Formel 1

Formel 1, USA: Kimi Räikkönen nach Verstappen-Aktion stinksauer

Kimi Räikkönen rutscht beim USA GP in Austin durch die Verstappen-Strafe noch aufs Podium. Der Formel-1-Star atmet auf. Starkes Rennen doch nicht ruiniert.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen machte durchaus große Augen. Völlig perplex, verwundert, baff stand der Iceman plötzlich doch noch im Cool Down Room in Austin, tauschte fragende Blicke mit Ferrari-Kollege Sebastian Vettel und machte sich bereit für das Podium. Dabei hatte Räikkönen die Ziellinie nur als Vierter überquert ...

Was passiert war: Eine schnell ausgesprochene 5-Sekunden-Strafe gegen Max Verstappen spülte Räikkönen wieder zurück auf den ganz kurz vor Schluss an den Red Bull verlorenen dritten Platz beim USA GP der Formel 1. Genau diese Aktion war es auch, die zu der Verstappen-Strafe führte.

Räikkönen: War sicher, Kurve gecovert zu haben

In dem langgezogenen Rechtskurven-Komplex (Turns 16-18) des Circuit of the Americas vor den beiden Schlusskurven hatte Verstappen Räikkönen in der letzten Rennrunde noch überholt, sich innen am Ferrari vorbei gepresst. Für die Stewards zu weit innen: Verstappen habe abgekürzt, die Strecke mit allen Reifen verlassen und sich so einen unfairen Vorteil verschafft. Daher die Strafe.

Während ein beträchtlicher der F1-Experten und -Beobachter diese Sanktion als unverhältnismäßig oder den Sport beschädigend kritisiert, würde man vom Leidtragenden dieser Aktion, Kimi Räikkönen, eigentlich das genaue Gegenteil erwarten. Doch der Finne hält sich zurück. "Was die Sache mit Verstappen angeht, kann ich mich dazu nicht äußern, weil ich von meiner Position aus nicht gesehen habe, was passiert ist", sagt Räikkönen. "Ich weiß nur, dass er in der drittletzten Kurve vorbeikommen ist."

Doch auch wenn der Finne keine klare Aussage in Sachen Regelbruch treffen kann, so liefert die Einschätzung des Routiniers dennoch einen interessanten Anhaltspunkt: Räikkönen war sicher, dass Verstappen eigentlich nicht hätte überholen können. "In der Kurve war ich eigentlich sicher, genug gecovert zu haben, aber plötzlich habe ich ihn im Spiegel gesehen und war dann etwas überrascht", schildert Räikkönen. "Und wir wissen alle, wo die Track Limits sind. Wenn du über die weiße Linie kommst, okay. Aber wenn du es machst während du jemand überholst, weißt du genau, dass du ein Problem bekommen kannst."

Räikkönen erst stinkig, dann erleichtert

Überrascht. Und verärgert. Nicht auf Verstappen, konnte Räikkönen wie gesagt nicht direkt ein regelwidriges Verhalten erkennen, sondern schlicht, weil der schöne dritte Platz hinüber war. "Bei diesem Speed dort habe ich natürlich mehr nach vorne als nach hinten geschaut und war dann echt stinksauer, dass er an mir vorbeigekommen ist. Aber ich hatte keine Chance", sagt Räikkönen. "Es war enttäuschend, am Ende so die Punkte zu verlieren. Aber dann habe ich das mit Max' Strafe gehört", berichtet Räikkönen von der großen Erleichterung.

Räikkönen: Ferrari lief in Austin perfekt

Umso größer war zuvor der Ärger gewesen, weil der Finne bis dahin hoch zufrieden war mit seinem USA GP. "Das Auto hat sich im ganzen Rennen super angefühlt und top funktioniert. Ich hatte jede Menge Speed und auch die Reifen haben gut bis zum Ende gehalten. Sie waren überhaupt nicht in schlechtem Zustand. Immer wenn ich pushen konnte, haben wir Boden gut gemacht. Das war ein sehr gutes Gefühl", beschreibt Räikkönen.

Einzig gegen Rennende sei es zunehmend unangenehm geworden. "Im letzten Teil des Rennens hätte ich sehr viel schneller fahren können, aber ich musste das Benzin im Auge behalten, sodass ich Pace herausnehmen musste, was mich eingebremst hat. Das Ergebnis hätte also besser sein können, aber mit zwei Autos auf dem Podium können wir nicht allzu enttäuscht sein", sagt Räikkönen.

Räikkönens Duelle mit Ocon, Ricciardo, Bottas

Gerade Räikkönen kann sich freuen, nahm der USA GP zunächst noch nicht den besten Lauf. Nachdem Räikkönen bereits mit seinem Startplatz gehadert hatte, verlor er im Startgetümmel gleich noch einen weiteren an Esteban Ocon. Immerhin war der Force India zügig wieder kassiert. "Das Überholen - war das Ocon? - lief ganz normal. Ich hatte erwartet, dass es schwerer sein würde, aber vielleicht hat er nicht erwartet, dass ich innen reinstechen würde. Ich musste einfach nur schauen, dass ich da genug Speed mitbrachte", schildert Räikkönen

Weil unmittelbar vor ihm Valtteri Bottas und Daniel Ricciardo im Infight steckten, holte der Iceman das Duo schnell ein. Als sich Bottas schließlich von Ricciardo lösen konnte, begann Räikkönen den Red Bull zu attackieren, kroch Ricciardo fast schon ins Getriebe. Doch bevor Räikkönen einen Überholvorgang lancieren konnte, verabschiedete sich Ricciardo in die Box - kurz darauf rollte er mit Motorschaden aus.

Somit hieß Räikkönens nächster Gegner mal wieder Valtteri Bottas, den der Ferrari-Pilot nun ebenfalls unter Druck setzte. Dringend musste Räikkönen vorbei, von hinten flogen Vettel und Verstappen, die ein zweites Mal gestoppt hatten, mit weicheren und neueren Reifen heran. Doch so leicht kam Räikkönen nicht vorbei am Mercedes. Erst in Runde 42 war der Mann aus Espoo vorbei am Mann aus Nastola.

"Mit Bottas war es ein etwas größerer Kampf, nah genug heran zu kommen, aber dann habe ich ihn schließlich ausgebremst und bin vorbei gekommen. Hat aber es hat etwas gedauert. Sie (Mercedes; Anm. d. Red.) waren sehr schnell auf der Gegengeraden, deshalb war es hart. Ich habe ihn da immer eingeholt, aber zu spät. Auf dem Rest der Strecke konnte ich ihm folgen", berichtet Räikkönen.

Räikkönen & Vettel helfen sich gegenseitig

Einmal vorbei an Bottas trat Räikkönen die Flucht nach vorne an - so gut es im Spritsparmodus eben ging. Doch als auch Sebastian Vettel Bottas hatte stehen lassen, war ohnehin klar, dass Räikkönen seinem Kollegen und Kumpel im WM-Kampf helfen würde. "Sobald Seb hinter mir war habe ich ihn in Kurve eins vorbeigelassen und dann versucht, seinen Windschatten auf den Geraden zu bekommen, um so noch mehr Sprit zu sparen", sagt Räikkönen.

"Das war ein bisschen Teamarbeit da am Ende", bestätigt Vettel. "Für ihn machte es nicht viel Sinn, mich hinter sich zu halten. Da haben wir gut zusammengearbeitet, weil ich ihm dann auch Windschatten gegeben habe, was ihm geholfen hat, um sich gegen Max zu verteidigen. Aber was dann mit Max war, weiß ich nicht genau."

Durch den dritten Platz in Austin rückte Räikkönen in der WM wieder deutlich näher heran an den Vierten, Daniel Ricciardo. Mit noch 29 Punkten Rückstand kann sich der Iceman bei noch drei ausstehenden Grands Prix Hoffnungen machen, den Australier noch abzufangen - wobei sich Kimi Räikkönen bekanntlich nie groß für vierte Plätze interessiert hat.


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