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Formel 1

Formel 1, Bahrain-Blamage für Williams: Sehen aus wie Idioten

Williams kam beim Bahrain GP 2018 endgültig ganz unten an. Lance Stroll und Sergey Sirotkin fuhren gnadenlos hinterher. Der Russe brachte es auf den Punkt.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Williams kam beim Bahrain Grand Prix der Formel-1-Saison 2018 in der für das Team in diesem Jahr harten Realität an. Als einziges Team steht der Traditionsrennstall nach zwei Wochenenden noch ohne Punkt in der Konstrukteurs-WM da. Sowohl im Qualifying als auch im Rennen hielt das einstiege Top-Team die rote Laterne. Weder Teamleader Lance Stroll noch Rookie Sergey Sirotkin bekamen in der Wüste einen Fuß auf den Boden.

"Ein schlechtes Gefühl nach einem schlechten Wochenende. Ich weiß, dass wir von außen betrachtet wie Idioten aussahen", so Sirotkin schonungsloses Urteil. Er hatte die Ziellinie als Letzter mit etwas mehr als einer halben Sekunde Rückstand auf Stroll überquert. Zum vor dem Williams-Duo platzierten Romain Grosjean im Haas fehlten fast 20 Sekunden.

Für Williams, die in den vergangenen vier Jahren in der Hersteller-Wertung nie schlechter als Platz fünf abschnitten und auch 2018 wieder um die Krone im Mittelfeld kämpfen wollten, war dieses Resultat ein absolutes Debakel. "Unser Ergebnis sah definitiv schlecht aus, wahrscheinlich sogar noch schlimmer als im Qualifying", fügte Sirotkin an.

Das Qualifying war für Williams mit den Startplätzen 18 und 20 von Sirotkin und Stroll fast schon ein historischer Tiefpunkt. Zuletzt ging das Team 2013, in der schlechtesten Saison seiner Geschichte, von so weit hinten ins Rennen. Pastor Maldonado und Valtteri Bottas hatten sich in Belgien auf den Positionen 17 und 20 qualifiziert. Damals bestand das Feld aber auch aus 22 Fahrzeugen. "Es ist glaube ich besser, nicht darüber nachzudenken", so Sirotkin weiter.

Stroll: Massa würde es auch nicht besser machen

Technikchef Paddy Lowe hatte schon früher am Wochenende nach Erklärungen für die schwache Performance gesucht. Der Wunsch, zum Vergleich einen Routinier im Cockpit zu haben, war bei ihm durchaus herauszuhören: "Die ganze Sache mit der Standorbestimmung des neuen Autos und dazu haben wir zwei relativ junge Fahrer, einer davon noch ein Rookie. Das macht es schwieriger als normal."

Die Vergleiche mit Routinier Felipe Massa, der 2017 noch die Rolle des Teamleaders innehatte, muss sich seit dem ersten Tag in dieser Saison Lance Stroll anhören. Der 19-Jährige sollte laut Teamführung mit einem Jahr Erfahrung eigentlich bereit sein, Williams den Weg zu weisen. Bisher blieb er in dieser Rolle erfolglos, wie der Vergleich mit dem Rookie-Teamkollegen in Bahrain zeigte.

Auf die Frage, ob ein erfahrener Pilot wie Massa dem Team dabei helfen könne, die Probleme mit dem FW41 in den Griff zu bekommen, reagierte Stroll unwirsch. "Er wäre wahrscheinlich eine Sekunde schneller", so der Kanadier, der daraufhin auch noch seine realistische Einschätzung folgen ließ: "Ich glaube nicht."

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Rookie Sirotkin bleibt positiv, Stroll redet seine Performance schön

Als einziger bei Williams hatte Sirotkin zumindest ein bisschen Anlass, mit sich zufrieden zu sein. Der Russe besiegte im Qualifying schon an seinem zweiten F1-Wochenende den Teamkollegen und kam im Rennen gleich hinter diesem ins Ziel. "Dass ich versuche, aus all dem noch etwas Positives zu ziehen, hört sich vielleicht seltsam an. Aber ich sehe durchaus Positives", so der 22-Jährige.

"Teilweise in meinem Lernprozess als Fahrer, aber auch was wir als Team gelernt haben. Selbst wenn es jetzt erstmal schlechter lief, beginnen wir dadurch trotzdem zu verstehen, warum dieses oder jenes passiert ist", erklärte Sirotkin weiter. Stroll redete sich seinen Sonntag auf seine Weise schön: "Ich war mit meinem Rennen wirklich zufrieden, auch wenn wir in Sachen Positionen im Nirgendwo waren."

In der ersten Rennhälfte war er im Zweikampf mit Romain Grosjean aneinandergeraten, woraufhin ein neuer Frontflügel fällig wurde. "Wir haben dabei etwa zehn Sekunden verloren", so Stroll, der mit seiner Leistung im weiteren Rennverlauf im Reinen war: "Ich habe es geschafft mich zurückzukämpfen und am Ende meinen Teamkollegen geschlagen."

Lowe hofft darauf, dass es in Shanghai besser laufen wird. Ein Rezept dafür hat der ehemalige Mercedes-Mann aber noch nicht. "Es gibt nichts, was offensichtlich wäre. Wir haben alles erledigt. Wenn wir die Antwort hätten, wären wir jetzt nicht in dieser Situation. Wir sehen ganz einfach nicht schnell aus", so der Brite, der daraufhin den Teamgeist beschwor.

"Es ist so eine Zeit, wo das Team zusammenstehen und ruhig bleiben und in den richtigen Bereichen die richtige Arbeit erledigen muss. Dann sehen wir, was wir in China ausrichten können."


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