Formel 1

Formel 1: Die Brennpunkte beim Finale 2017 in Abu Dhabi

Hamilton und Vettel wollen in Abu Dhabi den letzten Sieg 2017. Für Felipe Massa und McLaren Honda naht der Abschied, für Pascal Wehrlein die letzte Chance.
von Florian Becker
Formel 1, Abu Dhabi 2017: Die wichtigsten Fragen zum Finale: (03:53 Min.)

Ein allerletztes Mal messen sich die Formel-1-Teams beim Finale der Saison 2017 in Abu Dhabi. Die Weltmeisterschaften wurden zwar längst zugunsten von Mercedes und Lewis Hamilton entschieden, doch beim finalen Kräftemessen auf dem Yas Marina Circuit geht es für den Weltmeister und seine Gegner längst nicht nur um die Goldene Ananas.

An der Spitze konnte Ferrari nach einer langen Durststrecke in Brasilien mit einem Sieg zurückschlagen und wird nichts unversucht lassen, um die Saison nach den verlorenen WM-Titeln auf einem Hoch zu beenden. Gleiches gilt auch für die Konkurrenz von Mercedes und Red Bull. Im Mittelfeld geht es um wichtige Preisgeld-Millionen und gebührende Abschiede: Das sind die Brennpunkte für den Abu Dhabi GP.

#1 Mercedes & Co. wollen sich mit einem Sieg verabschieden

Dank den beiden Triumphen von Max Verstappen kam Red Bull der Konkurrenz von Ferrari in den Statistiken der Saison 2017 gefährlich nahe. Mit Sebastian Vettels fünftem Saisonsieg für die Scuderia hat sich das Team in Interlagos aber wieder Luft verschafft. "Das ist der Lohn für die harte Arbeit. Nachdem wir die letzten Wochen viel auf die Mütze bekommen haben, tut das ganz gut", so Vettel, der nach seinem Sieg in Budapest über 100 Tage auf den nächsten Erfolg warten musste.

Mit einem sechsten Sieg würde er mit einem ähnlichen Lauf in die Winterpause gehen, wie ihn Ende 2015 Nico Rosberg hinlegte, der im darauffolgenden Jahr den Titel holen konnte. Lewis Hamilton wiederum will nach seinem Schnitzer im Qualifying von Brasilien nur ungerne eine weitere Pleite hinnehmen, die unter Umständen dazu führen würde, dass ihm abermals Lustlosigkeit nach dem Titelgewinn nachgesagt wird. "Ich werde in Abu Dhabi alles geben", beteuerte er in Brasilien.

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Sein Teamkollege Valtteri Bottas hat nach der Niederlage gegen Vettel nur noch theoretische Chancen, die Weltmeisterschaft auf Platz zwei abzuschließen. In Abu Dhabi müsste er 22 Punkte auf den Ferrari-Star aufholen, was unter normalen Umständen kaum möglich sein wird. Dem dritten Team im Bunde ist nach der starken zweiten Saisonhälfte so gar nicht danach, sich schon von 2017 verabschieden. Jetzt wo der Red Bull in Fahrt gekommen ist, würde Verstappen lieber weiter Vollgas geben.

"Abu Dhabi ist das letzte Rennen im Kalender, aber ich will eigentlich gar nicht, dass die Saison schon vorbei ist. Ich bin im Moment richtig heiß und will einfach weitermachen", so der 20-jährige Niederländer, der 2018 zweifelsohne zum Favoritenkreis auf die Weltmeisterschaft zählt. Teamkollege Daniel Ricciardo würde teamintern gerne mit einem weiteren Sieg zum 2:2 ausgleichen: "Ich will noch einen Sieg, bevor die Saison vorbei ist."

#2 Kampf um die Preisgeldmillionen im Mittelfeld

Renault konnte in Brasilien mit einem mageren Pünktchen für Nico Hülkenberg die Lücke zu Toro Rosso nur leicht verringern. Im Kampf um den sechsten Platz in der Konstrukteurs-WM fehlen dem Werksteam der Franzosen mit 49 zu 53 Punkten immer noch vier Zähler auf den Kunden-Rennstall. Angesichts in der zweiten Saisonhälfte bei Toro Rosso permanent auftretender Power-Unit-Defekte, kam es in Interlagos zum Eklat. Team und Motorenhersteller schoben sich gegenseitig die Schuld für die Probleme in die Schuhe.

Einige Beobachter veranlasste dies Verschwörungstheorien in den Raum zu stellen, Renault würde seinen Kunden absichtlich mit fehlerhaften Aggregaten beliefern, um in der Konstrukteurs-WM Platz sechs und damit wichtige Millionen Preisgeld einstreichen zu können. "Das Rennen ist für uns die Weltmeisterschaft, da wir immer noch in einem engen Kampf mit Toro Rosso und Haas stecken", so Renault Managing Director Cyril Abiteboul, der daran erinnert, dass die US-Amerikaner mit 47 Punkten als drittes Team noch voll im Rennen sind.

"Wir werden attackieren. In Brasilien hätten wir ohne die beiden Unfälle in Runde eins sicherlich gute Chancen gehabt, Punkte zu holen. Haben wir aber nicht, und hätte, wenn und aber zählt nicht. Wir werden es in Abu Dhabi mit allen Mitteln versuchen", so Haas-Teamchef Günther Steiner, der 2016 die Premierensaison mit Haas auf Rang acht abschloss und sich im zweiten Jahr um mindestens eine Position verbessern wollte. Punkte für Romain Grosjean und Kevin Magnussen sind damit unabdingbar.

#3 Felipe Massa verabschiedet sich aus der Formel 1

Nachdem Abu Dhabi 2016 eigentlich Felipe Massas letztes Rennen hätte sein sollen, ist zwölf Monate später endgültig die Zeit gekommen, sich zu verabschieden. "Ich wollte weitermachen, aber wir haben gesehen welche Pläne das Team hat", so Massa über seinen nicht ganz freiwilligen Abgang bei Williams. Mit seiner Formel-1-Karriere ist er vor dem letzten Auftritt trotzdem im Reinen.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich das alles erreichen würde. In die F1 zu kommen war ein Traum. Ich bin nicht nur bis hier gekommen, ich habe Rennen gewonnen und war wahrscheinlich der Fahrer, der am nächsten an einem Titel dran war", so der Brasilianer, der bei seinem letzten Heimrennen in Interlagos mit einer beherzten Fahrt gegen Fernando Alonso nochmals zeigte, was in ihm steckt.

Das finale Jahr in der Formel 1 lieferte vielleicht nicht unbedingt seiner Laufbahn würde Ergebnisse. Für den 36-Jährigen zählen aber nicht nur die Resultate, die er nach 15 Jahren hinterlässt. "Das Wichtigste ist für mich, dass ich von den Menschen respektiert werde. Und dieses Gefühl habe ich bei jedem den ich treffe oder mit dem ich arbeite, selbst wenn nur für kurze Zeit.

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#4 Letzter Auftritt für die Chaos-Ehe zwischen McLaren und Honda

Ein anderer Routinier im Feld wird sich über sein letztes Mal in Abu Dhabi wahrscheinlich freuen wie ein Schneider. Für Fernando Alonso und sein McLaren-Team endet mit dem Finale 2017 die dreijährige Leidenszeit mit Motorenpartner Honda. Als beste Resultate stehen fünfte Plätze vom Spanier in den Jahren 2015 und 2016 zu Buche.

"Ich weiß, dass ich für das ganze Team spreche, wenn ich sage, dass jeder von uns dem letzten Rennwochenende als McLaren Honda mit Optimismus und Respekt entgegenblickt", so McLarens Racing Director Eric Boullier. "Jeder einzelne von uns hat in den vergangenen drei Jahren unglaublich hart und mit steter Hingabe gearbeitet, durch alle Höhen und Tiefen hindurch bis zum allerletzten Rennen."

Während McLaren sich als Kunde von Renault den Sprung zurück an die Spitze erhofft, wird Honda mit Toro Rosso versuchen, das Formel-1-Projekt endlich in die richtigen Bahnen zu leiten. Hondas Chefingenieur Yusuke Hasegawa würde die Ehe mit McLaren gerne mit einem ansehnlichen Resultat abschließen: "Ich hoffe, dass wir das Jahr auf einem hoch beenden können. Nicht nur für uns, sondern auch für die Fans von McLaren Honda überall auf der Welt, die uns in den vergangenen drei Saisons unterstützt haben."

#5 Endstation für Pascal Wehrlein?

Das Finale ist für alle Fahrer ohne gültigen Vertrag für das kommende Jahr wie immer die letzte Chance, sich noch einmal für ein Cockpit zu empfehlen. Im aktuellen Starterfeld sind dies nur die beiden Sauber-Piloten Pascal Wehrlein und Marcus Ericsson. Ihre Optionen für 2018 sind jedoch rar gesät. Im Grunde genommen gibt es nur noch bei Williams einen attraktiven Fahrerplatz. Während bei Ericsson ein Sauber-Verbleib wahrscheinlicher ist als ein Wechsel nach Grove, ist es bei Wehrlein genau umgekehrt.

Nachdem Williams begann Robert Kubica intensiver Tests zu unterziehen, ließ der Mercedes-Junior bereits vor einigen Wochen durchklingen, dass auch er dort gerne eine Kostprobe seines Talents abgeben würde. Ganz aus dem Rennen ist Wehrlein beim britischen Traditionsrennstall noch nicht, obwohl Gerüchten zufolge Kubica der heißeste Kandidat auf das Auto ist. Neben den Beiden fallen auch die Namen Paul Di Resta und Daniil Kvyat im Zusammenhang mit Williams.

Bei Sauber gilt es als fast sicher, dass mit Antonio Giovinazzi oder Charles Leclerc einer der beiden Ferrari-Junioren den Aufstieg in die Königsklasse über die Schweizer vollziehen wird - an der Seite von Ericsson. Es könnte allerdings auch daraus hinauslaufen, dass der Schwede nach zwei punktelosen Jahren in der Formel 1 sein Cockpit bei Sauber verliert - obwohl seine Förderer der Longbow Finance SA die Eigentümer des Rennstalls sind.


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