Formel 1

Formel 1, Stroll kritisiert Williams: Mit dem Auto geht nichts

Williams zeigte in Australien einen schwachen Saisonstart 2018. Frustration auf allen Seiten. Lance Stroll schiebt es auf das Auto. Das Team hält dagegen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Williams war beim Saisonauftakt der Formel 1 2018 in Australien wie zu erwarten war nicht in den Punkterängen zu finden. Das ganze Wochenende über hechelten Lance Stroll und Sergey Sirotkin der Konkurrenz im Mittelfeld hinterher. Auf beiden Seiten wuchs der Frust. Stroll klagt über die Performance des FW41. Das Team wiederum nimmt den Kanadier in die Pflicht.

"Mit diesem Auto kannst du nicht performen, so einfach ist das", hatte Stroll schon nach seinem 14. Platz im Qualifying nicht um den heißen Brei geredet - und gleich noch eine Spitze für einen Defekt im Training in Richtung Team geschossen: "Das Team hat am Freitag im Training einen Fehler gemacht, weshalb ich mein Auto am Streckenrand abstellen musste."

Im Rennen landete Stroll trotz diverser Ausfälle vor ihm ebenfalls nur auf dem 14. Rang und wurde dabei sogar von Charles Leclerc geschlagen. Der Rookie hatte den Kanadier beim Restart kassiert. "Wir haben nicht die Extrapower, die wir für einen Safety-Car-Restart brauchen. Deshalb verlor ich den Platz an Leclerc", sah sich Stroll für die Niederlage gegen den Sauber-Piloten nicht in der Verantwortung.

Genauso wenig nahm er die gleich zu Rennbeginn gegen Esteban Ocon verlorene Position auf seine Kappe. "Wir waren in der ersten Runde im falschen Motormodus und das ist der Grund, weshalb Ocon mich bekommen hat", so der 19-Jährige, der sein Team mit diesen Aussagen nicht gerade besonders gut aussehen ließ. Während er außerhalb der Punkteränge landete, war für Teamkollege Sergey Sirotkin nach einem kuriosen Butterbrot-Papier-Vorfall schon nach vier Runden Feierabend.

Williams: Strolls Pace war sehr schlecht

Williams bezog nach dem Grand Prix Stellung zum schwachen Abschneiden seiner Truppe. "In Lance' Fall war die Pace sehr schlecht", so ein zerknirschter Paddy Lowe, seines Zeichens Technik-Chef in Grove, auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Etwas davon war dem Hinterherfahren hinter anderen Autos geschuldet", relativierte er zunächst und schob nach. "Aber selbst bei freier Fahrt fand er keinen Grip."

Strolls Niederlagen gegen Ocon und Leclerc entgingen Lowe selbstverständlich nicht. "Lance verlor zwei Plätze. Den an Ocon in der ersten Runde, weil es ein Problem mit dem Motormodus gab. Das bedeutete, dass er auf der Gegengeraden nicht den richtigen Boost hatte. Das war also ein Energieproblem."

Nico Rosberg und Lewis Hamilton kollidierten 2016 in Spanien, weil Rosberg nach dem Start nicht in den richtigen Motormodus schaltete und Hamilton so die Chance zum Angriff gab, der für beide im Kiesbett endete. Durch diesen Vorfall und die Tatsache, dass Datenübertragung von der Box an das Auto in der Formel 1 verboten ist, ist bekannt, dass in der Regel der Fahrer dafür verantwortlich ist, im richtigen Moment den richtigen Motormodus anzuwenden.

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Falscher Motormodus nicht Strolls Schuld?

In Strolls Fall sei Williams aber noch auf der Suche nach den Gründen für den Power-Mangel in der ersten Runde, wie Lowe bekräftigte. "Ich weiß die Antwort darauf noch nicht. Die Energie war in dem Moment einfach im falschen Modus... später verlor er auch noch den Platz an Leclerc." Der Positionsverlust gegen den eigentlich schwächeren Sauber wirft bei Lowe noch mehr Fragen auf.

"Das müssen wir auch erst verstehen. Denn an dem Punkt hatten wir eigentlich erwartet, dass er einen Platz gegen Ocon gutmachen würde, da er auf dem viel besseren Reifen unterwegs war", so der Brite, dessen Strategen Stroll in der VSC-Phase wieder den weichen Ultrasoft-Reifen aufgezogen hatten.

Stroll überquerte nach 58 Runden die Ziellinie rund zweieinhalb Sekunden hinter Leclerc. Dass der 19-Jährige das halbe Rennen keinen Weg vorbei am Monegassen fand, erklärte Lowe mit Temperaturproblemen. "Es gab das ganze Rennen über Schwankungen bei der Pace, da wir es bei der Motorkühlung zu weit getrieben haben. Die Außentemperatur war wärmer als erwartet."

Der Williams litt im Verkehr also unter denselben Problemen wie das Mercedes-Werksteam. "Das bedeutete, dass er gegen Rennende bei seinen Attacken auf Leclerc nicht in der Lage war, den Druck aufrecht zu erhalten, da wir die Temperatur immer wieder herunterbringen mussten", so Lowe weiter.

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Williams stellt klar: Motorprobleme nicht für schwache Performance verantwortlich.

Ein Problem mit der Motortemperatur war es auch, was Stroll am Freitag im FP2 lahmlegte. "Wir waren etwas zu heiß unterwegs bei den Trainingsstarts im zweiten Training. Wir haben das Auto angehalten, um den Motor zu retten", so Lowe. "Wir müssen die Motoren managen. Wegen des Problems am Freitag, das etwas außer Kontrolle geriet, haben wir dem Motor mehr Leben genommen, als wir gesollt hätten", gab er zu.

Für die enttäuschende Performance am Rest des Wochenendes war das jedoch nicht verantwortlich. "Im Qualifying hat uns das nicht beeinträchtigt", versicherte Lowe. Am Samstag waren die Piloten seinen Angaben nach mit dem Gefühl für den FW41 sogar zufrieden. "Die Balance war im Qualifying ziemlich gut, die Fahrer waren beide ziemlich glücklich."

"Aber wir haben enttäuscht, denn das waren nicht die Startplätze, die wir erreichen wollten. Wir müssen das in der Tiefe untersuchen und verstehen, welches Potential wir hatten - was wir davon umgesetzt haben und was nicht, und warum", zeigte er sich ratlos. "Es gibt keinen offensichtlichen Grund, über den wir mehr Pace finden würden."


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