Formel 1

Red-Bull-Teamchef: Hamiltons Brasilien-Performance deprimierend

Red-Bull-Teamchef Christian Horner sieht bei Renault noch einigen Nachholbedarf für die kommende Saison. Warum die Mechaniker der Franzosen Helden sind:
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Als der Disput zwischen Toro Rosso in Person von Teamchef Franz Tost und Motorenpartner Renault in Brasilien eskalierte, fühlten sich viele Beobachter um zwei Jahre in der Zeit zurückgeschickt. Damals betraf es das große Schwesterteam Red Bull, die von den Franzosen die Nase voll hatten und sich nach heftigen, öffentlichen Beschimpfungen trennten.

Schlussendlich fand Red Bull aber keine Alternative, man kam mit Renault wieder zusammen. Seither werden die Motoren im Heck von Daniel Ricciardo und Max Verstappen aber unter dem Namen Tag Heuer geführt, das Bündnis gleicht einer reinen Zweckgemeinschaft.

Toro Rosso hat nach zahlreichen Motorenschäden zuletzt und in dem Wissen, ab kommendem Jahr von Honda beliefert zu werden, keinen Grund mehr, Renault Rosen zu streuen. Bei Red Bull sieht die Sache etwas anders aus. Zwar deutet vieles auf eine Trennung nach der Saison 2018 hin, doch eben das kommende Jahr muss man noch gemeinsam über die Bühne bekommen.

Red Bull nimmt Renault in Schutz

Entsprechend bemühten sich Dr. Helmut Marko und Teamchef Christian Horner um Vermittlung in diesem Disput. "In den letzten zehn Jahren, von denen viele erfolgreich waren, sind wir mit unserem aktuellen Motorenpartner durch alle Emotionen gegangen. Wie üblich am Ende einer langen Saison kochen die Emotionen hoch, aber es war eine wertvolle Beziehung und wird es auch bleiben", wurde Marko in einem Statement seitens Red Bulls zitiert.

Ungewöhnlich zahme Worte eines Mannes, der dafür bekannt ist, mit Kritik nicht zu sparen. Horner äußerte sich nach dem Rennen fast gleich. "Ich denke, Renault ist sich der Probleme, die sie haben, bewusst. Bei Franz sind ist die Frustration übergeschwappt, und in dieser Zeit des Jahres kochen die Emotionen auch einmal hoch", sagte der Brite.

Bei Toro Rosso gab es zuletzt unzählige Motorschäden - Foto: Sutton

Dabei hätte auch er allen Grund, sauer zu sein. Schließlich läuft es bei Renault in Sachen Zuverlässigkeit überhaupt nicht. In Mexiko und auch in Brasilien gab es mehrere Schäden, die jetzt sogar dazu führten, dass das Material für das letzte Rennen in Abu Dhabi knapp wird. "Es ist ein bisschen wie auf dem Schrottplatz. Wir müssen schauen, ob wir noch irgendwelche Teile finden, die wir einbauen können", skizziert Horner die Lage, sollten auch die aktuellen Motoren noch ein Problem bekommen.

Die Jungs in der Garage verbringen unter diesen schwierigen Bedingungen wahre Wunder.
Christian Horner

Den Mechanikern von Renault zollt Horner daher großen Respekt. "Hut ab vor den Renault-Mechanikern, wie sie die Teile herumtragen. Und es ist nicht immer eine ideale Umgebung an der Strecke, um Motoren neu aufzubauen. Und sie machen es jede Woche", sagte Horner. "Sie kommen mir immer etwas zu Kurz. Die Jungs in der Garage verbringen unter diesen schwierigen Bedingungen wahre Wunder", stellt er klar.

Horner: Hamilton-Leistung "deprimierend"

Die Leistungsfähigkeit der Motoren können aber auch sie nicht erhöhen, das müssen schon die Ingenieure in der Fabrik in Viry bewerkstelligen. Und spätestens am Sonntag wurde klar, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt. Lewis Hamilton zeigte mit seinem neuesten Aggregat eine famose Leistung, wenngleich er auch keine Materialschonung betreiben musste. Dennoch hat Horner seinen Auftritt registriert.

"Wir haben Mercedes am Optimum gesehen und es war leicht deprimierend, als sein Renningenieur ihm per Funk mitgeteilt hatte, dass er 14 Überholmanöver gesetzt hat", berichtet Horner. Er kann dieser Darbietung jedoch auch etwas Gutes abgewinnen. "Wenigstens haben sie gezeigt, was sie können. Damit haben sie die Messlatte für die Konkurrenz gesetzt, um aufzuholen", blickte er auch auf Renault.

Die Zielsetzung ist klar: 2018 will Red Bull wirklich um den Titel kämpfen. Das Auto hat man verbessert, nun seien die Franzosen an der Reihe. "Die Stoppuhr lügt nicht. Sie haben die Daten und die Möglichkeiten, alles zu analysieren. Daran sollten sie sich messen lassen", fordert er eine klare Steigerung.


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