Formel 1

Baku 2017: Topspeeds, Boxenstopps und Top-Facts bei der Stroll-Sensation

Ricciardo holt seinen fünften F1-Sieg und Überraschungsmann Lance Stroll fährt sich in die Geschichtsbücher. Wir liefern die Zahlen zum Aserbaidschan GP.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 lieferte bei ihrem zweiten Auftritt in den Straßen Bakus eine bis unters Dach mit Action geladene Vorstellung ab. Während Daniel Ricciardo seinen fünften Grand-Prix-Sieg erringen konnte, sicherte sich der Drittplatzierte Lance Stroll seinen ganz eigenen Platz in den Geschichtsbüchern. Dazu gab es auf den Nebenschauplätzen einige positive wie auch negative Überraschungen. So viel sei gesagt: Williams legte nicht den schnellsten Boxenstopp hin. Motorsport-Magazin.com hat die wichtigsten Statistiken zum Grand Prix von Aserbaidschan.

Die Topspeeds: Baku bleibt Mercedes-Land, Honda klinkt sich ein

Wie schon 2016 wurde schnell ersichtlich, dass die Mercedes-Kundenteams Force India und Williams auf dem Baku City Circuit wieder in absoluter Bestform waren. Der Hauptgrund dafür: Das etwa 2,2 Kilometer lange Vollgas-Stück zwischen Kurve 16 und Kurve 1, auf dem sie die Stärken der Power Unit aus Brackley voll ausnutzen konnten - genau wie Lewis Hamilton und Valtteri Bottas in den Werksboliden. Mit Bottas (354,4 km/h), Ocon (354,0 km/h) und Hamilton (353,6 km/h) landeten drei Boliden mit Stern auf der Motorhaube auf den ersten drei Plätzen. Ebenfalls vorne dabei war sich Überraschungs-Podestbesucher Lance Stroll, der seinen Williams auf 348,8 km/h peitschte.

Die faustdicke Überraschung in der Radarfalle lieferte allerdings McLaren Honda. Im Pulk großzügig mit Windschatten ausgestattet, erreichte Fernando Alonso auf seiner Fahrt zu den ersten WM-Punkten in dieser Saison für McLaren nahezu unfassbare 350,1 km/h. Damit landete der Spanier in dieser Statistik auf dem fünften Rang. Teamkollege Stoffel Vandoorne reihte sich mit 340,2 km/h an der 16. Stelle ein. Damit lieferten die Beiden die Bestätigung für Daniel Ricciardos Theorie: "Wenn du einen Windschatten hast, ist der stärker als ein Leistungsdefizit."

Die zweitstärkste Kraft in Sachen Power Units war wie gewohnt Ferrari. Sebastian Vettel schlug mit 349,2 km/h sogar mit der alten Spezifikation des Aggregats seinen Stallgefährten Kimi Räikkönen, der es nur auf 347,9 km/h brachte. Neben den Werksboliden schaffte es mit Romain Grosjean im Haas nur noch eine weitere Power Unit aus Maranello unter die Top-10. Renault war in der vorderen Tabellenhälfte lediglich mit Carlos Sainz (350,9 km/h) und Max Verstappen (347,1 km/h) vertreten. Rennsieger Daniel Ricciardo landete mit 344,0 km/h an der 13. Stelle.

Die Top-10 der Topspeeds beim Grand Prix von Aserbaidschan 2017

Platz Fahrer Team Motor Geschwindigkeit
1 Valtteri Bottas Mercedes Mercedes 354,4 km/h
2 Esteban Ocon Force India Mercedes 354,0 km/h
3 Lewis Hamilton Mercedes Mercedes 353,6 km/h
4 Carlos Sainz Toro Rosso Renault 350,9 km/h
5 Fernando Alonso McLaren Honda 350,1 km/h
6 Sebastian Vettel Ferrari Ferrari 349,2 km/h
7 Lance Stroll Williams Mercedes 348,8 km/h
8 Kimi Räikkönen Ferrari Ferrari 347,9 km/h
9 Romain Grosjean Haas Ferrari 347,3 km/h
10 Max Verstappen Red Bull Renault 347,1 km/h

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Angesichts zahlreichen Safety-Car-Phasen wurden in Baku viele Boxenstopps unter Gelb erledigt, was wohl ein Grund dafür sein dürfte, dass die Zeiten in Aserbaidschan verhältnismäßig langsam waren. Den Bestwert legte Ferrari mit 2,62 Sekunden beim Reifenwechsel an Vettels SF70-H hin. Knapp dahinter Reihte sich die Red Bull-Crew mit 2,64 Sekunden ein, gefolgt von Force India mit 2,68 Sekunden. Die Boxenstopp-Könige von Williams konnten an ihren Erfolg aus Kanada nicht anknüpfen.

