Formel 1

Alonso: Japan 2006 'Moment der Gerechtigkeit' über Schumacher

Suzuka brachte Fernando Alonso 2006 den Titelgewinn über Michael Schumacher. Für ihn ein Moment seiner Formel-1-Karriere, an den er sich gerne erinnert.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Japan 2018 wird Fernando Alonsos vorerst letzter Auftritt mit der Formel 1 in Suzuka. Im unterlegenen McLaren wird der Spanier auf der legendären Achterbahn in Fernost an diesem Sonntag aber kaum Wunder vollbringen können. Vor rund einer Dekade sah das noch anders aus. Alonso erlebte in Suzuka gleich mehrere Schlüsselmomente seiner F1-Karriere. Vor allem der Sieg 2006 ist ihm im Gedächtnis geblieben.

"Ich liebe Suzuka, es ist eine der besten Rennstrecken des Jahres. Ich habe hier ein paar gute Erinnerungen. Das Rennen 2006 war für mich persönlich ein großartiger Moment", sagte Alonso gegenüber der spanischen Sportzeitung Mundo Deportivo. Vor zwölf Jahren befand sich der damals 25-Jährige mitten im WM-Kampf gegen Rekordweltmeister Michael Schumacher im Ferrari.

"Dieses Rennen auf einer so besonderen Strecke zu gewinnen, war etwas, das ich immer schon gewollt hatte. Und dann geschah es in diesem Rennen es unter solchen Umständen, mit dem Ausfall von Schumacher und dem, was es für die Weltmeisterschaft bedeutete. Diese zehn Punkte Vorsprung verglichen mit null", so Alonso rückblickend.

Michael Schumacher dreht WM-Kampf gegen Fernando Alonso

Alonso war mit Renault als Titelverteidiger in das Jahr gestartet, und der zu diesem Zeitpunkt jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte begann dort, wo er 2005 aufgehört hatte. Zwar hatte er schon im Dezember des Jahres für 2007 bei McLaren Mercedes unterschrieben, doch mit Renault hatte er die Königsklasse in der ersten Saisonhälfte 2006 weiterhin fest im Griff.

Sechs der ersten neun Rennen entschied Alonso für sich. Nach dem Rennen in Montreal, das die Saisonhalbzeit markierte, lag er sage und schreibe 25 Punkte vor Schumacher - und das in einer Zeit, als für den Sieg lediglich zehn Zähler vergeben wurden. Der Ferrari-Star hatte bis Kanada erst zwei Rennen gewonnen. Das Momentum war klar auf der Seite Alonsos, doch Schumacher und Ferrari fanden einen Weg zurück in den WM-Kampf.

Schumacher gewann die drei auf Kanada folgenden Rennen und rückte wieder auf elf Punkte an Alonso heran. Dessen WM-Ambitionen erhielten mit zwei Ausfällen in Budapest und Monza weitere Dämpfer. In Ungarn wurde das rechte Hinterrad beim Boxenstopp nicht korrekt fixiert, woraufhin der Asturier ausschied. In Monza ließ ihn sein Renault-Motor im Stich. Schumacher war auf zwei Punkte dran und zog beim darauffolgenden Rennen in Shanghai mit seinem 91. und letzten Sieg in der Formel 1 mit Alonso gleich.

Fernando Alonso und Michael Schumacher waren 2006 die Hauptdarsteller in der Formel 1 - Foto: Sutton

Alonso über Schumacher im Ferrari: Er hat immer geliefert

Bei noch zwei ausstehenden Rennen in Suzuka und Interlagos war Ferrari plötzlich der klare Favorit auf den WM-Titel. Schumacher war nach seiner Rücktrittsverkündung in Monza drauf und dran, die Formel 1 als achtmaliger Weltmeister zu verlassen. Beim Stand von 7:6 Siegen für den Kerpener war in Suzuka sogar der vorzeitige Titelgewinn möglich. Bei einem Ausfall Alonsos und einem gleichzeitigen Sieg Schumachers, hätte der Spanier beim Finale keine Chance mehr auf die WM gehabt.

"Michael ist wahrscheinlich ein anderes Level. Er konnte immer etwas komplett Unerwartetes herausholen. Wenn der Ferrari und die Bridgestone-Reifen gut waren, dann war er auf Pole Position und hat das Rennen gewonnen. Da gab es keine andere Möglichkeit. Er hat immer geliefert", sagt Alonso Jahre später im Exklusivinterview mit Motorsport-Magazin.com. Etwas, das er auch 2006 in Suzuka zunächst feststellen musste.

Schumacher hatte sich für das Rennen hinter Teamkollege Felipe Massa als Zweiter qualifiziert. Alonso wiederum stand mit seinem Stallgefährten Giancarlo Fisichella nur in der dritten Startreihe. Das Renault-Duo war durch die beiden Toyota von Ralf Schumacher und Jarno Trulli von Ferrari getrennt und es bestand kaum ein Zweifel, dass Massa seinem Lehrmeister im Rennen den Weg frei machen würde.

Ferrari spielt in Suzuka perfekt: Schumacher auf dem Weg zum Sieg

Ferraris Kommandostand operierte wie zu dieser Zeit gewohnt entschlossen und mit äußerster Konsequenz. Schumacher übernahm bereits in der dritten Runde die Führung von Massa und behauptete diese souverän. Dahinter arbeitete sich Alonso jedoch sukzessive vor. Die zwischen ihm und Schumacher gestarteten Toyota und der von der Pole ins Rennen gegangene Massa kamen allesamt vor Alonso zum Boxenstopp.

Der Spanier nutzte seine freie Fahrt um nach seinem Service in der 15. Runde Boxenstopp-bereinigt als Zweiter hinter Schumacher auf die Strecke zurückzukommen. Der Deutsche kam drei Runden später zum Stopp und lag danach fünf Sekunden vor Alonso, der nun begann maximalen Druck auf den Ferrari-Piloten auszuüben.

Schumacher jedoch parierte an der Spitze jede Attacke. Nachdem Alonso in Runde 27 kurzzeitig auf vier Sekunden dran war, baute Schumacher den Vorsprung wieder auf über fünf Sekunden aus. In der 35. Runde bog Alonso als erster der beiden zum zweiten und letzten Boxenstopp ab. Ferrari reagierte bei Schumacher gleich im darauffolgenden Umlauf. Bei der Boxenausfahrt lag der 37-Jährige weiterhin sicher vor Alonso.

Alonso fand 2006 in Japan nach dem Start erfolgreich die Anschluss an Schumacher - Foto: Ferrari Press Office

Alonso im Glück: Schumachers Ferrari-Motor geht in Suzuka hoch

Wenige Momente später brachen in Suzuka abermals die Herzen unzähliger Formel-1-Fans. Noch bevor Schumacher die Esses im ersten Sektor hinter sich gebracht hatte, begann dem 248 F1 die Puste auszugehen. Mit Rauchzeichen vom V8-Motor im Heck schleppte sich Schumacher bis in die Degner-Kurven, um den Ferrari kurz danach endgültig abzustellen. Alonso ging vorbei und fuhr ungefährdet zu seinem siebten Saisonsieg.

Das Gefühl der Erlösung hat der Spanier auch über zehn Jahre später nicht vergessen. "Als ich ihn überholte und sah, dass er ausgefallen war, war das für mich einer der größten Momente der Gerechtigkeit in diesem Jahr", so Alonso in der spanischen Zeitschrift As. "Wir hatten den Ausfall in Monza und andere Ungerechtigkeiten, weshalb der Sieg in Suzuka einer der glücklichsten Momente ist, an die ich mich erinnern kann."

Schumacher ging nach dem Rennen in Japan nur noch mit Außenseiterchancen auf den Titel ins Finale. Ein achter Saisonsieg bei einem Ausfall Alonsos wäre für ihn der einzige Weg gewesen, das Ruder doch noch einmal herumzureißen. Während Alonsos WM-Wunder in Suzuka in Form des ersten Schumacher-Motorschadens seit Frankreich 2000 eintrat, blieb es für den Rekordweltmeister aus. Alonso krönte sich in Interlagos zum zweiten Mal in Folge zum Weltmeister.


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