Formel 1

Räikkönen Podest-Stammgast - Ferrari in Bahrain: Die doppelte zweite Chance

Beim Saisonstart kämpften Räikkönen und Vettel mit Mercedes. Doch Patzer und Defekte verhinderten den Sieg. Ferrari reist mit gemischten Gefühlen nach Bahrain.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - 15:43 nach Punkten unterlag Ferrari Mercedes im ersten Schlagabtausch der Formel-1-Saison 2016. Nach dem durchwachsenen Saisonstart in Australien muss Runde zwei von 21 nun eine deutliche Steigerung bringen, wollen sich Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen nicht schon einen gehörigen Punkterückstand einhandeln. Gut, dass das zweite Rennen der Saison in Bahrain über die Bühne geht. Der Wüstenstaat zählt statistisch gesehen zu den besten Pflastern Ferraris. Vieles deutet auf eine ganz starke Vorstellung der Roten hin.

Das letzte Rennen: Patzer & Pannen in Australien

Beim F1-Saisonstart in Melbourne erlebte Ferrari ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle. Bei Aprilwetter in Australien gelang es der Scuderia wie allen Team kaum, in den Trainings nennenswerte Erkenntnisse zu gewinnen. Im Qualifying handelte man sich dann einen doch sehr viel größeren Rückstand auf Mercedes ein als gedacht. Doch schon der Start brachte den Umschwung. Aus Reihe zwei schossen beide Ferrari vorbei an den Silberpfeilen an die Spitze. Ein großer strategischer Fauxpas beim Restart spülte Vettel und Räikkönen jedoch zurück hinter Mercedes.

Den Iceman erwischte es kurz darauf noch einmal kalt. Oder vielmehr heiß: Airbox in Flammen, Ferrari defekt, Ausfall für Räikkönen. Doch auch bei Vettel lief es nicht rund. Erst eine klemmende Radmutter bei zweiten Stopp, dann ein Fahrfehler bei einem Angriff auf Lewis Hamilton kosteten jede Chance, zumindest einen Mercedes zu schlagen. Mehr als ein dritter Platz war somit nicht drin.

Kimi Räikkönen bekommt nach dem Defekt in Australien für Bahrain einen neuen Turbo - Foto: Sutton

Die Neuerungen: Neuer Turbo für Räikkönen

Aufatmen bei Kimi Räikkönen: Sein technisch bedingter Ausfall in Australien hat neben der verpassten Punkte nur ein kleines, zweites Nachspiel. Nach dem Feuer aus der Airbox schlagenden Ferrari Down Under muss die Scuderia nicht die komplette Power Unit wechseln, stattdessen nur den Turbo an Räikkönens Ferrari SF16-H. Sonstige Neuerungen an den roten Boliden sind vorab nicht bekannt geworden, allerdings soll es wohl ein Update geben. Geheimhaltung wird in Maranello mal wieder groß geschrieben.

Personell deutet allerdings alles darauf hin, dass Technikdirektor James Allison wegen seiner verstorbenen Frau nicht an der Strecke weilen wird. Größere Probleme sollte das für Ferrari jedoch nicht mit sich bringen: Wegen der Verpflichtung des neuen Chefrenningenieurs Jock Clear wollte sich Allison 2016 ohnehin auf seine Arbeit in der Fabrik konzentrieren statt zu allen 21 Rennen zu reisen.

Die Erwartungen: Wiedergutmachung mit Sieg!

Für Ferrari gilt es, in Bahrain mit aller Kraft zurückzuschlagen, soll sich Mercedes' WM-Zug nicht bereits einen kleinen Vorsprung herausfahren. Gut, dass die Erwartungen und Voraussetzungen dieser Notwendigkeit gerecht werden. So zeigten sich die Fahrer in Australien bereits hoch zufrieden mit der Pace ihres SF16-H. Räikkönen verwies zudem darauf, den großen Rückstand im Qualifying wegen der besonderen Eigenschaften der Strecke im Albert Park, der kuriosen Witterungsbedingungen und des ausgelassenen zweiten Runs in Q3 nicht überbewerten zu dürfen.

Tatsächlich sah Ferrari bereits im Rennen deutlich besser aufgestellt aus. Trotz der oben skizzierten Fehler war auch der Rückstand auf Mercedes im Ziel weitaus geringer als noch in der Saison 2015. Noch dazu weist Ferrari nun in Bahrain die von allen Teams mit Abstand beste Statistik auf. Die roten Göttinnen kommen in der Wüste traditionell gut zurecht. "Die Strecke in Bahrain sollte Ferrari liegen. Deshalb erwarten wir an diesem Wochenende engere Abstände und einen sehr engen Kampf", warnt Mercedes' Toto Wolff. Dasselbe gilt für die Fahrer. Vettel siegte zwei Mal im Wüstenstaat, Räikkönen ist mit sieben Podien Rekordbesucher auf dem Treppchen.

Bahrain-Vorschau: Der härteste Bremspunkt: (00:35 Min.)

