Formel 1 - Toro Rosso: Friendly Fire in Silverstone

Wieder Zoff bei den roten Bullen

Nach dem Friendly Fire in Silverstone: Dr. Helmut Marko poltert, Daniil Kvyat stichelt und Carlos Sainz bleibt ruhig. Was ist bei Toro Rosso los?

Motorsport-Magazin.com - Nach Querelen abseits der Strecke während des Spielberg-Wochenendes krachte es bei Toro Rosso nur eine Woche später auch auf der Strecke. Kurz nach dem Start in den Großbritannien GP kamen sich Carlos Sainz und Daniil Kvyat in die Quere. Beide kreiselten von der Strecke und pflügten durchs Gras.

Während Sainz seinen Boliden abstellen musste und eine Safety-Car-Phase auslöste, konnte Kvyat weiterfahren. Die Rennleitung sah sich den Unfall zwischen den beiden Toro-Rosso-Piloten an und sprach eine Strafe gegen Kvyat aus - allerdings nicht für das Verursachen einer Kollision. Vielmehr warfen die Stewards Kvyat vor, auf unsichere Weise auf die Strecke zurückgekehrt zu sein.

In der Medienrunde nach dem Rennen äußerte sich Sainz sehr zurückhaltend. Bis auf indirekte Schuldzuweisungen gab es von ihm kein böses Wort zu hören. "Ich werde meine Meinung nicht äußern, das soll intern bleiben", stellte Sainz klar. "Aber ich denke, dass die Bilder für sich sprechen, daher werde ich sie nicht kommentieren."

Sainz erklärte lediglich, dass er sich mit Kvyat in einem Zweikampf befunden und ausreichend Platz gelassen habe. "Dann hat aber ein Auto die Kontrolle verloren und das andere getroffen", wies er die Schuld in Richtung Teamkollege Kvyat.

Auf eine Entschuldigung legt Sainz jedoch keinen Wert, wie er betonte. Er wolle den Vorfall lediglich teamintern besprechen. Als Motorsport-Magazin.com von Sainz wissen wollte, ob er aufgrund der Querelen in Spielberg den Unfall so gelassen hinnahm, unterbrach er, ohne die Frage ganz zu hören. "Es hat mich nicht beeinträchtigt, falls das die Frage war", sagte er.

Nachdem er die Frage komplett gehört hatte, antwortete Sainz: "Ich bin ruhig, weil ich keinen Grund habe, allzu gestresst zu sein. Das ist die Formel 1 - man hat Rennen, in denen man ausscheidet, obwohl man in die Punkte hätte fahren können, so wie in Österreich. Hier konnte ich im Qualifying keine repräsentativen Runden drehen, weil ich einen Aufhängungsschaden hatte. Dann der Unfall, der nicht unter meiner Kontrolle war... In einem Kalender mit 20 Rennen geht man immer durch solche Phasen. Zum Glück ist Ungarn schon in zwei Wochen und hoffentlich kann ich dort ein besseres Rennen haben."

Sainz versicherte, dass es nach seinen Aussagen in Spielberg - es sei unwahrscheinlich, dass er noch ein Jahr für Toro Rosso fahren werde - keine dicke Luft gebe. Er habe mit Christian Horner und Dr. Helmut Marko alles geklärt. Zur Versöhnung gab es ein Tennis-Match. Während Marko den Schiedsrichter gab, schlug Sainz gegen Horner auf. Eine Partie gewann er, die andere der Red-Bull-Teamchef.

Von dem Gerücht, er werde bereits ab dem Ungarn GP in zwei Wochen Jolyon Palmer bei Renault ersetzen, hatte Sainz bereits gehört. Kommentieren wollte er es - wohl aufgrund seiner Erfahrungen in Spielberg - jedoch nicht. "Wenn man von seinen Chefs, die die Karriere managen, nichts hört, dann geht man doch davon aus, dass es nur ein Gerücht ist. Ich kommentiere Gerüchte nicht", stellte er klar.

Hinter den Kulissen brodelt es bei Toro Rosso nach dem teaminternen Crash in Silverstone nun natürlich wieder. "Was da passiert ist, war inakzeptabel", schimpfte Marko im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Toro Rosso hat das Problem, die Autos ins Ziel zu bringen, wenn es Punkte zu holen gibt. Mal sind es die Fahrer, mal ist es die Technik. Irgendwas ist immer."

Marko wollte jedoch nicht voreilig Kvyat die Schuld für den Vorfall zusprechen. Die Stewards sahen das anders und belegten ihn nicht nur mit einer Durchfahrtsstrafe, sondern auch mit zwei Strafpunkten. Nach dem Startunfall in Österreich macht das vier Strafpunkte innerhalb von gerade einmal einer Woche. Kvyat ist nur noch drei Strafpunkte von einer Rennsperre entfernt.

Kvyat mahnt Sainz: Geh auf Abstand!

"Ich bin mit der Strafe überhaupt nicht einverstanden", schimpfte Kvyat. "Das hier ist Rennsport und kein Ballett." Natürlich trage er auch Verantwortung, doch sollten sich beide dafür verantwortlich fühlen, was passiert ist. Seiner Meinung nach hätte Sainz eine andere Linie wählen können, als er sah, dass sein Teamkollege die Kurve nicht richtig erwischte.

"Wenn man dort fährt, weiß man, dass die Kollision zu 90 Prozent unvermeidbar ist", kreidete er Sainz mangelnde Weitsicht an. "Man fährt einfach dort und sagt seinem Teamkollegen: 'Ok, fahr einfach in mich rein'."

Kvyat betonte außerdem, dass er von Sainz in dieser Saison bereits mehrfach von der Strecke gedrängt wurde. "Niemand hat ihm etwas gesagt", klagte er und riet Sainz: "Er sollte in Runde 1 generell zu mir auf Abstand gehen."


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