Formel 1

Nach Red-Bull-Kollision: Verstappen und Ricciardo in Belgien wieder ein Team

Nach der Red-Bull-Kollision von Ungarn: Daniel Ricciardo und Max Verstappen packen vor dem Grand Prix von Belgien die Friedenspfeife aus.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Das letzte Aufeinandertreffen vor dem Großen Preis von Belgien 2017 verlief für Max Verstappen und Daniel Ricciardo alles andere als angenehm. Nachdem das Red-Bull-Duo in der Vergangenheit mit stets harten aber fairen Kämpfen für eine weiße Weste sorgte, kam es in Ungarn erstmals zu einer teaminternen Kollision. Der Leidtragende, in diesem Fall Ricciardo, war danach alles andere als gut auf seinen ungestümen Stallgefährten zu sprechen. Rechtzeitig zum zwölften Saisonrennen wurden die Differenzen jedoch ausgeräumt.

Von jetzt auf gleich konnte Ricciardo den Abschuss durch Verstappen allerdings nicht verdauen, wie seine sehr direkten Anschuldigungen unmittelbar nach dem Vorfall zeigten. Wie der Australier in der Sommerpause darüber hinwegkam? "Marihuana", antwortet der Spaßvogel. Tatsächlich half jedoch die Aussprache mit Verstappen, um möglichst dann doch relativ schnell Gras über die Sache wachsen zu lassen. "Nach der Besprechung mit den Ingenieuren sprach Max mit mir unter vier Augen", erklärt Ricciardo.

Verstappen hatte sich unmittelbar nach seinem Fehltritt äußerst reumütig gezeigt und eine Aussprache mit seinem angesäuerten Stallgefährten angekündigt. Der hatte keinen Zweifel daran, dass die Entschuldigung des Niederländers aufrichtig war. "Die Art wie er sich entschuldigt hat war nicht so, als ob sein Manager neben ihm oder Christian [Horner] zwischen uns stehen würde. Es war von Angesicht zu Angesicht", so Ricciardo.

Nach der Besprechung mit den Ingenieuren sprach Max mit mir unter vier Augen.
Daniel Ricciardo

Verstappen war froh, die Angelegenheit sofort aus der Welt zu schaffen. "Gleich nach dem Rennen haben wir gesprochen und alles geklärt. Wir haben unsere Meinungen ausgetauscht und uns dann in den Urlaub verabschiedet. Du versucht, daraus zu lernen. Du schaust dir unterschiedliche Kameraperspektiven an, um es genau zu verstehen. Danach machst du weiter und versuchst, es zu vergessen", erklärt der 19-Jährige.

Viel mehr an Kompensation wäre für den Strahlemann Ricciardo wohl nicht drin gewesen. "Er konnte mir die verlorenen Punkte natürlich nicht zurückgeben. Natürlich hätte er mir einen Teil seines Preisgeldes geben können... Ich mache nur Spaß. Er war sehr ernst, als wir uns die Hände gereicht haben. Damit war ich zufrieden", fügt der 28-Jährige an. Seine unmittelbare Reaktion und die harsche Kritik gegenüber den Medien bereut er für seinen Teil keineswegs.

"In diesem Moment hasst du die gesamte Situation. Du denkst dir: Ich will jetzt mit der Presse sprechen! Sofort! Ich will einfach alles loswerden!", beschreibt Ricciardo seine Gemütslage, aus der heraus er Verstappen verbal unter Beschuss nahm. "Ich hatte mich den ganzen Samstag aufgebaut, um ein gutes Rennen zu haben - und dann endete es so. Das war pure Frustration. Ich hatte noch so viel Benzin in mir, das verbrannt werden musste."

Red Bull: Gründe für die schwierige erste Saisonhälfte: (12:24 Min.)

Ricciardo: Max ist kein Kind mehr

Letztendlich hielt Ricciardo auch an seiner Kritik fest. "Vielleicht war es wie letztes Jahr hier in Spa. Er startete weit vorne, erwischte nicht den besten Start und versuchte sofort, es auszubügeln. Das klappte nicht. Ist das eine Schwäche? Ich weiß es nicht. Im Moment ist es vielleicht nur seine Jugend", so der fünfmalige Grand-Prix-Sieger, der sich mit seiner Erfahrung selbst nicht als Oberlehrer aufspielen will: "Ich werde sicherlich nicht versuchen, ihn zu erziehen."

Er kann den Tatendrang Verstappens in gewisser Weise sogar nachvollziehen: "Es ist schwierig, einen Fahrstil dafür zu kritisieren, dass jemand es zu sehr versucht. Aber du musst auch realistisch sein, was möglich ist und was nicht. Wenn jemand dir dann sagt, dass du kein siegfähiges Auto hast, willst du das vielleicht nicht hören oder glauben. Das kann dann einen bestimmten Fahrstil hervorbringen, oder einfach nur Frustration."

Letztes Jahr war er ein Kind, jetzt sehe ich ihn als jungen Erwachsenen.
Daniel Ricciardo

Andererseits sieht Ricciardo, der 2011 im Alter von 22 Jahren in der Königsklasse debütierte, deutliche Unterschiede zur Herangehensweise in jungen Jahren. "Ich war wahrscheinlich das Gegenteil von den Youngstern heutzutage. Vielleicht war ich sogar zu konservativ. Ich wollte mir Respekt verdienen, niemanden verärgern und mich als ernstzunehmender Typ etablieren", erklärt er. "Heute geht es zu sehr darum, sofort bei jedem auf dem Radar zu sein. Das hat vielleicht damit zu tun, dass sie mit 17 oder 18 schon anfangen und dann versuchen, mit einer Extraportion Aggressivität zu kompensieren."

Bei Verstappen, der mittlerweile seine dritte volle Saison in der Formel 1 absolviert, hat Ricciardo allerdings durchaus einen Reifeprozess ausmachen können: "Wir verbringen mehr Zeit zusammen. Das ist natürlich unausweichlich, wenn du das zweite Jahr zusammen in einem Team fährst. Aber ich sehe ihn jetzt auch mehr abseits der Rennstrecke. Letztes Jahr war er ein Kind, jetzt sehe ich ihn als jungen Erwachsenen. Seine Entschuldigung war wirklich alles, was ich von ihm verlangen konnte."


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter