Formel 1

Renault heizt Hülkenberg-Kollege Jolyon Palmer ein: In F1 ist niemand sicher

Renault erhöht die Schlagzahl für Jolyon Palmer. Dass der Brite weiter nicht liefert, sei Nico Hülkenberg gegenüber fast unfair. Das müsse sich dringend ändern.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Renault setzt seinen im Teamduell gegen Nico Hülkenberg völlig überforderten zweiten Stammfahrer, Jolyon Palmer, zunehmend unter Druck. Schon nach dem Monaco GP hatte Cyril Abiteboul dem Briten Feuer gemacht, jetzt erneuert Renaults Sportchef seine Kritik an Palmer auf ein Neues - mit nochmals verschärftem Ton, Gefährdungswarnung für sein Cockpit inklusive.

Niemand ist in der F1 sicher.
Cyril Abiteboul

"Niemand ist in der F1 sicher. Die F1 ist kein Umfeld, in dem jemand laut sagen kann: 'Ich bin sicher!'", kommentiert Abiteboul bei Autosport die Frage, ob Palmer bereits akut drohe, durch einen anderen Fahrer ersetzt zu werden. Palmer wartet auch nach dem Kanada GP (P11), dem bereits siebten Saisonlauf, weiter auf seinen ersten Punkt des Jahres.

Teamkollege Hülkenberg indessen sammelte bereits 18 Zähler, landete in allen der letzten fünf Rennen in den Top-10 - sofern ihn kein technisches Problem (Getriebe, Monaco) davon abhielt. Für Abiteboul ist klar: Das muss für den anderen Fahrer auch zu schaffen sein!

Hülkenberg vs. Palmer: Die Zahlen

HülkenbergPalmer
WM-Punkte180
WM-Rang1117
Qualifying-Duell70
Schnitt Quali-Rückstand auf Teamkollege-1,189 Sek.+1,189 Sek.
Bester Startplatz7 (CHN; BAH)10 (BAH)
Schlechtester Startplatz13 (ESP)20 (AUS)
Bestes Rennergebnis6 (ESP)11 (MCN; KAN)
Schlechtestes Rennergebnis (ohne DNF)12 (CHN)15 (ESP)

Gnadenfirst für Palmer - Wie lange noch?

"Gerade liegt mein Fokus auf Jo. Jo muss liefern. Fakt ist, dass Jo über ein Auto verfügt, das Punkte holen kann, und er muss in die Punkte kommen. Fertig", stellt der Renault-Sportchef klar. "Was dann passieren würde, ich möchte das gar nicht vertiefen und da weitergehen, wer einspringen würde, weil das gerade aktuell nicht der Punkt ist", ergänzt Abiteboul. Offenbar erhält Palmer also noch eine Gnadenfrist von Renault.

Jo muss liefern. Fakt ist, dass Jo über ein Auto verfügt, das Punkte holen kann, und er muss in die Punkte kommen. Fertig.
Cyril Abiteboul

Ewig scheint der Geduldsfaden in Enstone und Viry aber nicht zu halten - Abiteboul: "Gerade kommt es mir gegenüber Nico, der sehr viel tun muss, fast schon ein bisschen unfair vor. Das Team ist offensichtlich sehr abhängig von ihm. Wenn Nico aus dem Spiel ist, einschließlich Gründen außerhalb seiner Kontrolle wie bei seinem Getriebeschaden, kämpfen wir damit, in den Punkten zu landen - trotz einer ganzen Reihe an Autos, die das Rennen ebenfalls nicht beendet haben."

Gerade kommt es mir gegenüber Nico, der sehr viel tun muss, fast schon ein bisschen unfair vor.
Cyril Abiteboul

Das Problem: Renault hat sich zum Ziel gesetzt, sich in der Teamwertung noch vor der Sommerpause um einen Platz auf Rang sechs zu verbessern. Dort rangiert aktuell Williams mit 22 Punkten, also vier Zählern Vorsprung. Zum Saisonende soll sogar Gesamtrang fünf für die Franzosen herausspringen. Dazu gilt es für Renault, auch Toro Rosso (29 Punkte) abzufangen. Doch droht auch von hinten Gefahr in Form von Haas (15). Für Hülkenberg allein eine Mammutaufgabe.

Vor Hülkenberg schaffte es Palmer bislang nur auf Fotos - Foto: Sutton

Ob Rennen oder Quali: Hülkenberg versägt Palmer

Entsprechend wartet Renault dringend darauf, dass Jolyon Palmer seinen Job endlich deutlich besser hinbekommt. Denn noch besteht weiter ein frappierender Pace-Unterschied auf Hülkenberg im Qualifying von im Schnitt mehr als einer Sekunde. Auch zuletzt Kanada sah es mit acht Zehnteln Gap im Q2 - immerhin das erreichte Palmer - nur marginal besser aus.

Wir sehen, dass es einen sehr substanziellen Abstand zwischen Nico und Jo im Qualifying gibt - und im Rennen.
Cyril Abiteboul

Das Renault-Kräfteverhältnis im Rennen? Kaum anders. "Wir sehen, dass es einen sehr substanziellen Abstand zwischen Nico und Jo im Qualifying gibt - und im Rennen", sagt Abiteboul. Mehr als 40 Sekunden etwa zuletzt in Kanada. "Es ist eine Herausforderung. Wir diskutieren regelmäßig mit Jo, um zu sehen, wie er sich verbessern kann."

In Monaco erwischte Palmer Renault zufolge das erste saubere Wochenende des Jahres - Foto: Sutton

Palmer-Trendwende? Nur Hoffnung statt Zuversicht bei Renault

Einen kleinen Schritt nach vorne habe es bereits in Monaco gegeben. Bis Monte Carlo habe Palmer nämlich kein einziges komplett sauberes Wochenende erwischt. Im Fürstentum habe Renault genau das dem Briten jedoch bieten können. "Dieser Prozess hat dazu geführt, dass Jo auch seinen Beitrag zu Meisterschaft leisten wird", glaubt Abiteboul.

Abschließend überzeugt scheint der Franzose davon jedoch selbst nicht ganz. Statt Zuversicht herrscht 'nur' Hoffnung: "Das (Monaco, d. Redaktion) hat ihm endlich die richtige Plattform verschafft, um sich zu verbessern und hoffentlich irgendwann zu liefern." Das muss Palmer auch dringend tun, um diversen Rauswurf-Gerüchten Einhalt zu gebieten. "Gerüchte gibt es, seit ich in der Formel 1 fahre. Das kann man am besten stoppen, wenn man auf der Strecke einen guten Job macht", weiß Palmer selbst. Dennoch: Sergey Sirotkin und selbst Robert Kubica - so unwahrscheinlich es auch ist - scharren schon mit dem Gasfuß.


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