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Formel 1

Formel 1 Japan: Trainingsanalyse Mercedes vs. Ferrari & RBR

Regen störte das 2. Training der Formel 1 in Japan. Doch am Vormittag konnten Ferrari, Mercedes und Red Bull in Suzuka angasen. Die Analyse zum Training.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Freitag in Suzuka war deutlich ergiebiger als zuvor angenommen. Der Formel 1 wurde in Japan ein komplett verregneter Freitag vorhergesagt, doch das 1. Freie Training blieb bis wenige Minuten vor dem Ende trocken. Die Teams reagierten sofort und versuchten, ihr komplettes Trainingsprogramm am Freitagmorgen abzuspulen - was allerdings nur teilweise gelang.

Von Mercedes und Red Bull gibt es immerhin annährend Longrun-Daten, bei Ferrari fielen die Zeiten mit vollgetankten Autos aus. Schuld daran ist Carlos Sainz, der mit seinem Unfall für eine Rot-Phase sorgte, wodurch kostbare Zeit auf trockener Strecke wegfiel. Dennoch gibt es am Formel-1-Freitag von Japan deutlich mehr Daten für die Analyse als zu befürchten war.

Die Zeitenliste führte Sebastian Vettel an. Doch am Ende seiner schnellsten Runde gestikulierte Vettel wild in Richtung Marcus Ericsson. Vettel fühlte sich vom Sauber-Piloten behindert. Nach zwei absoluten Bestzeiten in den ersten beiden Sektoren gab es im letzten Abschnitt keine Verbesserung. Vettels theoretische Bestzeit ist mit 1:28,987 Minuten noch einmal schneller. Hamilton brachte seine Sektoren ebenfalls nicht ganz zusammen. Die Idealzeiten der beiden WM-Kontrahenten liegen - mit Vorteil Vettel - 0,329 Sekunden auseinander.

Beste Sektorzeiten

Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3
Vettel 31.170 Vettel 40.231Hamilton 17.583
Hamilton 31.316 Ricciardo 40.339Vettel 17.586
Ricciardo 31.390 Hamilton 40.417Bottas 17.614
Räikkönen 31.527 Verstappen 40.451Räikkönen 17.631
Verstappen 31.531 Räikkönen 40.465Grosjean 17.796
Bottas 31.639 Bottas 40.597Hülkenberg 17.808
Alonso 31.846 Hülkenberg 40.905Perez 17.811
Ocon 31.877 Vandoorne 41.057Ricciardo 17.812
Vandoorne 32.008 Magnussen 41.097Ocon 17.836
Grosjean 32.048 Ocon 41.186Verstappen 17.866

Weitere zwei Zehntel hinter Hamilton reiht sich Daniel Ricciardo ein. Somit befinden sich drei verschiedene Autos auf den ersten drei Plätzen. "Es ist kein Duell mehr, es ist ein Dreikampf", meint Vettel deshalb.

Das größte Fragezeichen stand hinter Mercedes: Auch wenn Hamilton in Malaysia Pole und im Rennen Platz zwei holen konnte, die Performance des Silberpfeils war schlechter als die Resultate. Nach langen Diskussionen entschied sich Mercedes in Japan dazu, beide Boliden mit dem neuen Aero-Paket fahren zu lassen. Hamilton präferierte eigentlich das alte Paket, auf das er schon in Malaysia zurückgegangen war.

"Beide Fahrer waren mit der anfänglichen Balance sowie der Performance der Autos zufrieden", verrät Mercedes' Technikchef James Allison. Hamilton stimmt zu: "Das Auto fühlte sich viel besser an als in Malaysia. Im zweiten Training regnete es stark, aber es war wirklich wichtig, rauszufahren, die Strecke einzuschätzen und zu sehen, wie sich das Auto anfühlte. Denn in Malaysia war das Auto im Nassen nicht gut. Hier fühlte es sich wieder normal an, ich bin also bereit."

Damit sollte die Frage nach Mercedes geklärt sein. Allerdings war es mit 20,0 Grad Luft- und 24,4 Grad Streckentemperatur recht kühl. "Hitze ist eines unserer größten Probleme", sagte Hamilton noch am Donnerstag. Doch Vettel glaubt nicht an den Wetter-Faktor: "Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt." Am Sonntag soll es mit 26 Grad und Sonne deutlich wärmer werden.

Vettel und Ferrari verzichten auf Regen-Runden

Während Hamilton auch am Nachmittag im Regen zumindest ein paar Runden drehte, blieb Vettel in der Box. Dabei könnte es im Qualifying erneut nass werden. "In Monza waren wir im Regen nicht so stark, in Malaysia war es etwas besser. Ich hoffe, dass wir unsere Lektion gelernt haben", so Vettel. Im Trockenen ist sich der WM-Zweite sicher: "Unser Auto sollte konkurrenzfähig sein, denn es ist schnell. Es liegt an uns, es richtig hinzubekommen."

