Formel 1

Mercedes wehrt sich gegen Ferrari-Verdacht: Pirelli-Hilfe Müll

Streit an der Spitze der Formel 1: Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen und Ferrari glauben an eine Pirelli-Hilfe für Mercedes. Toto Wolff kontert den Vorwurf.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Weltmeister Mercedes erlebt am Formel-1-Wochenende in Barcelona eine regelrechte Wiederauferstehung. Zum ersten Mal in der F1-Saison 2018 geht die erste Startreihe geschlossen an die Silberpfeile von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Die Ferrari von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen sind auf der Strecke geschlagen, fair und gerecht, wie es so schön heißt.

Doch trifft genau das zu? War es wirklich fair? Jedenfalls ließ Ferrari bereits am ganzen Wochenende wenigstens mit recht klaren Andeutungen zwischen den Zeilen deutlich durchblicken, dass sie an eine Hilfestellung für Mercedes glauben. Und zwar ausgerechnet durch andere Italiener: Pirelli.

Toto Wolff schmettert Verdacht ab: Stuss, Müll

Dabei dreht sich alles um die in Barcelona neuen Reifen. 0,4 Millimeter dünner sind die Laufflächen für den glatten Asphalt in Catalunya. Das soll verhindern, dass die Reifen überhitzen und Blasen bilden, weil der neue Asphalt Extra-Grip bietet und dabei die Reifen kaum verschleißen lässt. Pirelli brauchte die neuen Reifen nach Sondergenehmigung durch die FIA - und zwar auf Wunsch von Mercedes, so der Ferrari Verdacht.

"Das wäre schön", winkte Lewis Hamilton bereits in der Pressekonferenz nach dem Qualifying ab, nahm das Thema locker. Nicht so Toto Wolff. Dem Mercedes-Teamchef passen die Vorwürfe ganz und gar nicht in das Konzept. Der Österreicher will sich die Rückkehr in die Erfolgsspur nicht schlechtreden lassen, schon gar kein schlechtes Licht auf sein Team fallen lassen.

Wolff: Alle hatten Probleme in Barcelona, auch Ferrari

Entsprechend reagiert Wolff mehr als nur allergisch. "Ist Stuss im Englischen ein schlimmes Wort?", vergewissert sich Wolff erst noch, verbal nicht völlig abzuledern. Dann weiter zu dem Vorwurf: "Müll! Alle Teams hatten Blasenbildung, sehr heftige Blasenbildung bei den Testfahrten hier in Barcelona", erinnert Wolff. "Red Bull, Ferrari, und wir. Auch McLaren hat das erlebt. Diese Reifen hätten hier im Rennen nicht durchgehalten", meint Wolff.

"Die Bedingungen waren arktisch, baltisch und aus diesem Grund hat Pirelli die Dicke der Reifen geändert - um Blasenbildung vorzubeugen. Und sie waren erfolgreich, denn wir haben es heute an keinem Auto gesehen", verteidigt Wolff weiter nicht nur Mercedes, sondern auch den Reifenhersteller.

Wolff: So etwas habe ich noch nie erlebt

"Ich weiß nicht, woher plötzlich dieses Gerücht kommt, dass wir Pirelli und die FIA beeinflusst hätten, die Reifen zu ändern. Ich habe noch nie erlebt, dass so etwas mal funktioniert hätte. Warum sollten sie das tun?", wundert sich Wolff.

Gekommen sei der Performance-Sprung Mercedes' in Barcelona schlicht durch eigene Arbeit und etwas Glück mit den Bedingungen am Wochenende. "Wir scheinen konkurrenzfähiger zu sein, wenn die Umgebung etwas kühler ist und die Streckentemperatur auch kühler ist", sagt Wolff. Tatsächlich kühlte es dort von Freitag auf Samstag deutlich ab. "Das ist ein Muster, das wir in der Vergangenheit auch schon immer gesehen" erinnert Wolff. Kurios war allerdings, dass Mercedes plötzlich eher mit den weicheren Reifen besser zurecht kam als Ferrari - normalerweise ist es andersherum.

"Ich glaube also nicht, dass wir auf einmal eine plötzliche Veränderung haben, die das Auto verwandelt hat - wir hatten heute einfach Auto und Reifen im richtigen Fenster", schließt Wolff seine Verteidigungsrede. Tatsächlich war auch das immer ein ganz spezifisches Silberpfeil-Problem - zumindest 2017 und auch Anfang 2018. Traf Mercedes das Fenster nicht, ging kaum noch etwas. Traf Mercedes ins Schwarze, war der Rennstall unschlagbar.


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