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Formel 1 / Hintergrund

Formel 1 Barcelona: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen in Spanien

Ferrari, Mercedes und Red Bull erwartet beim Spanien GP in Barcelona eine knifflige Aufgabe. Eigentlich scheint alles klar. Wäre da nicht nächtlicher Regen.
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Lewis Hamilton ist wieder da. Drei Rennen lang stand das Qualifying-Monster der Formel 1 nicht mehr auf der Pole Position. Beim Spanien GP in Barcelona 2018 ist es jetzt wieder so weit. Zum dritten Mal in Folge sicherte sich der Brite in Katalonien die beste Ausgangslage für das Rennen. Damit nicht genug: Direkt neben dem Weltmeister startet auch der zweite Mercedes aus der ersten Reihe der Startaufstellung. Valtteri Bottas scheiterte im Qualifying nur haarscharf am Briten.

Sebastian Vettel musste sich damit zum ersten Mal seit drei Rennen mit weniger als P1 zufrieden geben, startet in Barcelona von P3. Dieses Mal steht - anders als zuletzt in Baku - mit Kimi Räikkönen immerhin wichtiger Ferrari-Support direkt daneben. Für Red Bull reichte es trotz umfassender Updates noch immer nicht zu einer starken Vorstellung am Samstag. Am Start müssen Max Verstappen und Daniel Ricciardo mit Reihe drei vorlieb nehmen.

Dahinter komplettieren ein erneut ganz starker Kevin Magnussen, Fernando Alonso, Carlos Sainz und Romain Grosjean die Top-10. Wer da fehlt? Nico Hülkenberg. Der Qualifying-Spezialist von Renault beginnt den Spanien GP wegen eines Defekts am Benzinsystem am Samstag nur von P16.

2. - S wie Start

Am Start kommt es in Barcelona, anders als so oft, kaum zu großen Vor- oder Nachteilen mit Blick auf die gewählten Reifen. Die Top-Teams starten geschlossen auf denselben Reifen, den Softs, und damit ungewöhnlicherweise der mittelharten Mischung. In den Top-10 beginnt auch sonst einzig Fernando Alonso mit Supersoft, könnte so über einen entscheiden Grip-Vorteil verfügen.

Das Stichwort Vorteil ist ein großes - auch mit Blick auf die Pole. Ist die in Spanien vielleicht eher ein Nachteil? Immerhin sind es 740 Meter bis zur ersten Kurve - einer der längsten Wege im ganzen Rennkalender, viel Zeit also, sich im Windschatten heranzusaugen.

Genau darauf setzt Vettel. " Der Weg bis zur ersten Kurve ist extrem lang. Zwar nicht ganz so lang wie in Russland, aber Platz drei ist da schon eine gute Position. Vielleicht geht da was." Mercedes' Leitender Streckeningenieur Andrew Shovlin sieht das komplett anders: "Es hilft, das Rennen aus der ersten Startreihe zu beginnen, weil der Weg bis zur ersten Kurve sehr lang ist." Vettel bleibt dennoch Anhänger seiner Start-Religion. "Hoffentlich können wir etwas gegen die beiden Mercedes machen und sie uns nicht beide covern. Das Ziel ist, sie unter richtig viel Druck zu setzen", gibt sich Vettel angriffslustig.

Die Angriffslust besitzt bekanntlich auch der andere Mann mit V ganz weit vorne im Grid: Verstappen. Kimi Räikkönen, der schräg davor steht, hat jedoch keine Angst vor einer weiteren ungestümen Aktion des Youngsters. "Ich glaube nicht, dass es ein Problem ist Verstappen hinter mir zu haben. Ich werde einfach ganz normal versuchen, gut wegzukommen", so der Finne gelassen.

3. - S wie Strategie

Der Start allein entscheidet in Barcelona jedoch noch nicht komplett über Wohl und Wehe - obwohl dort nur extrem schwer überholt werden kann (siehe auch 6. - S wie Streckensperre). "Auch danach gibt es Chancen, der Reifenverschleiß kann entscheidend werden", weiß Sebastian Vettel. "Angesichts der Bandbreite an Strategien, die ins Spiel kommen könnten, wird es ein sehr schwieriges Rennen", gibt auch Mercedes-Mann Shovlin zu bedenken.

