Formel 1 / Kommentar

Formel 1 - Kommentar: McLarens Honda-Trennung ein Riesen-Risiko

McLaren hat sich von Motoren-Partner Honda getrennt. Sportlich nachvollziehbar, aber mit einem Riesen-Risiko verbunden, wie Christian Menath meint.
von Christian Menath
McLaren: Top-3-Risiken der Honda-Trennung & des Renault-Wechsels: (4:05 Min.)

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. So könnte man die Trennung zwischen McLaren und Honda am besten beschreiben. Drei Jahre, viele Versprechen, noch größere Erwartungen und null Resultate. Man kann die einstige Traum-Ehe wohl ohne Übertreibung als Super-GAU bezeichnen.

So sah es auch McLaren. Im Ehevertrag waren eigentlich weitere Jahre vorgesehen, doch alles, was die Briten nach drei Jahren noch wollten, war der Scheidungsrichter. Schon die letzten beiden Jahre glichen eher eine Zwangs-, denn einer Traum-Ehe.

McLaren zog die Trennung nun mit allen Konsequenzen durch. Und die Konsequenzen sind weitreichend. Punkt eins: Keine kostenlosen Motoren mehr von Honda. Punkt zwei: Kein Hauptsponsor mehr. Der McLaren-Bolide zeigte sich die letzten Jahre blank wie eh und je, am meisten Geld brachte das Honda-Logo auf der Motorabdeckung. Punkt drei: McLaren muss die Fahrergehälter wieder allein bezahlen.

Man mag dem entgegenhalten, dass es sich 'nur' um negative finanzielle Konsequenzen handelt. McLaren fährt aber in der Formel 1, um Erfolg zu haben. Das stimmt. McLaren-Boss Zak Brown sagte mir erst kürzlich: "Wir werden eine sportliche Entscheidung treffen, keine finanzielle. Was wir uns nicht leisten können, ist es, ein weiteres Jahr nicht auf dem Podium zu stehen."

In Summe belaufen sich die finanziellen Einbußen aber auf rund 100 Millionen Dollar - pro Jahr. Und da frag ich mich: Wie lange kann sich McLaren das leisten? Ein Hauptsponsor wird dieses Finanzloch bei weitem nicht stopfen können. Mindestens drei Jahre fährt McLaren mit Renault. Fehlen solche Summen über Jahre, droht der Rennstall langfristig Schaden zu nehmen. Die Trennung ist eine hochriskante Entscheidung mit enormer Tragweite.

Renault wirklich so viel besser als Honda?

Natürlich kann man dank der Trennung von Honda ein weiteres Jahr mit den Diensten von Fernando Alonso rechnen. Aber dass selbst der mit unterlegenem Material keine Wunder vollbringen kann, sollte nach den letzten Jahren klar sein.

Aber, so mag jetzt mancher dagegenhalten, so unterlegen wird das Material nicht mehr sein. Schließlich hat man einen konkurrenzfähigen Motor. Wie konkurrenzfähig der Motor aber ist, kann man bei Red Bull erfragen. Mercedes und Ferrari sind weiterhin ein gutes Stück vor den Franzosen.

Vielleicht kann McLaren um Podien fahren, die Weltmeisterschaft - da lehne ich mich aus dem Fenster - wird aber nicht über McLaren und Renault gehen. Zumal das Team mit der Entwicklung des 2018er Boliden nun deutlich später dran sein dürfte, weil die Motorenfrage lange unklar war.

Für eine Power Unit von Mercedes oder Ferrari wäre ich das finanzielle Wagnis eingegangen, für Renault nicht. Die Franzosen, das darf man nicht vergessen, arbeiten schon deutlich länger am Turbo-Hybrid-Antrieb als Honda. Und nach dem Konzeptwechsel und einem weiteren Lehrjahr könnte man von den Japanern 2018 einen Sprung erwarten. Man mag sich nicht ausmalen, was in Woking abgeht, wenn der Honda-Sprung 2018 tatsächlich kommt.


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