Formel 2

Neues Formel 2 Auto vorgestellt: Halo und 620 PS

Die Formel 2 soll zum wahren Unterhaus der Formel 1 werden. In Monza wurde das neue Auto dafür vorgestellt: Halo, Turbo-Motor und 620 PS sollen helfen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Seit diesem Jahr gibt es wieder eine Formel 2. Viel hat sich allerdings nicht geändert zur Vorgängerserie, der GP2. Die Serie fährt nun unter Hoheit der FIA, das war es aber schon mit den Änderungen. Allerdings wurde die GP2 auch erst zu Beginn des Jahres zur FIA Formel 2. Für 2018 soll sich aber jede Menge ändern. Der erste große Schritt ist das neue Auto, das beim Italien GP in Monza im Formel-1-Fahrerlager vorgestellt wurde.

Sechs Jahre lang diente der alte Bolide, in der kommenden Saison rüstet die Serie wieder richtig auf. Auffällig ist vor allem der Cockpit-Schutz Halo. Als erstes einsatzfähiges Auto wurde der 2018er Formel-2-Bolide mit dem Heiligenschein vorgestellt. Es war von Anfang an der Plan der FIA, den Cockpit-Schutz auch in den Nachwuchsserien einzuführen. Mit der Einführung einer neuen Fahrzeuggeneration ist die Gelegenheit perfekt.

Sollte die Formel 1 in absehbarer Zeit von Halo auf eine andere Schutzvorrichtung wie beispielsweise Shield umstellen, könnte auch die Formel 2 nachziehen. "Die Frage ist aber, wie man das dann in die bestehenden Autos integrieren kann", erklärt Whiting Motorsport-Magazin.com. "Aktuell kann ich nicht sagen, ob das technisch ohne ein neues Chassis möglich wäre."

Das Auto muss eine fantastische Show bieten können, es muss sicher sein, die Kosten müssen unter Kontrolle bleiben und es muss ein gutes Fahrzeug für die Ausbildung der Fahrer sein.
Bruno Michel

Allerdings kostet Sicherheit auch im Unterhaus Gewicht. Zwischen zehn und zwölf Kilo wird das neue Auto schwerer. Dafür steigt die Leistung moderat: Die neuen Turbomotoren leisten 620 PS. Dabei handelt es sich um einfach aufgeladene 3,4-Liter V6-Motoren von Mecachrome, die ihre Maximalleistung bei 8.750 Umdrehungen pro Minute abrufen. Ein Energierückgewinnungssystem gibt es erneut nicht, könnte aber in Zukunft noch hinzukommen.

Das Einheitschassis von Dallara ist ebenfalls eine Neukonstruktion. Große Performance-Sprünge wird es damit aber nicht geben, die Verantwortlichen erwarten ähnliche Rundenzeiten wie mit dem aktuellen Auto. Während die Formel 2 beim Motorkonzept der Formel 1 etwas nacheifert, bleiben die Reifendimensionen gleich. Pirelli ist weiterhin exklusiver Alleinausrüster.

"Wir haben bei unseren Autos immer die vier gleichen Ziele verfolgt, so auch bei diesem", erklärt Formel-2-Chef Bruno Michel. "Das Auto muss eine fantastische Show bieten können, es muss sicher sein, die Kosten müssen unter Kontrolle bleiben und es muss ein gutes Fahrzeug für die Ausbildung der Fahrer sein."

Der erste Shakedown des neuen Autos wurde bereits im Juli in Magny Cours abgespult, in den nächsten drei Monaten gibt es ein exzessives Testprogramm, bei dem es erstmals auch Performance-Tests geben wird. Pirelli wird gleichzeitig an neuen Reifenkonstruktionen und Mischungen arbeiten. Im Januar 2018 sollen die ersten Autos an die Teams ausgeliefert werden, einen Monat später sollen alle Bestellungen abgearbeitet sein. Das Auto soll mindestens die nächsten drei Saisons seinen Dienst erfüllen, eine Laufzeitverlängerung ist denkbar.

Der neue Formel-2-Motor verfügt über eine Aufladung durch einen Turbolader - Foto: LAT Images

Die FIA arbeitet seit geraumer Zeit daran, die Nachwuchsserien neu zu strukturieren. Die Übernahme der GP2 war ein weiterer Schritt zum Pyramidensystem. Bald soll auch die Formel 3 im Rahmen der Formel 1 fahren, aktuell ist an dieser Stelle noch die GP3-Serie.

Das neue Auto in der Formel 2 ist aber nur ein erster Schritt. Die Verantwortlichen wollen die Formel 2 wieder zu dem machen, was sie einmal war: nicht nur eine Nachwuchsserie, sondern eine vollwertige Meisterschaft. Ein ähnliches System gibt es heute im Motorradsport, wo Moto2 und Moto3 nicht nur Durchlaufstationen zur MotoGP sind. "Genau da wollen wir hin", sind sich FIA Rennleiter Charlie Whiting und Formel-1-Chef Ross Brawn einig.

"Wir wollen auch kommerzielle Dinge schaffen, die rennserienübergreifend sind", so Brawn zu Motorsport-Magazin.com. Um die Formel 2 attraktiver zu gestalten, ist beispielsweise denkbar, die Fernsehrechte für die Formel 1 in Kombination mit der Formel 2 zu verkaufen. "Das ist eine Möglichkeit, aber dazu kann ich aktuell nichts sagen", so Brawn.


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