Formel 1

Formel 1 Australien: Lance Stroll sieht in Felipe Massa keinen Trainer

Lance Stroll und Felipe Massa bilden 2017 das Fahrer-Gespann bei Williams. Die Rollenverteilung von Lehrer und Schüler will Stroll so aber nicht stehen lassen.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - In weiten Teilen neu aufgestellt geht Williams in die neue Formel-1-Saison. Lance Stroll als Rookie ist schon seit langem bekannt, kurz vor Saisonstart wurde dann auch endlich Paddy Lowe offiziell bestätigt. Der ehemalige Technikdirektor von Mercedes übernimmt bei Williams dieselbe Aufgabe plus Sitz in der Geschäftsführung plus Anteilseigner des Teams.

Nach der Arbeit bei Mercedes, wo er mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg nicht nur talentierte, sondern auch erfahrene Piloten unter seinen Fittichen hatte, wartet bei Williams nun eine größere Herausforderung nicht. Dabei ist es nicht mangelndes Talent, womit er sich konfrontiert sieht, sondern mit einer besonderen Zusammenstellung. Auf der einen Seite Felipe Massa, der eigentlich schon zurückgetreten war und sich dann zu einem Comeback überreden ließ. Auf der anderen Seite Rookie Stroll, der erst 18 Jahre jung ist und direkt aus der Formel 3 aufsteigt.

Das Aufgebot mit Felipe und Lance ist sehr spannend.
Paddy Lowe

"Das Aufgebot mit Felipe und Lance ist sehr spannend", sagte Lowe. Dem Brasilianer zollt er aufgrund dessen großer Karriere Respekt. "Ich war schon immer ein großer Bewunderer von Felipes Karriere. 2008 ist er eine unglaubliche Saison gefahren und hat so knapp den Titel verpasst. Im Zuge dieses Wettbewerbs damals habe ich Felipe bewundert. Entsprechend toll ist es für mich, nun mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich sehe Felipe keinesfalls als schlechte Option", so Lowe.

Lowe: Bottas zu halten wäre falsch gewesen

Dabei war Massa bereits aus der Formel 1 zurückgetreten, erst der Wechsel von Valtteri Bottas zu Mercedes im Zuge des Rosberg-Rücktritts brachte das Rad wieder in Schwung. Für Lowe ist es verständlich, dass Williams nicht darauf bestanden hat, dass Bottas seinen Vertrag erfüllt und beim Team bleibt.

Eigentlich sollten Bottas und Stroll gemeinsam für Williams fahren - Foto: Sutton

"Ich bin mit den Verhandlungen mit Valtteri nicht vertraut, aber er ist ambitioniert und man muss Williams und Claire Respekt zollen, dass sie ihm die Möglichkeit verschafft haben, seine Karriere voran zu treiben", meint er. "Wenn Valtteri gespürt hat, dass es eine Gelegenheit für ihn war, dann wäre es falsch von Williams gewesen, ihm diese an diesem Punkt seiner Karriere zu verweigern."

Massa dagegen hatte mit seiner Karriere eigentlich auch schon abgeschlossen, wie er auf der Pressekonferenz verriet. "Ich hätte vielleicht geplant, irgendwo anders zu sein, mehr zu essen, fetter zu werden, was auch immer. Aber nicht hier zu sein", so Massa. Spätestens nach den ersten Runden im neuen Auto in Barcelona war die Begeisterung aber wieder geweckt. "Es fühlte sich ziemlich gut an und ich freue mich darauf, eine weitere, konkurrenzfähige Situation zu erleben, gepaart mit einem tollen Job", so Massa.

Massa vs. Stroll: Konkurrenz oder Zusammenarbeit?

Seinen künftigen Teamkollegen Stroll kennt er bereits länger. Zu Ferrari-Zeiten traf Massa erstmals auf den damals Achtjährigen. "Ich verspüre große Freude, mit ihm zu arbeiten und ihn zu unterstützen. Wir arbeiten zusammen für das Team, wir beide müssen so viele Punkte wie möglich für das Team holen. Es wäre toll, wenn wir als Team eine tolle WM erleben. Das ist das Wichtigste", so Massa.

Felipe ist nicht hier, um Trainer zu sein.
Lance Stroll

Stroll dagegen sieht in Massa offenbar mehr einen Kontrahenten als umgekehrt. "Felipe ist nicht hier, um Trainer zu sein. Er ist ein Mitbewerber wie jeder andere, der genau os auf das Racing konzentriert ist, wie jeder andere", so der Kanadier. "Jeder setzt sich andere Ziele und jeder ist in einer anderen Situation. Aber jedes Team hat zwei Fahrer, die dasselbe wollen: so weit vorne zu landen wie möglich."

Seine persönliche Zielsetzung für 2017 sieht ein "solides, sauberes Jahr" vor. "Es gibt noch so viel zu lernen, ich denke nicht, dass es der richtige Ansatz wäre, sich eine Platzierung zum Ziel zu nehmen. Wir sollten es Rennen für Rennen angehen. Für mich steht eine harte Lernkurve bevor, es gibt noch Vieles, das ich verstehen muss. Ich werde genau auf die Leute um mich herum hören, die mir versuchen zu helfen." Ob er damit auch Massa gemeint hat?


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