Formel 1

Tops & Flops aus Monza: Hamilton wie Senna, Ferrari starr vor Angst

Zuschauer-Rekord in Italien, Rekord-Hamilton im Qualifying und ein neugieriger Ricciardo als Kamerakind. Die Tops & Flops der Formel 1 in Monza.
von Florian Becker

Top: Zuschauer-Rekord in Monza

Auf die Tifosi ist Verlass: Nach einiger Rechnerei veröffentlichen die Veranstalter am Sonntagabend nach dem Rennen die Besucherzahlen des 67. Formel-1-Rennwochenendes auf dem Autodromo Nazionale di Monza. 185.000 Zuschauer machten sich an den drei Tagen auf den Weg an die Traditionsrennstrecke in der Nähe von Mailand. Das waren 32,8 Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord. Der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2000 lag bei 161.500 Besuchern. Bei der gewohnt ausgelassenen Stimmung konnte Hamilton den Zuschauern auch die Buh-Rufe auf dem Podium nicht krumm nehmen: ""Ich respektiere die Fans und ihre Leidenschaft. Sie fühlen sich an wie aggressive Fans im Fußball - aber alles im Namen der Liebe für die roten Autos."

Flop: Strafenflut per Reglement

Mit ein überschaubaren Power-Unit-Wechseln bei Red Bull, McLaren, Toro Rosso und Sauber fing das Monza-Wochenende an. Als die Bullen im verregneten Qualifying nach vorne fuhren, waren das eigentlich Zutaten für ein spannendes Rennen - wären da nicht die Grid-Penalties gewesen. "Generell ist diese Regelung mit diesen Strafen für den Austausch von Aggregaten ein Blödsinn. Wenn, sollen sie den Motorhersteller bestrafen. Weder das Team noch der Fahrer kann etwas dafür", polterte Red-Bull-Berater Helmut Marko. Nach dem Zeittraining entschieden sich einige Teams, das Durcheinander für weitere Teile-Wechsel zu nutzen. Die Startaufstellung stand dann irgendwann am Sonntagvormittag mal fest. Liebe FIA, darauf könnt ihr doch nicht einmal selbst Bock haben. Überlegt euch das mit den Startplatzstrafen vielleicht noch einmal...

Top: Hamilton mit Pole-Rekord im Senna-Style

Mit der 69. Pole Position seiner Formel-1-Karriere stieß Lewis Hamilton F1-Legende Michael Schumacher von seinem Thron. Die Qualifying-Bestzeit in Monza war obendrein eine, bei der Hamilton seine Qualitäten einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellte. Der Brite meisterte die schwierigen Bedingungen wie kein Zweiter. Am Ende waren es 1,1 Sekunden Vorsprung auf Regen-Meister Max Verstappen. Teamkollege Valtteri Bottas verlor 2,2 Sekunden, Sebastian Vettel 2,5 Sekunden. Eine derart dominante Pole Position erinnert an die unvergessenen Darbietungen Ayrton Sennas. Hamilton ist ab jetzt der erfolgreichste Qualifyer aller Zeiten - und das sicher nicht durch Zufall.

Flop: Ferrari versagt beim Heimrennen

"Wir haben völlig versagt! Wir haben versagt, das Setup fürs Auto war falsch, wir haben die Strecke unterschätzt", ließ Ferrari-Präsident Sergio Marchionne kein gutes Haar an seiner Scuderia. Die Plätze sieben und acht im Qualifying waren der erste Rückschlag für Räikkönen und Vettel. Die 36 Sekunden Rückstand von Vettel auf Sieger Lewis Hamilton waren der nächste Nackenschlag für die Italiener. Angesichts eines derart großen Vorsprungs der Silberpfeile hatte selbst deren Teamchef nur eine Erklärung parat: "Es sah viel mehr nach Problemen an deren Auto aus, als nach einer Dominanz von uns. Red Bull startete vom Ende des Feldes und wurde fast Dritter. Da stimmt etwas nicht", so Toto Wolff. Dabei hatte Vettel nach Spa noch betont, dass Ferrari vor keiner Rennstrecke mehr Angst haben müsse. Zu früh gefreut, Super-Seb!

Top: Stroll & Ocon schwimmen ins Rampenlicht

Das Qualifying in Monza brachte allerhand Überraschungen hervor. Die beiden größten hießen zweifelsohne Lance Stroll und Esteban Ocon. Die Youngster hatte angesichts der schwierigen Wetterbedingungen am Samstag sicherlich niemand so richtig auf dem Zettel. Mit den Plätzen vier und fünf sorgten Stroll und Ocon für offene Münder im Formel-1-Fahrerlager. Gestandene Größen, angefangen mit Bottas, Räikkönen und Vettel mussten sich allesamt den Grünschnäbeln geschlagen geben. Durch die Strafen von Red Bull gingen die Beiden dann jeweils zwei Plätze weiter vorne in den Grand Prix. Im Rennen behielten am Start beide die Nerven, gerieten nicht mit den WM-Favoriten aneinander und holten mit den Positionen sechs und sieben die maximale Ausbeute hinter den Top-Teams. Die Konkurrenz wird das anders sehen, aber uns macht diese Performance Lust auf mehr verregnete Wochenenden.

Top: Playstation, Instagram und prominente Kamerakinder

Die zweieinhalb Stunden lange Regenpause während des Qualifyings sorgte bei Fans und Formel-1-Personal für lange Gesichter. Einige Piloten und die Rechteinhaber versüßten die Unterbrechung allerdings mit kleinen Show-Einlagen. Während Lewis Hamilton eine der bei ihm so beliebten Instagram-Live-Übertragungen schaltete und zusammen mit Teamkollege Valtteri Bottas Playstation zockte, versuchten sich die Gegner als Kameramänner. Den Vogel schoss dabei wieder einmal Spaßkanone Daniel Ricciardo ab. Mit der Kamera auf der Schulter bewaffnet, marschierte er geradewegs in die Mercedes-Box - nur um wenige Sekunden später aus der Garage verwiesen zu werden. "Ich habe ein paar Sachen gesehen. Unter der hinteren Endplatte ist ein Spalt von 5,6 mm. Das ist der Schlüssel", flachste Ricciardo.

Flop: Regenverzögerung wird wieder einmal zur Farce

So gut sich Teams und Vermarkter während der Regenunterbrechung anstellten, so fragwürdig war wieder einmal das Vorgehen der Rennleitung. Die Bedingungen waren sicherlich alles andere als einfach, aber im Q3 waren sich zweifelsohne kaum besser als zum Beginn der Session, als Grosjean auf der Start- und Zielgeraden abflog. Das Verschieben des Neustarts im 15-Minuten-Takt hätten sich die Offiziellen unter dem Strich auch sparen können. Dr. Helmut Marko brachte es bei RTL auf den Punkt: "Wenn Bernd Mayländer sagt, es ist okay ... Es sind die besten Fahrer, Chassis’ und wir haben Extremwetterreifen. Irgendwo muss man vom Sport was verlangen können."


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