Selbst Pirelli ist sich hier noch nicht ganz schlüssig. Stand jetzt empfiehlt der Reifenhersteller eine Zwei-Stopp-Strategie als theoretisch schnellste Variante - jedoch können Rennverlauf oder die in Spanien eben so wichtige Clean Air - hier schnell alles ins Gegenteil verkehren, den Einstopper zu besseren Variante machen. Auch deshalb - nicht nur wegen der ohnehin erstaunlich guten Performance im Vergleich zu Supersoft - entschieden alle Top-Teams, mit dem Soft in Q3 zu fahren, um auf dem haltbareren Gummi starten zu können. So bleiben strategisch schlicht mehr Türen offen, um reagieren zu können.

Spanien GP 2018: Mögliche Strategien

  • Schnellste: Zwei Stopps - Supersoft 16 Runden - Soft 25R - Soft bis zum Ziel
  • 2. Schnellste: Ein Stopp - Soft 35 Runden - Medium bis zum Ziel
  • 3. Schnellste: Ein Stopp - Supersoft 29 Runden - Medium bis zum Ziel

Unterschiedliche Reihenfolgen der Mischungen sind bei allen Strategien möglich

Zumindest im Nachteil eines Autos weniger ist in Spanien dieses Mal weder Mercedes, noch Ferrari noch Red Bull. Dieses Mal herrscht an der Spitze Blockbildung - es hatte keine Strafe oder groben Fehler im Qualfiying gegeben.

4. - S wie Safety Car

Noch rennentscheidender als der Start oder die eigentlich zu erwartenden Strategien war in der Formel-1-Saison 2018 bislang der Faktor Bernd Mayländer. Australien, China, Baku. Drei von vier Rennen stellte das Safety Car in diesem Jahr schon völlig auf den Kopf, machte alle vorausberechneten Taktiken obsolet. "Neee", widerspricht da nun Daniel Ricciardo diesem Eindruck mit einem ganz breiten Grinsen. "In China war ich einfach der Schnellste!" Tatsächlich half die Neutralisierung. Auch in Spanien? Möglich, klar. Aber eher Unwahrscheinlich. Nur ein Mal kam das Safety Car in Barcelona in den letzten fünf Jahren auf die Strecke.

5. - S wie Schauer-Samstagnacht

Nicht nur das Safety Car, auch das Wetter kann sich 2018 dramatisch auf die Rennstrategien in Barcelona auswirken. Am Sonntag soll es während des Rennen zwar trocken bleiben, auch wieder etwas wärmer werden als noch am Samstag - Mercedes muss das endlich mal gefundene Arbeitsfenster also wieder neu ausklüngeln -, doch werden für die Nacht ordentliche Regenschauer erwartet. Schon am Samstagabend begann es immer wieder mal leicht zu regnen. "Wir erwarten, dass es in der Nacht regnet, wodurch sich die Strecke zurückentwickeln wird", mahnt Mercedes' Shovlin.

Warum das so besonders ist? Weil der Asphalt in Barcelona nicht gerade viel Grip bietet, extrem glatt ist. Wäscht über Nacht der Regen jetzt auch noch den ganzen über das Wochenende auf die Strecke gefahrenen Gummi weg, sinkt der Griplevel wieder auf ein Niveau wie am Freitag. Und das heißt: Gefahr für erneut wilde Rutscherei und viele Ausritte - was wiederum zum Schlüsselfaktor Safety Car führen kann. In Barcelona hängt also irgendwie extrem zusammen. Noch dazu wirkt sich weniger Grip auch auf den Reifenabbau aus - und damit auch auf alle Strategien ohne Safety Car.

