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Kubica-Sabotage bei Williams: Villeneuve stellt Aussagen klar

Jacques Villeneuve sorgte mit seinen Aussagen über Robert Kubica und dessen angebliche Sabotage bei Williams für Aufsehen. Nun erklärte sich der Kanadier.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Robert Kubica würde Williams absichtlich sabotieren, um selbst noch in dieser Saison Formel-1-Rennen fahren zu können. Diese Zitate von Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve sorgten in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen.

Auch in Bahrain sorgten die Aussagen noch immer für Aufsehen. Williams-Pilot Lance Stroll reagierte genervt und schoss in Richtung Villeneuve zurück: "Ich wüsste also nicht, warum ich Jacques noch zuhören sollte."

Villeneuve traf seine Aussagen im italienischen TV bei Sky Italia, für das er als Experte zu den meisten Rennen reist. Entsprechend gehen in ausländischen Medien oftmals Details verloren oder werden gar falsch übersetzt. Motorsport-Magazin.com traf den Chef-Kritiker der Formel 1, der am Montag seinen 47. Geburtstag feierte und bat ihn deshalb, seine Kommentare zu erklären.

Jacques Villeneuve:
Gut, dass du fragst, denn das ist irgendwie außer Kontrolle geraten. Es war auch nicht als etwas Negatives gemeint sondern als etwas Positives. Ein Formel-1-Fahrer soll ein Gladiator sein und egoistisch. Wenn du ein 18-Jähriger bist und zum dritten Fahrer ernannt wirst, toll. Aber in Roberts Fall bezahlst du dafür, ein dritter Fahrer zu sein, obwohl du eigentlich ein Rennfahrer sein willst, der Rennen gewinnt.

Wachst du also morgens auf und denkst dir: Oh, ich werde dafür sorgen, dass das Auto für die beiden jungen Typen besser zu fahren ist? Nein, du steigst in das Auto um es so schnell wie möglich für dich zu machen.

Und Robert kann ein schwieriges Auto fahren, er ist erfahren und ein guter Pilot. Er hat sogar Rallye-Erfahrung. Selbst wenn das Auto bei der Geradeausfahrt quer kommt, spielt das für ihn keine Rolle. Wenn er also ein Setup erarbeitet, dass für ihn drei Zehntel schneller ist und er im dritten Auto der schnellste Fahrer ist, bedeutet das, dass das ganze Auto schneller ist.

Also hat er nicht direkt gegen das Team gearbeitet. Aber die anderen beiden Fahrer können das Auto so nicht fahren und sind dafür noch drei Zehntel langsamer. Ich bin mir sicher, dass sich Robert auch hätte denken können: Okay, ich weiß, dass sie mit dem Setup nicht fahren können. Also mache ich ein Auto, das für mich langsamer aber für sie besser ist.

Aber warum würde er das machen? Also ja, indirekt könnte er das Auto zerstören und den anderen Fahrern Schaden zufügen. Aber er sollte egoistisch sein, denn das ist richtig so. Wenn er in der Lage ist, ein Auto zu fahren, das für die anderen unmöglich zu fahren ist, lacht er. Für ihn ist es sogar noch besser, was soll daran falsch sein? Deshalb sagte ich ja, dass ich dasselbe machen würde.

Es ist intelligent. Wenn du Monopoly spielst, hast du ein Regelwerk und tust alles was du kannst, um zu gewinnen. Was soll daran falsch sein? So funktioniert Sport. Das ist es, was du machen sollst. Du sollst ein Gladiator sein. Er ist nicht da um zu sagen: Ich will helfen, ich bezahle um diesen jungen Fahrern zu helfen. Nein, wieso auch?

Ich verstehe nicht einmal, wieso die Leute so darauf reagiert haben. Ein Fahrer muss so sein. Was die Leute verstanden haben ist, dass ich sage, dass er das Auto langsamer macht. Aber nein, das macht er nicht. Er macht es schneller, aber nur er selbst kann es so schnell fahren.

Und was glaubt Villeneuve: Hat Kubica Erfolg und wird 2018 noch zum Stammfahrer?

Also er wird nicht Stroll ersetzen, das ist klar. Und Sirotkin bringt auch eine Menge Geld mit, also wird das auch nicht passieren. Deshalb nein, warum sollte er eine Chance bekommen? Das ist nicht der Plan, außer ein Fahrer ist krank und verpasst ein Rennen. Aber jetzt gerade poliert er sein Image auf, zeigt dass er da ist und dem Team hilft. Das öffnet ihm vielleicht in einem anderen Team eine Tür. Ich denke, das ist sein Plan.


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