Formel 1

F1, Haas übt Kritik an Renault: Wollen uns vor Gericht schlagen

Formel-1-Teamchef Günther Steiner sieht die Methoden von Haas' Erzrivale Renault kritisch. Für ihn ist klar: Der Gegner sieht seine Felle davonschwimmen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Haas wurde nach dem Formel-1-Rennen in Monza von Konkurrent Renault bei der FIA angeschwärzt. Die Folge war die Disqualifikation Romain Grosjeans und damit einhergehend der Verlust von acht wertvollen Punkten. Laut britischen Medien soll das US-amerikanische Team bei den Offiziellen Berufung gegen die Entscheidung eingelegt haben. Für den Teamchef steht fest: Renault sieht seine Felle davonschwimmen.

"Ich würde das nicht erwarten, aber manchmal reagieren Menschen so", so Steiner im Vorfeld des 15. Rennwochenendes der Saison auf dem Marina Bay Street Circuit. Vor diesem liegt sein Team in der Gesamtwertung an fünfter Stelle - zehn Punkte hinter Erzrivale Renault. Ohne das Vorgehen der Franzosen gegen ihren Rivalen, wären beide Teams punktgleich.

"Wenn sie dich nicht auf der Strecke schlagen können, versuchen sie dich vor Gericht zu besiegen. Das ist es, was hier anscheinend passiert", ist Steiner überzeugt. Stein des Anstoßes war der Unterboden des VF-18. Gemäß einer Technischen Direktive vom 25. Juli 2018 musste der sogenannten T-Tray, die vordere Kufe am Unterboden, ab dem Rennwochenende in Monza einen Mindestradius von 50mm (+/- 2mm Toleranz) aufweisen.

Steiner: Du musst hart arbeiten, um beneidet zu werden

Haas war aufgrund seiner Abhängigkeit von Zulieferern nicht dazu in der Lage, der Direktive bis zum Grand Prix von Italien nachzukommen und startete auch in Monza mit der bis dato eingesetzten Spezifikation des Unterbodens. Renault zeigte den Regelverstoß daraufhin nach dem Fallen der Zielflagge mit entsprechenden Fotos als Beweismaterial bei der FIA an.

Obwohl Steiner die Aktion des Konkurrenten offenkundig nicht befürwortet, überraschen ihn die Methoden Renaults nicht wirklich. "Manchmal musst du das machen. Du lässt im Motorsport nichts unversucht", so der 53-Jährige. "Aber ob das der richtige Weg ist, lasse ich andere beurteilen." Fakt ist, dass Haas das Momentum auf seiner Seite hat.

Seit dem Großen Preis von Österreich holten Grosjean und Magnussen trotz der Disqualifikation von Monza 49 Punkte. Renault kommt auf gerade einmal 24 Zähler. "Du musst hart arbeiten, um beneidet zu werden", glaubt Steiner, dem die Entwicklungen der vergangenen Monate selbstverständlich nicht verborgen geblieben sind. "Wir arbeiten lieber hart dafür und kämpfen noch mehr."

Der Aufschwung von Haas in der ersten dritten Formel-1-Saison des Teams wird von der direkten Konkurrenz im Mittelfeld jedoch kritisch gesehen. Nicht nur Renault ist mit der engen Zusammenarbeit zwischen Haas und deren Mutterschiff Ferrari nicht wirklich einverstanden. Auch Force India, McLaren & Co. sträuben sich gegen den B-Team-Charakter von Haas.

Es steht außer Frage, dass Haas sein momentanes Standing auch der Zusammenarbeit mit der Scuderia zu verdanken hat. "Ich würde sage, dass wir unsere eigenen Erwartungen etwas übertreffen, da wir mit einem Werksteam wie Renault kämpfen. Wir hätten damit nie gerechnet, schon gar nicht in unserem dritten Jahr. Ich glaube, darauf können wir alle sehr stolz sein", so Steiner.

Haas zieht sein Ding durch: Lassen uns nicht ablenken

Nachdem Renault Haas mehr oder weniger den Krieg erklärt hat, ist es leicht vorstellbar, dass Magnussen und Grosjean ihren Rivalen Nico Hülkenberg und Carlos Sainz auf der Strecke in Zukunft anders begegnen könnten. Steiner beteuert jedoch, dass man sich bei Haas nicht aus der Reserve locken lassen will. "Wir lassen uns davon nicht ablenken. Unsere Leute wissen, wo sie ihre Energie reinstecken müssen. Wir lassen uns wenn es ums Racing geht nicht irritieren und versuchen, gute Resultate zu holen. Alles andere lassen wir links liegen", so Steiner.

Nachdem Haas in Spa-Francorchamps und Monza klar schneller war als Renault, sich dafür aber dem wiedererstarkten Force India beugen musste, wartet mit Singapur wieder eine der Rennstrecken, auf denen das High-Downforce-Konzept des VF-18 nicht voll zum Tragen kommt. "Wie bei jedem Rennen bin ich vor dem Freitag nicht überschwänglich", hält Steiner in der von ihm gewohnten Manier den Ball flach.

"Aber ich bin zuversichtlich, dass wir ein gutes Resultat haben werden. Manche Autos sind auf bestimmten Rennstrecken gut, unseres scheint überall ziemlich gut zu funktionieren", ist er optimistisch, obwohl Haas auf den beiden anderen bisher gefahrenen Stadtkursen in Monaco und Baku in Sachen Pace schwer zu kämpfen hatte und punktelos im Mittelfeld versank.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter