Formel 1

Chancenloses Red Bull: Analyse der Pannen-Saison im Video

Red Bulls WM-Offensive für 2017 war ein Rohrkrepierer. Wir beleuchten im Gespräch die Gründe für das ernüchternde Abschneiden von Ricciardo und Verstappen.
von Florian Becker
Red Bull: Gründe für die schwierige erste Saisonhälfte: (12:24 Min.)

Ursprünglich wollte Red Bull mit dem RB13 die Lücke zu Mercedes schließen und wieder in den WM-Kampf eingreifen. Statt den Österreichern machte sich jedoch Ferrari das neue Reglement zunutze. Daniel Ricciardo und Max Verstappen wurden schon bei den Testfahrten abgehängt. Mangelnde Pace und Standfestigkeit sorgten dafür, dass der Titel schon früh abgeschrieben werden musste.

Während Ricciardo beim Saisonauftakt schon auf dem Weg in die Startaufstellung liegenblieb und auch im Rennen nicht sonderlich weit kam, wies Verstappen als Fünfter knappe 30 Sekunden Rückstand auf Rennsieger Sebastian Vettel auf. Red Bulls WM-Ambitionen ging damit mehr oder weniger schon in Melbourne die Luft aus. Auf den enttäuschenden Saisonstart folgten Rennen mit noch größerem Rückstand auf die Spitze und noch mehr technischen Problemen.

In den erste fünf Rennen kam en nur ein Mal beide Autos ins Ziel. Sowohl die Bremsanlage als auch Renaults 2017er Power Unit ließen den RB13 gehörig lahmen. Gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko schon in Bahrain, dass der WM-Titel kein Thema mehr sei. Das lag jedoch nicht ausschließlich an der Unzuverlässigkeit. Einerseits wurde das Defizit auf der Motorenseite weiter als zu groß kritisiert, doch das Team gestand auch, das Chassis nicht auf den Punkt gebracht zu haben.

Aufgrund der Dimensionen der 2017er Boliden hatte es bei der Entwicklung Korrelations-Probleme gegeben. Der sonst so effiziente Windkanal der Bullen-Ingenieure lieferte nicht die gewohnt zuverlässigen Ergebnisse. Teamchef Christian Horner machte jedoch von Beginn an klar, dass das Team als Meister der Weiterentwicklung weiter reinknien würde, um im restlichen Saisonverlauf den Gegner von Mercedes und Ferrari zumindest an einigen Wochenenden das Leben schwer zu machen.

Wie schon 2016 kann Red Bull in der ersten Saisonhälfte bisher auf einen Sieg zurückblicken. Doch genau wie im Vorjahr, kam dieser nur durch Glück zustande. Im Chaos von Baku überquerte Daniel Ricciardo die Ziellinie nur deshalb als Erster, weil bei den Rivalen alle vier Autos einen schwierigen Rennverlauf erlebten. Der Australier kann trotz aller Widrigkeiten im Gegensatz zu seinem Teamkollegen mit seiner ersten Saisonhälfte aber immer noch ganz zufrieden sein.

Max Verstappen erlebte 2017 bisher eine desaströse Saison - Foto: Sutton

Verstappens Odyssee

Neben dem Überraschungssieg in Aserbaidschan legte Ricciardo zwischen Spanien und Österreich eine beeindruckende Serie mit fünf Podestplatzierungen hin. Wann immer ein Pilot der beiden Top-Teams patzte, war der 28-Jährige zur Stelle Dabei konnte er hin und wieder den von Red Bulls Entwicklungsabteilung erhofften Aufwärtstrend bestätigen. Beim Heimspiel auf dem Red Bull Ring lag er im Ziel nur sechs Sekunden hinter Gewinner Valtteri Bottas. Auch ein Wochenende mit Technik-Pech konnte Ricciardo in Silverstone nicht davon abhalten, mit einer beherzten Aufholjagd auf Platz fünf zu fahren.

Dank dieser Resultate führt der Honey Badger im teaminternen Duell mit 117 zu 67 Zählern. Auf der anderen Seite der Red-Bull-Garage waren die ersten elf Rennen der Saison 2017 hingegen ein Desaster. Obwohl Max Verstappen im Qualifying mit 7:4 die Nase relativ deutlich vorne hat und fahrerisch bisher insgesamt den stärkeren Eindruck machte, blieben die Ergebnisse für den 19-Jährigen bisher aus. Fünf Mal sah Verstappen die Zielflagge nicht. Neben regelmäßigem Technik-Pech war er bei Startkollisionen in Spanien und Österreich schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Frust beim Niederländer sitzt tief, was sich wohl auch bei der Kollision mit Ricciardo in Ungarn zeigte.

Das erste nicht mehr so kollegiale Aufeinandertreffen der Red-Bull-Stallgefährten sorgte bei Ricciardo zunächst für richtig schlechte Laune. "Ich denke, er mag es nicht wenn ein Teamkollege an ihm vorbeigeht", mutmaßte er. Der reumütige Verstappen entschuldigte sich auf sämtlichen Kanälen für seine ungestüme Aktion und für den Moment scheint sich die dicke Luft verzogen zu haben. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die beiden im nächsten direkten aufeinandertreffen zur Sache gehen werden.


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