Formel 1

Wurz: 100 Prozent Ferrari-Teamorder in Monaco

Noch immer erhitzt der Platztausch zwischen Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel beim Monaco GP die Gemüter. Alex Wurz ist sich sicher: Es war Teamorder.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Lange Zeit sah beim Monaco GP alles nach einem Sieg für Kimi Räikkönen aus. Der Ferrari-Pilot, der zum ersten Mal seit dem Frankreich GP 2008 ein Rennen von der Pole Position aus in Angriff nahm, führt den Grand Prix bis zu den Boxenstopps zwar knapp, aber relativ ungefährdet vor Sebastian Vettel. Durch die Boxenstopps allerdings kehrte sich die Reihenfolge der beiden Ferrari-Piloten um.

"Ferrari war zu einhundert Prozent klar, was sie mit Räikkönens Boxenstopp bewirken", sagte Alex Wurz Motorsport-Magazin.com zur umstrittenen Ferrari-Strategie. "Man hat gesehen, dass die Zeiten immer schneller wurden, dazu konnte sich Vettel noch Boost aufheben, um in diesen paar Runden den Overcut zu machen. Wir haben auch bei den anderen gesehen, dass der Overcut der Trick war, um Positionen gut zu machen."

Tatsächlich war Vettel nicht der einzige Pilot, der durch einen späteren Boxenstopp nach vorne kam. Am extremsten exerzierte Mercedes den Overcut mit Lewis Hamilton: Der Brite, der nur von Platz 13 aus ins Rennen gegangen war, kam erst in Runde 46 zum Reifenwechsel und überholte somit gleich vier Piloten. Daniil Kvyat, Romain Grosjean, Kevin Magnussen und Sergio Perez ließ er so hinter sich.

Vettel-Sieg durch Ferrari-Teamorder?: (05:02 Min.)

Für Wurz genug, um anzunehmen, dass auch bei Ferrari Vettels Overcut kein Zufall war. "Vettel musste die Strategie dann auch noch umsetzen, aber aus Ferrari-Sicht war das eine öffentliche Darstellung, dass sie auf Nummer-eins- und Nummer-zwei-Fahrer setzen - so sehe ich das ganz krass."

Wurz stellt aber auch klar: "Ich beschuldige Ferrari deshalb nicht, das ist wichtig. Aus Teamsicht verstehe ich das, am Saisonende sind alle Punkte wichtig - und Vettel hatte schon vor dem Rennen 50 Punkte mehr als Räikkönen. Für die WM wurde auf Ferrari-Seite hiermit eine Vorentscheidung getroffen. Jetzt muss man es dann ganz rigoros durchziehen, egal ob das super-populär ist oder nicht."

"Unter dem Strich versucht das Team das Beste für sich rauszuholen - ohne Rücksicht auf Verluste, wie bei Popularität oder was auch immer. Seit Schumacher und Barrichello ist die Teamorder auch im Reglement erlaubt. Der Motorsport versucht diese Kultur zu adaptieren. Das gibt es aber auch in anderen Sportarten wie beim Radfahren. Ob es gut ist, ist eine andere Frage. Ich selbst hätte mir für Kimi gewünscht, dass er das Rennen hätte gewinnen können."

Muss Mercedes jetzt nachziehen mit der Teamorder? "Sie haben ja schon zu einem Viertel nachgezogen", erklärt Wurz. "Auch wenn er keine Position dadurch verloren hat, Bottas haben sie beim Spanien GP auch für ein besseres Ergebnis von Lewis Hamilton verwendet." Valtteri Bottas hielt in Barcelona mehrere Runden lang Sebastian Vettel hinter sich und kostete ihn so wertvolle Sekunden - die ihm später auf Sieger Lewis Hamilton fehlten.


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