Formel 1

Spa: Verstappen glaubt trotz Ferrari-Pace nicht an Red-Bull-Podium

Max Verstappen schloss beim Belgien-Qualifying die Lücke zu Ferrari und Mercedes. Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo verzweifelte am Setup seines RB13.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Red Bull auf den Startplätzen fünf und sechs beim Großen Preis von Belgien klingt zunächst nicht nach der großen Überraschung. Quasi-Lokalmatador Max Verstappen wuchs vor an zahlreich an die Strecke gepilgerten Niederländern jedoch über sich hinaus und fand im Qualifying den Anschluss an Mercedes und Ferrari. Daniel Ricciardo hingegen verfuhrt sich mit dem Setup.

"Generell lief das Qualifying gut. Das Auto hat gut performt. Aber es ist trotzdem nur Platz fünf", resümiert der stets ehrgeizige Verstappen, nachdem er acht Zehntel hinter Pole-Mann Hamilton und lediglich ein Zehntel hinter dem Ferrari von Räikkönen gelandet war. Damit war Red Bull deutlich näher dran als in den Trainings, als teilweise über eine Sekunde auf die Spitze fehlte. "Meine Runde hat sich sehr gut angefühlt, damit kann ich schon glücklich sein", fügt Verstappen an.

Den großen Sprung schreibt er allerdings nicht nur der Performance seines RB13 zu. "Ich denke zwar, dass wir das Maximum herausgeholt haben. Aber vielleicht ist Ferrari das dafür nicht ganz gelungen", erklärt er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Nichtsdestotrotz nutzte Red Bull im Zeittraining für das zwölfte Saisonrennen seine Stärken nach ausgiebigen Tests geschickt aus.

Nachdem die Fahrer im Training noch mit unterschiedlichen Setups experimentierten, legten sich die Strategen für den Samstag auf eine Konfiguration fest. "Es war meine Richtung", gibt Verstappen mit einem Augenzwinkern zu Protokoll. "Darüber bin ich ganz froh. Wir hatten zuerst versucht, einen Kompromiss zu finden. Aber das klappte nicht. "

Angesichts des Power-Defizits des Renault-Aggregats versuchten die Bullen, sich in den kurvigen Streckenabschnitten in Szene zu setzen. Also haben wir auf unsere Stärken gesetzt und das war der zweite Sektor. Das hat ganz gut funktioniert", so der Niederländer. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte auch McLaren Honda, wobei dort zusätzlich versucht wurde, in Sektor 1 mit Windschatten-Spielen Zeit zu gewinnen.

Daniel Ricciardo kam mit Max Verstappens Setup in Spa nicht zurecht - Foto: Sutton

Riccardo müht sich mit Verstappens Setup ab

"Das kann deine Runde auch zerstören. Ich bin da kein großer Fan von", wiegelt Verstappen ab, der Ricciardo auch ohne Windschatten eine halbe Sekunde abnahm. Der Australier war nach dem Qualifying etwas ratlos. "Ich weiß nicht, wo ich mehr Zeit hätte herausholen können", so der 28-Jährige, der mit dem Setup offenbar zuvor in die falsche Richtung gegangen war.

"Wenn ich nach einer Entschuldigung für mich suchen wollte, würde ich wohl sagen, dass ich deshalb nicht schneller war", erklärt Ricciardo, der bis zum Qualifying noch keine Erfahrungen mit Verstappens Konfiguration gesammelt hatte. "Ich will das aber nicht als Entschuldigung benutzen. Es hat bei mir jedenfalls etwas gefehlt, um im zweiten Sektor den Reifen richtig zu pushen."

Während Verstappen mit der maximalen Downforce-Konfiguration den Mittelsektor in 44,361 Sekunden durchfuhr, war Ricciardo alleine hier schon drei Zehntel langsamer. "Mein Reifen hielt einfach nicht durch. Wenn ich in einer Kurve schneller gefahren bin, hatte ich dafür in der nächsten ein Problem", fügt Ricciardo an.

Die Balance stimmte für ihn in Sektor 2 schlichtweg nicht. "In Turn 14 habe ich ein paar Zehntel verloren. Und den Fehler habe ich wegen den Reifen gemacht.", so der 28-Jährige, der für das Rennen allerdings optimistischer ist. "Bei mir hat der Reifen auf eine Runde vielleicht nicht gepasst, aber ich denke, dass wir im Rennen ein konstanteres Auto haben."

Red Bull: Gründe für die schwierige erste Saisonhälfte: (12:24 Min.)

Verstappen glaubt nicht an Red-Bull-Podium in Spa

Verstappen glaubt zwar ebenfalls, dass die Rennpace des RB13 konkurrenzfähiger ist, doch ob damit auch ein Podium aus eigener Kraft drin ist? "Das glaube ich nicht", so der 19-Jährige, der versuchen will, gleich in der ersten Runde etwas Boden gutzumachen: "Wir sind ziemlich langsam auf der Geraden, aber im Windschatten ist es in Ordnung. Wir müssen zusehen, dass wir eine gute erste Kurve haben und gut durch Eau Rouge kommen:"

Vergangenes Jahr versuchte Verstappen vom zweiten Startplatz aus beim Anbremsen auf La Source einen verkorksten Start auszubügeln und räumte dabei Räikkönen und Vettel ab. Eine erneute Pleite vor den so zahlreich angereisten Verstappen-Fans möchte er natürlich nicht erleben. "Es tut dir natürlich für die Fans leid", so der Niederländer, der deshalb aber trotzdem nicht anders ans Werk gehen wird: "Am Ende des Tages ist es ein Rennen wie jedes andere."

In Ungarn kollidierte Verstappen bei einer ähnlichen Aktion mit dem Teamkollegen. "Es ist natürlich kein großer Spaß, in der ersten Runde schon auszufallen", so Ricciardo, der auf eine Wiederholung gut verzichten kann. "Turn 1 ist hier sehr interessant und einige Piloten um mich herum sind ziemlich wild. Andererseits ist es aber auch eine Möglichkeit, vor ein schnelleres Auto zu kommen."

Dementsprechend hat Ricciardo natürlich auch das Ziel, die ersten Kurven für sich zu nutzen. "Ich werde smart sein. Ich greife zwar an, werde aber trotzdem locker bleiben. Einfach der Ansatz, mit dem ich es immer versuche", sagt der fünfmalige Grand-Prix-Sieger, der 2016 im Red Bull als Zweiter auf dem Treppchen landete.


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