Formel 1

Lewis Hamilton hat Angst vor 2018: Formel 1 wird wie Busfahren

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton graut es vor der Formel-1-Saison 2018: Mit dem neuen Reglement samt Halo fürchtet der Weltmeister um den Spaß am Fahren.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 wird sich nach der großen Regeländerung für diese Saison im Jahr 2018 abermals verändern. Doch der Cockpitschutz Halo, mehr Reifenmischungen und noch weniger Motoren pro Saison treiben manchem Puristen den Angstschweiß auf die Stirn. Lewis Hamilton fürchtet im Gespräch mit der italienischen Zeitung Tuttosport, dass sein Mercedes mit noch mehr Gewicht auf den Rippen bald nicht mehr für den gewohnten Fahrspaß sorgen wird

"Wir haben jetzt schon diese Ladung von 100 kg Sprit an Bord und mit dem Halo wird es sich so anfühlen, als ob wir einen Bus fahren", fürchtet der Weltmeister angesichts eines 2018 nochmals ansteigenden Gesamtgewichtes der Formel-1-Boliden. Hamilton ist die scheinbar nicht enden wollende Massephase der Königsklasse ein Dorn im Auge.

"Wenn sie so weitermachen, sind die Autos bald so schwer wie in der NASCAR und die Bremswege werden noch länger", kritisiert der 32-Jährige. Nachdem das Gewicht zur Saison 2017 bereits von 702 auf 728 Kilogramm anstieg, kommen durch den Halo nächstes Jahr noch einmal fünf Kilogramm drauf. "Das ist definitiv nicht das, was wir als Piloten wollen. So können wir unser Potential nicht voll entfalten."

Die erneute Reduktion der je Fahrer erlaubten Power Units auf drei pro Saison, wird Hamiltons Ansicht nach dem Fahrspaß ebenfalls nicht zuträglich sein. Zumal mit dieser Maßnahme einhergehend der Rennkalender wieder von 20 auf 21 Rennen anwächst. "Es wird sicherlich schlimmer, wenn wir mit drei Motoren durch die Saison kommen müssen. Wir werden dadurch gezwungen, wie Langstrecken-Piloten fahren," so der Brite.

Formel 1 schon seit 2017 schwerer als IndyCar

Die massive Gewichtszunahme der Boliden stieß einigen Formel-1-Piloten schon in den vergangenen Jahren sauer auf. "Es macht einen großen, großen Unterschied. Mit 600 kg waren die Autos großartig, sie waren richtig flink", vermisste Hamilton schon vor dem Saisonstart 2017 die Boliden seiner Anfangsjahre in der Formel 1. Früher belächelten Teams und Piloten aus der Königsklasse die IndyCar-Serie, deren Boliden stets mehr Gewicht auf die Waage brachten.

Mit dem seit 2017 geltenden Technischen Reglement sind die Autos der Formel 1 erstmals in ihrer Geschichte schwerer als die IndyCars. Die Fahrzeuge der höchsten Formelkategorie in den USA kommen in ihren Konfigurationen für Oval- und Rundstrecke auf 701 respektive 714 Kilogramm. Hamiltons NASCAR-Ängste sind jedoch unbegründet, denn in der US-amerikanischen Top-Rennserie wiegen die Fahrzeuge 1,5 Tonnen.

Schwerere Boliden gibt es 2018 allerdings nicht nur für Hamilton & Co., sondern auch für die Nachwuchspiloten in der Formel 2. Bisher wog der Bolide im Unterhaus der Formel 1 inklusive Fahrer 688 Kilogramm. Das ehemalige GP2-Chassis wird jedoch kommende Saison abgelöst. Das komplett neue von Dallara entwickelte Formel-2-Chassis wird zwischen zehn und zwölf Kilogramm mehr auf die Waage bringen, wobei der Halo auch hier seinen Teil zur Gewichtszunahme beiträgt.

Mercedes-Boss Niki Lauda ist seit jeher kein Fan des Halo. "Wir haben neue Autos gebaut, die für den Fan und den Fahrer wieder attraktiver sind und jetzt setzt man denen ein Stahlgerüst auf", schimpfte er kurz nach der Halo-Bekanntgabe der FIA im Sommer diesen Jahres. Zuletzt führte er den Cockpitschutz auch im Zuge seiner Kritik an Liberty Medias Strategien an. "Sie wollen die Fahrer schützen, als wären sie Babys - mit der Einführung des Halo zum Beispiel."

Formel-1-Regeln 2018 erklärt: Das sind die Neuerungen für nächste Saison: (20:36 Min.)


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