"Was auch immer geschieht: Schon jetzt gibt es eine Menge spannender Fragezeichen, die hoffentlich zusätzliche spannende, taktische Elemente reinbringen, zumal in Barcelona sonst mit Überholen meistens nicht viel möglich", hofft Pirellis Mario Isola auf einen zumindest strategischen Leckerbissen.

6. - S wie Streckensperre

Damit leitet Isola direkt über zum vielleicht größten Siegfaktor: Überholen in Barcelona? Fast unmöglich. Durch die vielen schnellen Kurven und Dirty Air ist es schwer, einem Fahrzeug zu folgen, um auf den Geraden ein Manöver zu lancieren. Vor allem gilt das für die Gegengerade, die auf die ultraschnelle Kurve neun folgt. Doch selbst auf der einen Kilometer langen Start/Ziel-Gerade sah man in der Vergangenheit meist allenfalls missglückte Versuche, wie den von Ricciardo gegen Vettel.

"Unmöglich ist es nicht", meint Ricciardo dennoch. "Mit Seb hatte ich es ja mal probiert. Da gab es dann die berühmte Ping-Pong-Aussage", erinnert Ricciardo an den kuriosen Funkspruch des Ferrari-Fahrers. "Darüber beömmele ich mich noch heute!" Wieder etwas mehr Ernst gewonnen schiebt Ricciardo nach: "Ich denke schon, dass es morgen schwierig wird, Gelegenheiten zu bekommen. Denn wir liegen alle sehr eng beisammen."

Die engen Deltas lassen also eine Prozession befürchten. Selbst Max Verstappen vergeht da schon fast die Angriffslust. "Das ist keine starke Strecke, um zu überholen. Also wird es mehr von den Stopps und dem Wetter abhängen", meint der Youngster.

7. - S wie Sieger

Und wer hat die besten Karten in Sachen Pace? Mercedes sah nicht nur im Qualifying stark aus, auch die Longruns der Silberpfeile am Freitag beeindruckten. Doch waren Ferrari und Red Bull nicht weit weg, können noch dazu häufig nachlegen. Entsprechend scheint auch hier alles eng, kaum vorhersehbar.

"Auf den Long Runs gestern sah Ferrari sehr konkurrenzfähig aus und Red Bull war besonders stark. Daher wissen wir, dass uns ein hart umkämpfter Grand Prix bevorsteht", weiß auch Toro Wolff. "Wir hatten aber bei bislang jedem Rennen ein gutes Auto und wir werden alles dafür geben, die erste Startreihe in ein Doppelpodium umzuwandeln", so Mercedes-Mann Shovlin. "Ich glaube, dass wir mit Blick auf morgen eine starke Rennpace haben werden", sieht sich Bottas gut gewappnet.

Doch die Konkurrenz gibt sich nicht minder optimistisch, glaubt an die eigene Stärke. "Unsere Longrun-Performance war nicht schlecht am Freitag, deshalb denke ich, dass unser Auto okay sein sollte, auch wenn es natürlich etwas anders sein kann, wenn der erwartete Regen heute Nacht gefallen ist", so Max Verstappen. "Die Longruns haben nahe gelegt, dass wir hoffnungsvoll sein dürfen, eine Rolle gegen Mercedes und Ferrari zu spielen", stimmt Teamchef Christian Horner zu.

"Das Auto ist gut, das stimmt mich zuversichtlich für morgen. Denn wenn du dich im Auto wohl fühlst, musst du dich vor nichts fürchten. Und unser Auto wird besser und besser - mit all den Teilen, die wir dieses Wochenende auch wieder gebracht haben", freut sich Vettel schon auf einen Angriff auf Mercedes. Angst, die Vormachtstellung zu verlieren? Kennt Vettel also nicht. "Es wird aber eng", weiß auch Vettel.

Und Teamkollege Räikkönen. Sagt als einziger eigentlich gar nichts. Aber mit gutem Grund. Durch einen Motordefekt fuhr der Finne am Freitag kaum einen Longrun. "Deshalb ist zumindest bei mir alles eine Unbekannte", meint der Finne. Räikkönen als Wundertüte gibt also auch noch.


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