Formel 1 / Interview

Punkte wären drin gewesen - Nick Chester: Lotus auf Wiedergutmachung aus

Nick Chester, Technischer Leiter bei Lotus, über die Herausforderungen des Hungarorings, den Rennkalender 2016 und die wohlverdiente Sommerpause.

Motorsport-Magazin.com - Was sind die Herausforderungen auf dem Hungaroring?
Nick Chester: Es ist ein interessanter Kurs mit überwiegend langsamen und halbschnellen Kurven. Das bedeutet, dass wir eine gute Abstimmung an der Vorderachse benötigen, damit das Auto gut einlenkt. Traktion ist ein weiterer Bereich, den wir im Setup optimieren müssen. Bezüglich des Setups ist der Hungaroring eine weitere Strecke, die uns vor eine Herausforderung stellt. Man braucht einen hohen Abtrieb und wir werden die medium und weichen Reifen benutzen. Das bedeutet, dass unsere Ingenieure damit beschäftigt sein werden, das Auto fein zu tunen, um das volle Potenzial auszuschöpfen.

Wir waren jetzt nicht eine Million Meilen entfernt.
Nick Chester über den Großbritannien GP

Silverstone war ein kurzes Rennen für euch. Was hat das Team daraus gelernt?
Nick Chester: Unser Rennen war ein sehr kurzes Vergnügen, weil beide Fahrer in der ersten Runde ausgeschieden sind. In Silverstone kann es sehr windig werden und das macht es schwierig, das richtige Setup für das Auto zu finden. Daran hatten wir dieses Jahr zu knabbern. Wir hatten auch ein wenig Probleme mit beiden Reifenmischungen, um eine gute Balance zu finden. Das führte dazu, dass wir im Qualifying nicht dort gelandet sind, wo wir wollten. Dennoch waren wir jetzt nicht eine Million Meilen entfernt und das Potenzial für das Rennen war da. Unglücklicherweise hatten wir nicht die Möglichkeit, zu zeigen, wozu wir in der Lage gewesen wären, weil beide Fahrer unschuldig Opfer eines Rennzwischenfalls in der ersten Runde geworden sind. Für beide Autos wären Punkte drin gewesen.

Aus in Runde 1 für beide Lotus in Großbritannien - Foto: Sutton

Wie ist die Stimmung in der Garage, wenn man sieht, wie beide Autos so früh aus dem Rennen geschieden sind?
Nick Chester: Es schmerzt. Es steckt so viel Arbeit in der Vorbereitung auf einen Grand Prix; die Autos vorbereiten, die Garagen aufbauen, zum Rennen anreisen, um zu sehen, dass sich alles innerhalb von 30 Sekunden nach Rennstart in Luft auflöst, ist sehr entmutigend. Aber das ist Racing; darüber kommt man hinweg.

Woran arbeitet Ihr in Enstone gerade?
Nick Chester: Wir hatten viel Arbeit, beide Autos nach dem Großbritannien Grand Prix wieder zu reparieren. Der Schaden betraf die Karosserie, den Unterboden, den Frontflügel und die Ölleitung an Pastors Auto. Allerdings sahen die Autos schlimmer aus, als ihr eigentlicher Zustand war. Nichtsdestotrotz war es für uns in der Fabrik eine ziemlich stressige Zeit. Wir haben eine Vielzahl an Entwicklungen, die für das diesjährige Auto bestimmt sind. Einige Leute arbeiten auch schon an den Konzepten für 2016.

Vorbereitungen auf 2016 laufen bereits auf Hochtouren - Foto: Sutton

Was für Unterschiede wird es bei den Rennstarts geben?
Nick Chester: Es wird interessant sein, zu sehen, ob sich von Belgien an viel verändern wird. Bis jetzt konnte das Team den Fahrern Anweisungen bezüglich des Kupplungsschleifpunktes geben. Aber das ist ja von Spa an verboten. Daher wird es Spielraum für etwas mehr Abwechslung bei Rennstarts geben als das momentan der Fall ist.

Eine Vorschau auf 2016: Welchen Unterschied werden 21 Rennen im Kalender machen?
Nick Chester: Nächstes Jahr werden wir einen ziemlich hektischen Zeitplan haben; nicht nur, dass es der Rennkalender 21 Rennen umfasst, sondern auch, dass die Saison nicht vor April beginnen wird. Und es gibt noch eine Menge weiter Änderungen. Das sind seit längerem sicherlich die weitreichendsten Änderungen im Zeitplan. Das Malaysia-Rennen findet nach Singapur statt und Russland findet dafür im Mai statt. Dazu kommt noch Baku. Damit muss man die Logistik genau planen, insbesondere mit sieben back-to-back-Rennen.

Die Pause haben wir zu der Zeit im Jahr auch dringend nötig.
Nick Chester

Was bedeutet die Sommerpause für das Team?
Nick Chester: Nach Budapest werden wir die Fabrik für zwei Wochen schließen. Da wird es keine Arbeiten geben. Das bedeutet, dass die ganzen Leute, die in Enstone arbeiten, pausieren und ihre Batterien neu aufladen können. Das haben wir zu der Zeit im Jahr auch dringend nötig. Es zeigt aber gleichzeitig, dass die erste Saisonhälfte vorbei ist und nur noch zwei Europarennen übrig sind. Daher ist es an der Zeit zu pushen und in der zweiten Hälfte so viele Punkte wie nur möglich zu sammeln, um uns den bestmöglichen WM-Platz zu sichern.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video

a