Formel 1

Völlig verrückt erklärt: So wurde die Monza-Startaufstellung gemacht

Elf Strafversetzungen gab es beim Italien GP 2017. Kaum jemand wusste genau, wer in Monza wo startet. Wir erklären, wie die Startaufstellung gemacht wurde.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Es könnte der traurige Höhepunkt in Sachen Strafversetzungsorgien gewesen sein: Beim Italien GP 2017 in Monza gab es satte elf Strafversetzungen. In Summe wurden die Piloten 150 Startplätze nach hinten versetzt. Das sind 1.200 Meter oder 1,2 Kilometer. Spitzenreiter - wie sollte es auch anders sein - war einmal mehr Fernando Alonso. Der Spanier alleine musste schon 35 Plätze nach hinten.

Kaum einer wusste am Ende genau, welcher Pilot wo startet. Selbst die Teams waren teilweise überfordert. "Selbst in der Startaufstellung mussten wir noch schauen, ob wir jetzt von Platz 12 oder 13 aus ins Rennen gehen", gestand Red Bull Teamchef Christian Horner.

Nur drei der 20 Piloten starteten von dem Startplatz aus, auf dem sie sich tatsächlich qualifiziert hatten. Lewis Hamilton war der einzige von ihnen, der keinen Strafe hatte. Carlos Sainz und Jolyon Palmer starteten ebenfalls von ihren angestammten Startplätzen 15 und 17, beide hatten aber Startplatzstrafen erhalten. Sergio Perez erhielt eine Strafe und startete weiter vorne als eigentlich qualifiziert. Wie ist so etwas möglich?

Beim Erstellen der Startaufstellung gibt es unzählige Regeln. Eine der wichtigsten Regeln lautet: Wer die 107-Prozent-Hürde in Q1 nicht geschafft hat, hat sich nicht qualifiziert. Er darf nur starten, wenn die Stewards das okay geben. Jeder Fahrer, der so die Starterlaubnis erlangt, startet am Ende des Feldes - unabhängig von allen Strafen. Somit stand Romain Grosjeans letzter Startplatz schon fest, als Q1 zu Ende war. Die Zeit, die der Haas-Pilot vor seinem Abflug erzielt hatte, reichte nicht, um innerhalb die 107 Prozent zu kommen.

Bei Strafversetzungen gibt es zwei weitere wichtige Regeln: Zeitpunkte der Strafen beachten und die Startaufstellung nicht auffüllen. Bei den Zeitpunkten gibt es Unterschiede: Bei Getriebestrafen zählt der Zeitpunkt, zu dem die Teams die FIA über den bevorstehenden Wechsel informiert haben. Bei Power-Unit-Komponenten zählt der Zeitpunkt, zu dem die Teile zum ersten Mal eingesetzt werden. Als eingesetzt gelten Komponenten, die sich beim Verlassen des Zeitnahmetransponders der Boxengasse im Auto befinden. Wer also mit neuen Komponenten zuerst aus der Box fährt, wird zuerst versetzt.

Mit dem Auffüllen der Startaufstellung sieht es wie folgt aus: Entstehen beim Strafversetzen Lücken in der Startaufstellung, werden diese nicht sofort durch Aufrutschen der nachfolgenden Piloten geschlossen. Erst, wenn alle Strafversetzungen durchgeführt wurden, werden die Lücken geschlossen. Sonst könnte es tatsächlich zu noch kurioseren Aufstellungen kommen.

Die Monza-Strafen im Überblick

Um die Aufstellung von Monza verstehen zu können, muss man sich zunächst einmal die Strafen ansehen:

  • Ricciardo, Getriebe +5: 30.08. um 11:17 Uhr
  • Ricciardo, Motor +20: 01.09. um 10:01:57 Uhr
  • Alonso, Motor +35: 01.09. um 10:02:11 Uhr
  • Sainz, Motor +10: 01.09. um 10:02:29 Uhr
  • Verstappen, Motor +15: 01.09. um 10:07:51 Uhr
  • Verstappen, Motor +5: 02.09. um 11:44:04 Uhr
  • Hülkenberg, Motor +10: 02.09. um 11:44:08 Uhr
  • Palmer, Motor +15: 02.09. um 11:44:48 Uhr
  • Vandoorne, Motor +25: 02.09. um 20:45 Uhr
  • Grosjean, Getriebe +5: 02.09. um 21:32 Uhr
  • Perez, Getriebe +5: 03.09. um 11:51 Uhr

Zuerst verliert also Daniel Ricciardo fünf Plätze für einen Getriebwechsel und fällt von P3 auf P8 zurück. Dann erhält er noch 20 Strafplätze für Motorkomponenten. Aus P8 wird P28. Die Lücke auf Startplatz drei bleibt zunächst bestehen.

Als nächster verliert Fernando Alonso 35 Plätze. Von P13 geht es auf P48 nach hinten, dafür bleibt der 13. Startplatz vorübergehend leer. Landsmann Carlos Sainz muss dann von P15 zehn Plätze auf P25 nach hinten. Ein weiterer Platz im Grid ist vorerst leer.

Schritt für Schritt: Eine Strafversetzung nach der anderen - Foto: Motorsport-Magazin.com

Nun kommt die Verstappen-Orgie: Erst um 15 Plätze von P2 auf P17 zurück, den er sich vorübergehend mit Jolyon Palmer teilt. Dann aber muss Verstappen noch einmal fünf Plätze zurück - P22. Und jetzt kommt die Reihenfolge der Versetzungen ins Spiel: Als nächster muss Nico Hülkenberg zehn Plätze zurück. Von P12 geht es auf P22 zurück, wo schon Verstappen steht. Weil Verstappen dort schon steht, rückt Hülkenberg hinter den Niederländer.

Dann muss Jolyon Palmer 15 Plätze nach hinten. Von 17 geht es zurück auf 32. Der zweite Honda von Stoffel Vandoorne darf natürlich auch nicht fehlen. Von P10 geht es zurück auf P35. Die Lücken im regulären Grid werden immer mehr. Die Strafe von Romain Grosjean kann vernachlässigt werden, weil er ohnehin erst am Ende wieder ins Spiel kommt. Bleiben noch fünf Plätze für Sergio Perez. Für ihn geht es von P11 auf P16 zurück, dort steht er gemeinsam mit Kevin Magnussen. Weil Magnussen dort aber schon stand, ist er vorne.

Damit sind die Strafversetzungen abgehandelt. Mit Verstappen, Hülkenberg, Sainz, Ricciardo, Palmer und Vandoorne starten sechs Piloten eigentlich außerhalb der Top 20. Entsprechend viele Lücken gibt es zu füllen. An dieser Stelle rutschen alle Piloten auf, die Startaufstellung wird auf 19 Plätze komprimiert. Ganz am Ende kommt dann noch Romain Grosjean dazu. Schon steht die Startaufstellung für den Italien GP.

Platz Qualifying Startaufstellung
1 Hamilton Hamilton
2 Verstappen Stroll
3 Ricciardo Ocon
4 Stroll Bottas
5 Ocon Räikkönen
6 Bottas Vettel
7 Räikkönen Massa
8 Vettel Kvyat
9 Massa Magnussen
10 Vandoorne Perez
11 Perez Ericsson
12 Hülkenberg Wehrlein
13 Alonso Verstappen
14 Kvyat Hülkenberg
15 Sainz Sainz
16 Magnussen Ricciardo
17 Palmer Palmer
18 Ericsson Vandoorne
19 Wehrlein Alonso
20 Grosjean

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