Doch genau das schaffte Ferrari in Malaysia nicht. Red Bull machte es dafür umso besser. Doch der Rückstand am Freitag schien mit fünf Zehntel schon recht groß. Im Qualifying verliert Red Bull normalerweise noch etwas mehr, wenn Ferrari und Mercedes ihre Motoren hochdrehen.

Trotzdem zeigten sich Daniel Ricciardo und Max Verstappen zufrieden. "Das Gefühl war ziemlich gut, wir waren ziemlich konkurrenzfähig", meint Verstappen. "Unsere Pace war ziemlich gut", pflichtet Ricciardo bei. Ob es trotzdem nur für die Startplätze fünf und sechs reichen wird? "Ich glaube, wir können ein bisschen besser sein", so Ricciardo.

Schon in den Trainings verlor Red Bull vor allem auf den Geraden. Während Vettel vor 130R mit 309,3 Stundenkilometer gemessen wurde, fuhren die Red Bulls nur 298,1, respektive 297,7 km/h. Hülkenberg im Werks-Renault kam immerhin auf 302,5 Stundenkilometer. "Wir verlieren Zeit auf der Geraden, aber ich glaube es war heute nicht nur der Motor", gesteht Ricciardo. "Wir haben wohl mehr Abtrieb, da müssen wir sehen, ob das so richtig ist oder ob wir einen besseren Kompromiss finden."

Höchstgeschwindigkeiten

Fahrer Team Speed [km/h]
Vettel Ferrari 309,3
Räikkönen Ferrari 307,2
Hamilton Mercedes 306,5
Bottas Mercedes 303,1
Hülkenberg Renault 302,5
Grosjean Haas 300,6
Perez Force India 300,0
Palmer Renault 299,1
Stroll Williams 298,6
Ocon Force India 298,6
Ericsson Sauber 298,2
Ricciardo Red Bull 298,1
Verstappen Red Bull 297,7
Wehrlein Sauber 297,6
Sainz Toro Rosso 297,0
Magnussen Haas 297,0
Alonso McLaren 296,9
Gasly Toro Rosso 296,4
Massa Williams 294,7
Vandoorne McLaren 293,7

In Anbetracht dessen scheinen Red Bulls Zeiten im ersten Sektor nicht gut genug: Für Ricciardo reichte es im kurvenreichsten Abschnitt nur für die drittbeste Sektorzeit. Allerdings hielt sich der Zeitverlust in Grenzen. Im letzten Abschnitt, der nur aus 130R, Schikane und Gerade besteht, verlor Ricciardo aber am deutlichsten. Zwar sind es auf der Uhr nur zweieinhalb Zehntel, bezogen auf die kurze Fahrzeit von weniger als 20 Sekunden macht das aber einen Unterschied von 1,3 Prozent. Die vier Autos von Ferrari und Red Bull liegen hier innerhalb von 0,27 Prozent.

Mercedes auch im Longrun schneller als Red Bull

Sollte Red Bull Flügel opfern, um Rundenzeit zu gewinnen, könnten allerdings die Longruns darunter leiden. Weniger Flügel bedeutet mehr Rutschen und damit mehr Reifenverschleiß. Red Bulls Longruns sahen zwar am Freitag nicht schlecht aus, allerdings war Hamilton schneller.

Der Mercedes Pilot und Führende der Formel-1-Weltmeisterschaft fuhr im Schnitt 1:34,2 Minuten auf seinen Supersofts. Verstappens Longrun war rund vier Zehntelsekunden langsamer, der von Ricciardo noch einmal zwei Zehntel. Die große Unbekannte hier ist Ferrari. Auf dem Soft-Reifen gab es diesmal keine Zeiten.

Longruns auf Supersoft

Fahrer Stint-Länge Reifen-Alter Durchschntl. Zeit
Lewis Hamilton 7 Runden 17 Runden 1:34,179 Minuten
Max Verstappen 8 Runden 14 Runden 1:34,734 Minuten
Daniel Ricciardo 6 Runden 15 Runden 1:34,734 Minuten

Fazit: Mercedes ist zurück - daran gibt es nach dem Freitag in Japan keine Zweifel. Die Frage ist nur: Wie stark ist Ferrari? Auf eine Runde konnte Vettel schon das Potential zeigen - doch reicht das auch fürs Qualifying gegen Hamilton? Die traditionell stärkere Rennpace könnte Ferrari in Japan nicht ganz so viel bringen, weil Überholen deutlich schwieriger ist als beispielsweise in Malaysia. Red Bull ist zwar wieder bei der Musik, allerding einen Takt weiter hinten als noch vor einer Woche. Für die Bullen wird es schwer gegen das wiedererstarkte Mercedes - und Ferrari ohne Fehler.

Formel-1-Duell: Mercedes vs Ferrari, Hamilton vs Vettel: (09:24 Min.)


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