Formel 1

Formel 1, Stroll & Sirotkin fliegen ab, Williams selbst Schuld

Im Qualifying zum Silverstone-Heimrennen gibt Williams eine noch blamablere Figur ab als sonst. Lance Stroll und Sergey Sirotkin fliegen ab. Aero-Versagen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Nächstes Kapitel in der scheinbar nicht enden wollenden Williams-Horrorstory in der Formel-1-Saison 2018. Nur einen Tag nachdem Teamchefin Claire Williams beim Heimrennen in Silverstone der Presse erklärt hatte, wie sehr sie die aktuelle Talfahrt des Rennstalls ihrer Familie schmerze, an einem Wochenende, an dem erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit auch Gründer Frank Williams wieder vor Ort an der Rennstrecke dabei ist, fliegen im Qualifying zum Großbritannien GP gleich beide Fahrer ab.

Erst erwischt es Lance Stroll, der seinen FW41 bei Brooklands im Kiesbett versenkt, nicht weiterfahren kann. Qualifying gelaufen, Startplatz 19. Und das wurde nur keine 20, weil Toro Rossos Brendon Hartley nach Crash im Training gar nicht erst mitfuhr. Dann fast dasselbe Bild bei Sergey Sirotkin. Ebenfalls ein wilder Abflug, nur eine andere Kurve: Stowe. Auch der Russe landet im Kies, kann immerhin gerade noch weiterfahren. Die Pace reicht jedoch nicht für mehr als P18. Das Debakel ist perfekt.

Stroll & Sirotkin verstehen Abflüge nicht

"Heute war einfach sehr enttäuschend für uns. Der Fortschritt des Teams ist sichtbar, da wir unter gewissen Bedingungen Dinge zusammenbekommen haben und eine bessere Pace gefunden haben. Aber Lance und ich wurden einfach erwischt, haben uns weggedreht. Und wir hätten auch mit eine idealen Runde noch 0,6 Sekunden hinter Q2 gelegen", klagt Sirotkin.

"Ich habe genau dasselbe gemacht, das ich in Kurve sechs das ganze Wochenende schon gemacht habe, aber das Auto ist einfach völlig aggressiv weggegangen. Wir haben schon das ganze Jahr Stabilitätsprobleme und das Auto ist sehr unvorhersehbar. Aber das müssen wir jetzt nochmal im Detail anschauen. Denn es war echt seltsam, es war so aggressiv. Ich war echt schockiert, wie plötzlich es geschah", berichtet Stroll.

Williams gesteht: Hatten unverständliches Aero-Problem

Tatsächlich wird Williams sich der Ursache der Abflüge im Detail annehmen. Aber nicht erst Post-Silverstone und generell. Denn wie der Rennstall Motorsport-Magazin.com bestätigte, zeichneten dieses Mal tatsächlich extrem ungewöhnliche Dinge für den Doppel-Ausrutscher der umstrittenen Fahrerpaarung verantwortlich.

Ein Aero-Problem habe zu den Drehern geführt. Es sei exakt dasselbe gewesen, nur in verschiedenen Kurven. Die Fahrer hätten nichts machen können. Ob für das Rennen eine neue Spec nötig und vorhanden sei, hieß es bisher nur, weitere Analysen seien noch notwendig. Möglich zudem, dass Williams so exzessiv umbauen muss, dass Stroll und Sirotkin aus der Boxengasse starten müssen - angesichts der Startplätze immerhin kein großer Verlust.

Williams-Update in Silverstone Kern des Übels?

Doch was genau war nun das Problem? Technikchef Paddy Lowe stellte sich am Abend der Presse, lieferte alle Details. "Wir hatten ein Phänomen, das wir so das ganze Jahr noch nicht beobachtet haben, oder sogar je zuvor, bei dem die Aktivierung des DRS sofort einen völligen Verlust des aerodynamischen Anpressdrucks des Unterbodens bringt, der sich bis zum Eingang der folgenden Kurven nicht wieder herstellt", berichtet Lowe.

Die Abflugorte der Williams-Pilot und die DRS-Zonen (gelb) - Foto: FIA/Motorsport-Magazin.com

Wer den Silverstone Circuit und dessen DRS-Zonen kennt, weiß: Stowe und Brooklands befinden sich tatsächlich direkt in Anschluss an die DRS-Zonen auf der Wellington bzw. Hangar-Straight. "So hatten in beiden Fällen die Autos am Kurveneingang keinen Anpressdruck durch den Unterboden, was die offensichtlichen Konsequenzen hatte", schildert Lowe.

Einen möglichen Verdacht hat Williams für die kuriosen Probleme jedoch. "Wir haben dieses Wochenende einige neue Teile am Bodywork", erinnert Lowe. Konkret handelt es sich um einen neuen Heckflügel. Einzig im ersten Training haben wir dieses DRS-Phänomen mal in einem Fall beobachtet, aber da haben wir es fälschlicherweise mit einer besonderen Konfiguration in Verbindung gebracht, die wir dann ab dem zweiten Training gar nicht mehr genutzt haben", sagt Lowe. "Wir müssen aber noch ganz genau verstehen, was das jetzt verursacht hat. Auf jeden Fall hat es voll und ganz mit dem DRS zu tun. Dass es mit den neuen Teilen zu tun hat, ist erst einmal nur eine Annahme."


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