Formel 1

Hamilton lässt Vorsprung auf Vettel kalt: Ausruhen ist nicht

Lewis Hamilton geht mit einem Vorsprung auf Sebastian Vettel in die zweite Hälfte der Formel-1-Saison 2018. Von einem Polster will er jedoch nichts wissen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton geht 2018 als WM-Führender in die zweite Saisonhälfte der Formel 1 nach der Sommerpause. Vergangenes Jahr sah das anders aus. Die 24 Punkte Vorsprung auf Titelrivale Sebastian Vettel ändern jedoch nichts am Ansatz des Mercedes-Piloten. Er will in Spa-Francorchamps genauso weitermachen wie bisher.

"Ich habe keinen Plan, denn ich plane nicht so viel", hat sich Hamilton offenbar keine Gedanken darüber gemacht, wie er das mit seinen Siegen in Hockenheim und Budapest herausgefahrene Polster auf Vettel bis Abu Dhabi durchbringen kann. Und wieso sollte er auch? Schließlich kommt er mit dem Momentum von zwei Siegen nach Belgien.

"Du hast Ziele die du erreichen willst, aber die haben sich für mich in den letzten Rennen nicht geändert", erklärt er. "Meine Herangehensweise ist exakt dieselbe wie beim letzten Rennen. Ich versuche das so beizubehalten." 2017 gewann Hamilton fünf der sechs Rennen nach der Sommerpause. Ferrari strauchelte und er verwandelte einen Rückstand von 14 Punkten in 66 Punkte Vorsprung. Titel Nummer vier war damit sicher.

Hamilton will sich auf Vorsprung auf Vettel nicht ausruhen

Dieses Jahr sind die Vorzeichen andere, doch Hamilton möchte nur ungern den Vergleich zum Vorjahr ziehen. "Es ist immer unterschiedlich. Ob du vorne oder hinten liegst, ob du ein gutes oder ein schlechtes Auto hast", erklärt er. "Meine mentale Herangehensweise ändert sich nicht verglichen mit einem Rückstand. Wenn du ein kleines Polster hast, sollte das unterbewusst einen positiven Effekt haben, aber mein Ansatz ist nicht, dass ich hier sitze und denke, dass ich einen Vorteil habe auf dem ich mich ausruhen kann", so der 33-Jährige.

"Es geht mir darum den Vorsprung aufzubauen. Ich will auch keine der Punkte verlieren, die ich habe. Wir hatten dieses Jahr Phasen wo wir 17 Punkte oder so hinten waren oder auch vorne. Es ging hin und her. Wie kann ich das beenden? Das ist die Frage", so Hamilton, der dem Gegner wohl am liebsten wie 2017 mit einer weiteren Serie möglichst früh sämtliche Hoffnungen auf den Titel nehmen will.

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Belgien GP: (07:21 Min.)

Hamilton: Unter Druck versuchst du außergewöhnliche Dinge zu vollbringen

Vettel ist als Jäger zweifelsohne in einer Position, in der er sich keine weiteren Fehler leisten kann. Ein kapitaler Fehler wie 2017 in Singapur wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits der Todesstoß für seine WM-Ambitionen. "Nur er kann euch sagen, wie viel Druck auf ihm lastet", so Hamilton. "Ich kann nur sagen wie viel Druck auf mir lastet. Und der Druck auf mir ist so groß, wie er nur sein kann. Aber ich würde es auch nicht anders wollen. Ich mag das."

"Unter Druck versuchst du außergewöhnliche Dinge zu vollbringen und zu wachsen, um in allen Bereichen besser zu werden als Team, als eine Einheit", beschwört Hamilton wie schon so oft in diesem Jahr den Teamgeist von Mercedes. "Das ist das Aufregende an diesem Kampf gegen Ferrari, das ein so geschichtsträchtiges Team ist. Sie haben für eine Weile keine WM mehr gewonnen, und wir schon."

Dass Ferrari für ihn mit dem SF17-H allerdings die bisher größte Herausforderung in seiner Zeit mit Mercedes parat hält, ist Hamilton jedoch bewusst. "Wir sind vielleicht nicht in allen Bereichen die Besten, aber ich denke, dass wir einen guten Job gemacht haben, um die Punkte zu holen die wir haben", so Hamilton. "Wir kennen die Bereiche in denen wir uns verbessern müssen. Es sind immer noch dieselben, aber wir wissen auch dass es Zeit braucht, bis wir die Ergebnisse sehen."

Mercedes kämpft weiter an der Entwicklungsfront: Dauert Wochen und Monate

"Du kannst nicht einfach heute eine Änderung an der Aerodynamik-Charakteristik des Autos machen oder morgen ein Motor-Upgrade. Es dauert Wochen und Monate, bis so etwas sich bemerkbar macht", mahnt Hamilton, dass sein Team weiter an den Schwachpunkten des F1 W09 arbeiten muss, um mit Ferrari schrittzuhalten. Er ist zuversichtlich, dass es klappt: "Ich denke wir haben auch viel Positives, das wir in die zweite Saisonhälfte mitnehmen. Da kommt noch mehr."

Zunächst kommt aber erst einmal Spa, wo Hamilton 2017 nur knapp gegen Vettel gewann. "Der Kurs hier ist nicht schlecht für uns, aber wir haben gesehen wie eng es letztes Jahr zwischen uns und Ferrari war", erinnert er. Mit dem dieses Jahr noch stärkeren Ferrari wächst auch die Herausforderung für ihn auf der Ardennenachterbahn. "Sie haben dieses Jahr vor der Sommerpause einen Schritt in Sachen Power gemacht", so Hamilton.

Hamilton baut auf Spa und Monza: Mit vielen Punkten nach Singapur

Pünktlich zum Rennen in Spa gibt es für Vettel die neuste Ausbaustufe der Power Unit aus Maranello. Für Hamilton aber kein Grund, schon aufzustecken. "Es ist auf dieser Strecke sehr ausgeglichen. Ich weiß nicht, wie wir gegen sie in Sachen Power aussehen, aber was die Performance angeht sollten wir immer noch nah dran sein", glaubt er. In Spa und auch bei dem am kommenden Wochenende folgenden Rennen in Monza ist eine gute Ausbeute jedoch essentiell.

"Wir müssen auf diesen nächsten beiden Rennstrecken wirklich hart arbeiten, um mit vielen Punkten nach Singapur zu kommen, wo wir Probleme hatten. Wir müssen sicherstellen, dass wir das zeigen was wir letztes Jahr gezeigt haben, und daraus Kapital schlagen", so Hamilton.


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