Formel 1

Formel 1, Renault schlägt zurück: Endlich kein Power-Nachteil

Renault meldete sich im Singapur-Training zurück an der Spitze des Mittelfeldes. Nur Hülkenberg mit Update, Sainz muss warten. Reifen auf Longrun kritisch.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Renault machte in der Formel 1 vor dem Rennwochenende in Singapur zuletzt eher politisch statt sportlich auf sich aufmerksam. Das Anschwärzen des neuen Erzrivalen Haas in Monza sorgte für viel Wirbel. Auf dem Marina Bay Circuit sah es in den Trainings am Freitag so aus, als ob die Franzosen diesmal auch ohne Disqualifikation des Gegners im Mittelfeld die erste Geige spielen können.

"Das war ein guter Freitag für unser Team. Endlich sind wir wieder zurück auf einer Rennstrecke mit weniger Geraden", gab sich Carlos Sainz erleichtert. Der Spanier markierte in der Session am Nachmittag die sechstschnellste Zeit und landete dabei knapp vor Romain Grosjean im Haas. Auf Powerstrecken wie Spa und Monza sah der R.S.18 nicht nur wegen dem Leistungsnachteil des Renault-Motors verloren aus. Auch das Chassis fühlt sich an Orten wie Singapur wohler.

Singapur: Renault wieder in ihrem Element

"Hier gibt es mehr langsame Kurven. Das lässt unser Auto besser aussehen, oder besser, es zeigt, was es wirklich ist: ein starkes Auto auf dieser Art von Rennstrecke", so der Spanier, der laut Renault-Techniker Marcin Budkowski dabei nicht einmal auf das Update zurückgreifen konnte, welches Hülkenberg am Freitag einsetzte. Die Teile für Sainz befinden sich noch auf dem Luftweg nach Singapur.

Hülkenberg verlor am Nachmittag als Zehnter zwar drei Zehntel auf den Teamkollegen, der Emmericher zeigte sich dennoch zufrieden: "Es war in Ordnung. Nicht schlecht aber auch nicht überragend. Das Mittelfeld sieht wieder ziemlich eng aus, vor allem mit wenig Benzin." Tatsächlich lag Sainz nur eine Zehntel vor Grosjean. Zwischen den Renault-Teamkollege hatte sich außerdem Fernando Alonso im McLaren geschoben.

Rennpace bereitet Sorgen: Renault kämpft mit Reifenabbau

"Ich will da wirklich nicht zu viel hineininterpretieren. Der Freitag zählt außerdem sowieso nicht", hält Hülkenberg den Ball flach. Denn obwohl es auf einer Runde bei Renault bisher gut aussieht, bereitet die Rennpace den Gelben wieder einmal Sorgen. "Im Moment sieht unsere Qualifying-Pace viel besser als die Longruns aus, wie es leider immer ist", so Sainz. "Wir neigen dazu mehr Reifenabbau zu haben als die anderen, besonders auf dem Hypersoft."

Hülkenberg sieht bei der Rennpace nicht ganz so schwarz. "Auf den Longruns habe ich mich ziemlich wohl gefühlt. Der Reifenabbau ist zwar sehr hoch, aber das hängt auch davon ab, wie du den Reifen rannimmst. Du kannst da als Fahrer einen großen Unterschied machen", so der 31-Jährige.

Einen Unterschied machen sollte Renault in Singapur zur Abwechslung mal wieder. Das Werksteam büßte gegenüber Haas zuletzt dramatisch ein und kann sich froh schätzen, dass Force India nach dem Besitzerwechsel sämtliche bis Spa-Francorchamps eingefahrenen Punkte verlor. Beim Auftakt der Asien-Tournee will man aus eigener Kraft vorne sein.

Sainz in Singapur gut drauf, Hülkenberg hofft auf Glück im Spiel

"Hoffentlich landen wir mit beiden Autos in den Top-10", wünscht sich Hülkenberg eine gute Ausgangsposition für den Sonntag. "Das ist immer wichtig, denn das Überholen ist hier sehr schwierig." Im Qualifying muss Renault aber wie immer mit dem Power-Modus der Konkurrenz rechnen, der vor allem bei Ferrari-Kunde Haas entscheidende Zehntel bringt. "Wir müssen alles richtig machen, um vor ihnen zu bleiben", mahnt Sainz.

Der Spanier könnte in Singapur Renaults bestes Eisen im Feuer sein. 2017 fuhr er in Singapur für Toro Rosso als Vierter sein bestes Karriereresultat ein. "Ich fühle mich im Renault dieses Jahr wieder gut hier. Dieser Kurs und Monaco sind immer schon Strecken gewesen, die ich mag. Ich mag es nah an die Mauern zu fahren und wenn das Auto nervös wird", so der 24-Jährige.

Für Hülkenberg steht indessen der 150. Grand Prix in der Formel 1 an. Der Emmericher, der nach wie vor auf sein erstes Podium wartet, hofft am Sonntag profitieren zu können. "Singapur kann immer eine Lotterie sein, ob du Glück mit einem Safety Car hast oder nicht." Vor zehn Jahren sorgte Renault mit der Crashgate-Affäre um Fernando Alonso und Nelson Piquet Jr. selbst für den Jackpot in der Singapur-Lotterie...


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