Beim Stopp von Felipe Massa blieb die sonst so flinke Crew mit 3,31 Sekunden weit hinter ihren Verhältnissen. Im Top-10-Ranking bedeutete das für den britischen Traditionsrennstall aus Grove lediglich Rang acht. Langsamer waren nur Renault mit 3,60 Sekunden bei Nico Hülkenberg und Sauber mit 3,66 Sekunden bei Pascal Wehrlein. Ebenfalls nicht unter die 3-Sekunden-Marke schaffte es Toro Rosso: Bei Carlos Sainz brauchten die Mechaniker 3,08 Sekunden.

Die schnellsten Boxenstopps der Teams in Aserbaidschan

Platz Team Fahrer Zeit (in Sekunden)
1 Ferrari Sebastian Vettel 2,62
2 Red Bull Daniel Ricciardo 2,64
3 Force India Esteban Ocon 2,68
4 Haas Kevin Magnussen 2,73
5 Mercedes Valtteri Bottas 2,75
6 McLaren Stoffel Vandoorne 2,77
7 Toro Rosso Carlos Sainz 3,08
8 Williams Felipe Massa 3,31
9 Renault Nico Hülkenberg 3,60
10 Sauber Pascal Wehrlein 3,66

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Nachdem Ferrari am Samstag noch klar hinter Mercedes lag, konnte Sebastian Vettel im Rennen doch noch den Kampf gegen Lewis Hamilton aufnehmen. Bei der Verfolgungsjagd in der zweiten Rennhälfte brannten die beiden Titelkandidaten eine Qualifying-Runde nach der anderen in den Asphalt. Das sorgte in der Statistik der schnellsten Rennrunden für die Plätze eins und zwei. Der Ferrari-Pilot sicherte sich mit 1:43.441 Minuten seine erste schnellste Runde in diesem Jahr, während dem britischen Rivalen lediglich 28 Tausendstelsekunden fehlten.

Auf Platz fünf bestätigte Lance Stroll mit 1:45.108 Minuten seine bestechende Form auf dem Baku City Circuit. Gleich dahinter überraschte auch in dieser Wertung Fernando Alonso mit der sechstschnellsten Zeit. Kimi Räikkönen, traditionell die Geheimwaffe für schnellste Rennrunden, reihte sich auf Rang sieben ein. Die beiden langsamsten Runden gingen, wohl auch Bedingt durch den chaotischen Rennverlauf, an das Renault-Duo. Nico Hülkenberg umrundete den Straßenkurs in 1:48.536 Minuten, Teamkollege Jolyon Palme war 3,137 Sekunden langsamer.

Die Top-10 der schnellsten Rundenzeiten in Aserbaidschan

Platz Fahrer Team Rundenzeit
1 Sebastian Vettel Ferrari 1:43.441
2 Lewis Hamilton Mercedes 1:43.469
3 Valtteri Bottas Mercedes 1:43.925
4 Daniel Ricciardo Red Bull 1:44.882
5 Lance Stroll Williams 1:45.108
6 Fernando Alonso McLaren 1:45.168
7 Kimi Räikkönen Ferrari 1:45.542
8 Sergio Perez Force India 1:45.588
9 Esteban Ocon Force India 1:45.634
10 Carlos Sainz Toro Rosso 1:45.866

Die 3 Top-Facts zum Rennen

1. - Stroll kommt 12 Tage zu spät: Lance Strolls dritter Platz beim Großen Preis von Aserbaidschan 2017 war zweifelsohne eine Sensation. Der jüngste Pilot im aktuellen Starterfeld überzeugte auf dem Baku City Circuit vom ersten Training an und setzte auch beim Chaos am Renntag nicht einen Fuß falsch. Das erste Formel-1-Podest sowie der Eintrag in die Geschichtsbücher als jüngster Rookie auf dem Treppchen waren der verdiente Lohnt für die tadellose Vorstellung. Den Titel des jüngsten Podestbesuchers aller Zeiten konnte er allerdings nicht einstreichen. Max Verstappen war bei seinem Sieg in Barcelona 2016 noch ganze zwölf Tage jünger. Eine verblüffende Erkenntnis dieser Statistik: Mit Verstappen, Vettel und Kvyat stammen drei der vier jüngsten Edelmetall-Sammler aus Red Bulls Förderprogramm.

