Formel 1

Sicht gegen Sicherheit - Verhindert Red Bull Halo mit diesem Test?

Red Bull ist gegen den Halo - wenn Kopfschutz, dann bitte den Aeroscreen. Trotzdem rückte Red Bull als zweites Team mit Heiligenschein aus. Das steckt dahinter:
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Überraschung am Dienstagmorgen: Am ersten Tag des Young Driver Tests in Silverstone rückte Red Bull zu Beginn der Session mit einem Heiligenschein über dem Cockpit aus. Offiziell teile Red Bull mit, dass es sich dabei lediglich um einen Sicht-Test handelte. Testfahrer Pierre Gasly fuhr dazu mit einer Spezialbrille, die den Run aus seiner Sicht aufnahm.

Das von Red Bull gebaute Halo unterscheidet sich nur geringfügig von der Version, die Ferrari während des Großbritannien Wochenendes testete. Ferrari testete nach dem Dummy bei den Testfahrten in Barcelona eine zweite Version, bei der das V des Bügels etwas weiter oben angebracht und zudem aus Titan gefertigt war.

Sebastian Vettel zeigte sich aber auch vom Halo 2.0 nicht besonders angetan. "Das Teil, das ich heute Morgen getestet habe, hatte einen ziemlich starken Einfluss auf die Sichtbarkeit", klagte Vettel am Wochenende.

Horner: Ich würde gegen Halo stimmen

Der von Red Bull entwickelte Aeroscreen ist beim FIA-Test durchgefallen - Foto: Red Bull

Red Bull würde lieber den selbst entwickelten Aeroscreen an den Boliden sehen. Allerdings bestand der einen FIA-Test nicht, weshalb der Automobilweltverband die Einführung von Halo bevorzugt. "Ich persönlich bin kein großer Fan des Halo", wird Red Bull Teamchef Christian Horner von britischen Medien zitiert. "Ich halte es für eine unelegante Lösung des Problems."

Kritiker befürchten, Halo könne bei kleineren Trümmerteilen sogar zur Gefahr werden. Eine Feder, wie sie Felipe Massa 2009 in Ungarn am Helm traf, könnte durch den Aufbau abgelenkt werden und deutlich schlechter geschützte Bereiche des Fahrers treffen. Auch das Verhalten bei einem Überschlag ist strittig.

"Mir wäre es lieber, wenn wir mehr Zeit für die Entwicklung hätten, um den Job ordentlich zu machen, als etwas durchzuboxen, das andere Konsequenzen haben könnte", so Horner weiter. "Ich würde im Moment definitiv nicht dafür stimmen."

Das Problem: Den Teams sind die Hände gebunden. Die FIA braucht keine Abstimmung, um Halo einzuführen. Für die Sicherheit darf der Automobilweltverband machen, was er für richtig hält. Und die FIA hält Halo für richtig.

Wie schlecht ist die Sicht wirklich?

Die einzigen, die Halo noch verhindern können, sind die Fahrer. Ist die Sicht ist mit dem Heiligenschein zu stark eingeschränkt, entstehen so neue Sicherheitsprobleme. Eine eingeschränkte Sicht kann die FIA nicht durchgehen lassen. Jede Sicherheitsdebatte würde somit ad absurdum geführt.

Halo am Boden des Media Centers in Barcelona - Foto: Motorsport-Magazin.com

Möglich, dass Red Bull Halo in Silverstone nur deshalb testet. Sind die Aufnahmen von Gaslys Brillen-Kamera ausreichend schlecht, wird das Video wohl schnell Richtung Paris geschickt. Bislang testeten nur die beiden Ferrari-Piloten die Sicht - um Druck machen zu können, müssen sich mehr Stimmen erheben.

Sensoren hinter dem Halo - Foto: Sutton

Sollte der Halo aber trotzdem kommen, hat Red Bull immerhin erste Messwerte gesammelt. An der rechten Cockpitseite schien der Bügel recht provisorisch befestigt zu sein. In der Tat unterscheiden sich die Ferrari- und Red-Bull-Varianten hauptsächlich durch die Schnittstelle zum Cockpit, das Provisorium hatte aber einen anderen Grund.

Red Bull führte beim Silverstone-Test zahlreiche Kabel an der Cockpit-Umrandung vorbei, die hinten über dem Helm des Fahrers in Form von kleinen Sensoren wieder austraten. Halo beeinträchtigt die Aerodynamik zwar nicht so stark wie das Aeroscreen, einen Einfluss hat er aber trotzdem.

Allerdings war Pierre Gasly von den Ergebnissen überrascht: "Es hat sich nicht viel geändert. Es sieht zwar anders aus, aber für den Fahrer ändert sich nicht viel." Der Blick wird laut Gasly besonders beeinträchtigt, wenn man geradeaus schaut. Allerdings ist Gasly sowieso kein Freund des Cockpitschutzes. "Für mich muss die Formel 1 immer ein offenes Cockpit haben und ich mag es nicht, wie es mit dem Halo aussieht. Ich denke die Formel 1 sollte bleiben wie sie ist", fügte er hinzu.


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