Erst im Vorjahr kletterte der Iceman auf die Stufe für Platz zwei. Sogar der Sieg lag für Räikkönen fast in Reichweite. "Vielleicht hätte ich vergangenes Jahr gewinnen können, aber es ist sinnlos, jetzt mit Spekulationen anzufangen. Wir waren Zweiter - das ist alles. Ich war nicht allzu schlecht, aber ich denke, es hätte besser sein können", erinnert sich Räikkönen. Wohin die Reise 2016 gehen soll ist also offensichtlich. Doch ganz so einfach wird es nicht mit dem Ferrari-Sieg in Bahrain. Die Sorgen liegen einmal mehr auf technischer Seite - nach seinem neuerlichen Pech in Melbourne gerade für Räikkönen.

Ob du Probleme hast oder nicht hängt auch sehr davon ab, wie sehr du dich mit der Bremskühlung beschäftigst.
Kimi Räikkönen

"In einer idealen Welt, in der alles funktioniert, ist es in Ordnung, obwohl du natürlich manchmal Probleme haben kannst", sagt Räikkönen etwa über die in Bahrain besonders geforderten Bremsen. "Aber wir haben bisher ein gutes System. Allerdings ist es auf dieser Strecke schwer, zu trainieren, sodass ein paar Autos Probleme mit ihren Bremsen bekommen könnten. Aber ob du Probleme hast oder nicht hängt auch sehr davon ab, wie sehr du dich mit der Bremskühlung beschäftigst", erklärt der Finne einen Schlüssel in Bahrain. Hinzu komme der Faktor Sand auf der Strecke. "Es sind nicht die schwierigsten Kurven dort. Trotzdem ist es hart, eine gute Runde zu erzielen, denn die Bedingungen können sich wegen des Windes sehr verändern", sagt Räikkönen. Ihr übriges tue die Hitze.

Die Statistik: Ferrari beim Bahrain GP

Siege Poles Schn. Runden Podium Punkte km geführt
Ferrari 4 3 4 10 149 1161
Sebastian Vettel 2 2 2 3 88 819
Kimi Räikkönen 0 0 1 7 84 65

Ferrari: Bahrain Bilanz

Ferrari in Bahrain: Ferrari ist das erfolgreichste Team in Bahrain. Michael Schumacher (2004), Felipe Massa (2007, 2008) und Fernando Alonso (2010) fuhren bei bislang zehn Auflagen vier Siege für die Scuderia ein. Hinzu kommen vier zweite Plätze durch Rubens Barrichello (2004), Schumacher (2006), Kimi Räikkönen (2008) und Massa (2010) und ein dritter Rang von Räikkönen im Jahr 2007.

Sebastian Vettel in Bahrain: Sebastian Vettel feierte 2008 für Toro Rosso sein Debüt im Wüstenstaat und schied nach einer Kollision aus. Im Jahr darauf wurde er in Diensten von Red Bull Zweiter, ein weiteres Jahr später Vierter. 2012 startete Vettel von der Pole Position und ließ sich den Sieg nicht nehmen, im Jahr darauf wiederholte er seinen Triumph. Im der letzten Saison startete Vettel erstmals für Ferrari in Bahrain und wurde Fünfter.

Kimi Räikkönen in Bahrain: Zehn Mal ging Kimi Räikkönen in Bahrain an den Start, sieben Mal landete er auf dem Podium. In seiner Zeit bei McLaren fuhr der Finne zwei dritte Plätze (2005, 2006) ein, im Ferrari ließ er einen dritten (2007) und zwei zweite Ränge (2008) folgen. Für Lotus fuhr Räikkönen 2012 und 2013 jeweils als Zweiter über die Ziellinie.

Ferraris Kimi Räikkönen kämpfte in Bahrain 2015 mit Mercedes um den Sieg - Foto: Ferrari

Die Prognose: Siegchance für Ferrari

  • Ferrari nach Australien-Patzern unter Druck, aber besonders konzentriert
  • Australien: Rückstand auf Mercedes im Ziel 2016 kleiner als 2015
  • Nach Defekt Down Under: Neuer Turbo am Räikkönen-Ferrari
  • Räikkönen, Vettel UND Ferrari mit überragender Bahrain-Bilanz
  • Trauerfall: Technik-Direktor James Allison wohl nicht an der Strecke

Motorsport-Magazin.com meint: Ferrari hat in Bahrain definitiv eine wesentlich größere Siegchance als in Australien. Nicht wegen der überragenden Statistik aller Beteiligten in Rot - Erfolge von gestern zählen heute bekanntlich fast nichts -, sondern insbesondere wegen der starken Vorstellung 2015. Ja, auch das gehört zu gestern, liefert jedoch eine klare Tendenz geht es um das Kräfteverhältnis von Strecke zu Strecke. Auch, dass einem Räikkönen der Bahrain International Circuit offenbar ganz besonders gut gefällt, kann sich nur als Vorteil erweisen.

Bleiben wie so oft bei Ferrari Technik und Strategie als größte Gefahren. Vor allem Letzteres sollte dieses Mal funktionieren. Die Reaktion Sergio Marchionnes auf zwei Blamagen in Folge will in Maranello sicher niemand erleben. Bei der Technik bleibt allen Tifosi derweil nur Daumendrücken, dass sich das 2016 radikale Konzept nicht erneut rächt. (Jonas Fehling)


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