Formel 1 - Massa: So lief der Rücktritt vom Rücktritt

SMS von der Chefin

Felipe Massa war nie wirklich weg, ist aber doch wieder da. Der Brasilianer erklärt, wie ihn Claire Williams mit einer SMS kontaktierte.
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Motorsport-Magazin.com - Eigentlich wäre Felipe Massa heute irgendwo anders gewesen, vielleicht in seiner Heimat Brasilien, vielleicht im Urlaub. Doch nach dem Rücktritt von Nico Rosberg wurden viele Dinge ausgelöst, an deren Ende der Brasilianer sich entschied, seinen Abschied aus der Königsklasse zu verschieben. Somit saß er nun an Tag eins der Testfahrten in Barcelona am Steuer des neuen Williams und erlebte gleich einen sorgenfreien Tag mit über 100 Runden.

Ich dachte, vielleicht ruft jemand an.
Felipe Massa über Rosbergs Rücktritt

Danach gab er erstmals detaillierten Einblick darin, wie sein Rücktritt vom Rücktritt ablief. Nachdem er von Rosbergs Entscheidung erfuhr, hatte Massa bereits die Sinne geschärft. "Ich dachte, vielleicht ruft jemand an. Ich stand zu meiner Entscheidung, aber wenn mich jemand anrufen wollte, hätte er das ja tun können. Zunächst hatte sich keiner gemeldet, aber dann ist es tatsächlich passiert", erinnert er sich zurück. Es war Teamchefin Claire Williams, die ihm eine SMS schickte.

SMS nach der Weihnachtsfeier

"Ein paar Tage nach der Weihnachtsfeier des Teams, auf der ich mich von jedem verabschiedet hatte, bekam ich eine SMS von Claire, in der sie mich fragte, ob ich mir vorstellen kann, meinen Rücktritt aufzuschieben. Ich sagte: 'Lass uns reden!' Sie hat mich angerufen, danach habe ich das Flugzeug nach England genommen", berichtet Massa. Dort folgten einige Gespräche mit dem Team, wie die weitere Zusammenarbeit aussehen soll. "Es hat dann etwas Zeit gebraucht, um 100 Prozent klar zu sein, aber das lag nicht nur an mir, sondern an vielen Dingen um mich herum, an Mercedes, an Valtteri. Es hat etwas Zeit benötigt, aber ich bin meinem Herzen gefolgt", so Massa.

In Brasilien, in Abu Dhabi, das waren schöne Gefühle. Es war nicht einfach für mich, zurückzukommen.
Felipe Massa

Wer jetzt glaubt, Massas Frau habe energisch versucht, ihr Veto einzulegen, der täuscht. "Als ich ihr sagte, dass ich aufhören will, war sie ein wenig überrascht. Sie hatte mir gesagt, ich unterstütze dich, egal was du tust, aber tu etwas, denn du kannst mit 35 nicht einfach aufhören und nichts mehr tun", lachte er. Ähnlich sei es auch bei seinem Vater gewesen. So ganz leicht hatte er es sich aber nicht gemacht. "Ich glaube, nicht viele hatten so einen tollen Rücktritt, wie ich. In Brasilien, in Abu Dhabi, das waren schöne Gefühle. Es war nicht einfach für mich, zurückzukommen", gesteht er.

Schlussendlich aber hat der Racer in Massa gesiegt. Ohnehin sei stets klar gewesen, dass er mit seinen 35 Jahren auch weiter Rennen fahren will. Ein Engagement bei Jaguar in der Formel E war im Gespräch, mehr als Gespräche und eine Testfahrt sei es jedoch nicht gewesen. "Es war ein tolles Gefühl, das Auto mal zu fahren. Natürlich ist es komplett anders als hier, ein anderes Auto, eine andere Mentalität in gewissen Dingen", berichtet er von seinen Erfahrungen.

Für Massa stand fest, weiterhin Rennen zu fahren - Foto: Sutton

Größtmögliche Hilfe für Lance Stroll

Ich muss mir keine Sorgen machen, ich versuche ihm so sehr zu helfen, wie es geht.
Felipe Massa

Eine neue Erfahrung wird er auch bei Williams erleben, wenn er mit Lance Stroll einen neuen Teamkollegen in der Nachbargarage weiß. Im Gegensatz zu anderen Teams, geht es Massa jedoch nicht ausschließlich um Konkurrenz. "Ich muss mir keine Sorgen machen, ich versuche ihm so sehr zu helfen, wie es geht. Wenn er einen guten Job macht, ist es gut für das Team, gut für die Punkte. Ich bin sein Teamkollege, natürlich will ich vor ihm liegen, aber ich gebe ihm auch die Daten, damit habe ich kein Problem um ehrlich zu sein", zeigt er sich kollegial.

Daten sammeln muss auch er selbst noch über die neue Fahrzeuggeneration. Auch der erfahrene Brasilianer ist begeistert von den neuen Boliden. "Als ich im Simulator gefahren bin, war klar, dass das Auto in allen möglichen Kurven schneller wird. Man bremst später, man ist auf der Geraden aber auch langsamer aufgrund des Luftwiderstandes", erklärt er. Dass die schnelleren Autos aber auch eine bessere Show in Form von Überholmanövern ermöglichen, glaubt er nicht. "Man verliert viel Abtrieb, wenn man hintereinander fährt. Die Autos sind zudem deutlich größer. Mal schauen, aber ich denke, es wird schwieriger zu überholen." Gleichzeitig hält Massa aber aufgrund der deutlich breiteren Autos mehr Kontakte für wahrscheinlich.


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