Top-10: Die jüngsten Podestbesucher der Formel-1-Geschichte

Platz Fahrer Team Rennen Alter
1 Max Verstappen Red Bull Spanien 2016 18 Jahre, 7 Monate und 15 Tage
2 Lance Stroll Williams Aserbaidschan 2017 18 Jahre, 7 Monate und 27 Tage
3 Sebastian Vettel Toro Rosso Italien 2008 21 Jahre, 2 Monate und 11 Tage
4 Daniil Kvyat Red Bull Ungarn 2015 21 Jahre und 3 Monate
5 Kevin Magnussen McLaren Australien 2014 21 Jahre, 5 Monate und 11 Tage
6 Fernando Alonso Renault Malaysia 2003 21 Jahre, 7 Monate und 3 Tage
7 Robert Kubica BMW Williams Italien 2006 21 Jahre, 9 Monate und 3 Tage
8 Ralf Schumacher Jordan Argentinien 1997 21 Jahre, 9 Monate und 21 Tage
9 Elio de Angelis Lotus Brasilien 1980 21 Jahre, 10 Monate und 1 Tag
10 Bruce McLaren Cooper Großbritannien 1959 21 Jahre, 10 Monate und 18 Tage

2. - Jugendwahn Teil 2: Mit Daniel Ricciardo, Valtteri Bottas und Lance Stroll sah die Formel 1 in Baku überhaupt eines der jüngsten Podien ihrer Geschichte. Die drei Piloten brachten es zusammen auf ein Durchschnittsalter von 24 Jahren, 9 Monaten und 26 Tagen. In der ewigen Statistik bedeutet dies das achtjüngste Treppchen. Auf den Rekord fehlte dabei allerdings noch fast ein ganzes Jahr: Bei Sebastian Vettels Premieren-Sieg in Monza 2008 bildete er zusammen mit Heikki Kovalainen und Robert Kubica mit einem Schnitt von 23 Jahren, 11 Monaten und 16 Tagen das bis dato jüngste Sieger-Trio. Das älteste Podest datiert zurück auf die Premierensaison der Königsklasse. Im Jahr 1950 stiegen Nino Farina, Luigi Fagioli und Louis Rosier beim Großen Preis der Schweiz zusammen auf das Podest. Das durchschnittliche Alter der drei Sieger: Zarte 46 Jahre, 8 Monate und 20 Tage.

Top 10: Die jüngsten Podien der Formel-1-Geschichte

Platz Rennen Sieger Platz 2 Platz 3 Durchschnittsalter
1 Italien 2008 Sebastian Vettel Heikki Kovalainen Robert Kubica 23 Jahre, 11 Monate und 16 Tage
2 Deutschland 2008 Lewis Hamilton Nelson Piquet Jr. Felipe Massa 24 Jahre, 7 Monate und 1 Tag
3 Ungarn 2003 Fernando Alonso Kimi Räikkönen Juan Pablo Montoya 24 Jahre, 7 Monate und 12 Tage
4 Monaco 2008 Lewis Hamilton Robert Kubica Felipe Massa 24 Jahre, 7 Monate und 23 Tage
5 Singapur 2008 Fernando Alonso Nico Rosberg Lewis Hamilton 24 Jahre, 8 Monate und 19 Tage
6 Spanien 2007 Felipe Massa Lewis Hamilton Fernando Alonso 24 Jahre, 8 Monate und 24 Tage
7 Monaco 2007 Fernando Alonso Lewis Hamilton Felipe Massa 24 Jahre, 9 Moante und 8 Tage
8 Aserbaidschan 2017 Daniel Ricciardo Valtteri Bottas Lance Stroll 24 Jahre, 9 Monate und 26 Tage
9 USA 2007 Lewis Hamilton Fernando Alonso Felipe Massa 24 Jahre, 9 Monate und 29 Tage
10 Europa 2008 Felipe Massa Lewis Hamilton Robert Kubica 24 Jahre, 10 Monate und 23 Tage

3. - Ricciardo mit Anlauf: Und mit was für einem. Vom zehnten Startplatz aus ins Rennen gegangen, lag der spätere Sieger zwischenzeitlich weit abgeschlagen an der 17. Position. An einen Triumph wagte der Australier zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. "Darauf hätte ich nie gewettet", so Ricciardo. Der Rennverlauf verlieh dem Red Bull mit der Startnummer 3 jedoch Flügel, sodass er sich in Runde 34 an der Spitze wiederfand, die er bis zum Fallen der Zielflagge nicht mehr abgeben sollte. Von so weit hinten in der Startaufstellung gewann seit Fernando Alonso 2012 in Valencia kein Pilot mehr ein Rennen. Der Spanier startete im Ferrari damals von Platz elf. Rekordverdächtig war aber keiner dieser beiden Erfolge, denn in der Geschichte der Formel 1 zauberten einige Fahrer schon von viel weiter hinten Siege herbei.

Top 10: Siege aus den Untiefen des Feldes

Platz Fahrer Rennen Startposition
1 John Watson USA 1983 22
2 Bill Vukovich Indy 500 1954 19
3 Rubens Barrichello Deutschland 2000 18
4 John Watson Detroit 1982 17
5 Kimi Räikkönen Japan 2005 17
6 Jackie Stewart Südafrika 1973 16
7 Michael Schumacher Belgien 1995 16
8 Fernando Alonso Singapur 2008 15
9 Bob Sweikert Indy 500 1955 14
10 Alan Jones Österreich 1977 14
11 Olivier Panis Monaco 1996 14
12 Johnny Herbert Europa 1999 14
13 Jenson Button Ungarn 2006 14

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