aktuellen Form könnte es ihm sogar gelingen, den Rückstand auf Räikkönen noch aufzuholen. Wenn der RB14 in Abu Dhabi noch einmal so rennt wie in Brasilien, werden die beiden Finnen den 21-Jährigen kaum aufhalten können.

Für Räikkönen wäre der dritte Platz ein versöhnlicher Abschluss seiner Zeit bei Ferrari. Nachdem der Iceman in den vergangenen Jahren jeweils meilenweit von dieser Position entfernt war, fuhr er dieses Jahr eine Saison, die einem Ferrari-Piloten in ihren Zahlen am Ende gerecht wird. Der dritte Platz würde für ihn zwar auch die Teilnahme an der FIA-Gala bedeuten, doch der neue Instagram-Iceman könnte sich damit sicherlich anfreunden.

Drei Piloten aus drei Teams kämpfen beim Finale noch um Platz drei in der Weltmeisterschaft - Foto: Sutton

McLaren vs. Force India vs. Sauber: Millionen-Jagd im Mittelfeld

Hinter den Top-Teams geht es um noch viel mehr als um ein gutes Gefühl für die Winterpause. Renault hat seinen vierten Platz und die Millionen aus dem Preisgeldtopf mit 24 Punkten Vorsprung auf Haas so gut wie im Sack. Die US-Amerikaner fuhren als bestes Resultat in diesem Jahr in Österreich dank den Plätzen vier und fünf von Grosjean und Magnussen 22 Zähler ein. Das zu toppen und dabei noch das Glück einer weiteren Renault-Nullnummer zu haben, ist so gut wie unmöglich.

Richtig interessant wird es erst dahinter. McLaren ist ein Rennen vor Schluss überraschenderweise immer noch Sechster. Vor allem Fernando Alonsos Anstrengungen sind die aktuell 62 Punkte zu verdanken. Der Spanier sitzt zwar seit fünf Rennen auf dem Trockenen, dafür holte Teamkollege Stoffel Vandoorne in Mexiko mit vier Punkten nochmal wichtige Zähler. Der Vorsprung auf Force India beträgt damit 14 Punkte.

Dem in den vergangenen Jahren besten Mittelfeld-Team wurden aufgrund des Besitzerwechsels im Sommer zur zweiten Saisonhälfte alle bis dahin eingefahrenen Punkte aberkannt. Seit Belgien sammelten Sergio Perez und Esteban Ocon aber schon wieder 48 Zähler. Allein in Spa-Francorchamps fuhren sie 18 davon ein. Dieser Aufwärtstrend hat sich mittlerweile jedoch verflüchtigt. In den vergangenen drei Rennen sammelte Force India lediglich fünf Punkte. Der Rückstand auf McLaren ist aber definitiv im letzten Rennen aufholbar, sofern Perez und Ocon sauber bleiben und es ihnen gelingt, Renault und Haas in Schach zu halten.

Fährt sich Force India jedoch wieder um Kopf und Kragen, droht sogar noch Gefahr von hinten. Sauber legte 2018 einen wahren Schlussspurt hin und ist bis auf sechs Punkte herangerückt. Es ist davon auszugehen, dass Charles Leclerc sich mit einem weiteren guten Resultat von seinem Ausbilderteam verabschieden will. In den vergangenen beiden Rennen wurde er jeweils Siebter. Mit einem weiteren siebten Platz würde Sauber mit Force India gleichziehen. Die hätten durch bessere Einzelresultate dann aber die Nase vorn.

Zwischen Force India und Sauber geht es in der WM noch richtig eng zu - Foto: Sutton

Abschiedsgeschenke von Alonso, Ocon & Co.

Last but not least haben wir beim Finale einige Piloten, die ihr vorerst und vielleicht auf ewig letztes Formel-1-Rennen bestreiten. Allen voran natürlich Alonso, der seine erfolgreiche Karriere am Sonntag beenden wird. Der MCL33 gab in den letzten Rennen war nicht viel her, doch wer den zweimaligen Champion kennt, weiß, dass er bis in die letzte Runde 100 Prozent geben wird.

Für Ocon könnte es nur ein vorübergehender Abschied aus der Formel 1 werden. Gerade deshalb wird er alles daran setzen, noch einmal eine gute Visitenkarte abzugeben. Vor allem nach seinen schwachen bis desaströsen Vorstellungen in Mexiko und Brasilien täte der Mercedes-Junior gut daran, die Königsklasse noch einmal daran zu erinnern, weshalb er ihr als starker Konkurrent für die Elite fehlen wird.

Vandoorne und Ericsson verabschieden sich ebenfalls und schlagen neue Karrierewege in Formel E und IndyCar ein. Zwar noch nicht definitiv aber höchstwahrscheinlich auch am Ende seines Weges in der Formel 1 ist Toro-Rosso-Pilot Brendon Hartley. Der Neuseeländer wurde seinen Vorschusslorbeeren als Sportwagenweltmeister bei seinem F1-Abenteuer nicht gerecht, könnte bei seinem vielleicht letzten Auftritt aber vielleicht doch noch einmal zeigen, dass er zu mehr fähig ist.

Und dann sind da neben Leclerc und Räikkönen natürlich noch einige andere Piloten, die sich beim Finale von ihren teilweise langjährigen Arbeitgebern verabschieden. Allen voran Daniel Ricciardo, der nach acht Jahren unter dem Dach von Red Bull in Richtung Renault abwandert. Der Australier will noch ein allerletztes Mal ein Podest mit seinen Jungs feiern. Abu Dhabi wird seine letzte Chance. Abgesehen davon sehen wir Carlos Sainz letztmalig im Renault, sowie Pierre Gasly im Toro Rosso und Lance Stroll im Williams.


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