Formel 1

Mercedes-Vertrag steht im Weg - Renault-Werkseinstieg bei Lotus fix?

Französischen Medienberichten zufolge soll der werksseitige Einstieg Renaults bei Lotus fix sein. Das Team dementiert.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Renault hat schon vor einigen Monaten klar gemacht, dass ihre aktuelle Situation in der Formel 1 nicht optimal ist. Aktuell liefern die Franzosen eine viel zu schwache und gleichzeitig unzuverlässige Power Unit an Red Bull und Toro Rosso. Als wäre das nicht genug, schlägt Red Bull bei jeder Gelegenheit auf den Motorenpartner ein.

Nach acht Weltmeisterschaften, die das Gespann zwischen 2010 und 2013 gemeinsam gewann, ist die sportliche und mediale Situation für Renault in dieser Weise nicht mehr tragbar. Deshalb steht der Konzern vor einer weittragenden Entscheidung: Ganz oder gar nicht. Cyril Abiteboul erklärte bereits, dass seitens Renault ein kompletter Ausstieg aus der Königsklasse genauso denkbar sei wie ein werksseitiger Einstieg.

Mit einem Werksteam - Renault verließ 2009 diese Bühne, aus dem Renault-Team ging das heutige Lotus F1 Team hervor - hätte man zumindest den Chassis-seitigen Nörgler weg. Allerdings braucht es auch ein dickes Budget, um ernsthaft vorne mitfahren zu können.

Volkswagen vs. Renault: Contra oder Pro Formel 1

Die ungewisse Zukunft der Formel 1 und Unklarheit bei den Regeln sind auch der Grund, weshalb der Volkswagenkonzern der Königsklasse immer wieder die kalte Schulter zeigt. "Das ist momentan nicht wirklich interessant für uns", sagte Konzernchef Martin Winterkorn erst kürzlich.

Die unterschiedlichen Haltungen der Konzerne und das Hin- und Her zwischen den Extremen bei Renault zeigt, in welcher Lage sich die Formel 1 derzeit befindet: Zwischen Genie und Wahnsinn. Die Technik ist für Automobilhersteller ideal - sowohl um Entwicklung zu betreiben, als auch um Erfolge entsprechend in PR umsetzen zu können.

Im Falle von Renault läuft aber genau das schief. Erfolge bleiben aus, die Darstellung in der Öffentlichkeit ist durchwegs negativ. Für das Verlieren wird viel zu viel Geld ausgegeben. Genau deshalb stehen die Franzosen nun vor der Entscheidung: Alles oder nichts.

Renault kauft angeblich 51 Prozent

Die französische Website autonewsinfo berichtet, dass sich Renault bereits 51 Prozent am Lotus F1 Team gesichert hätte. 49 Prozent blieben im Besitz von Gerard Lopez. Aus dem alten Werksteam würde wieder ein neues entstehen. Schon 2016 soll demnach der Rennstall wieder als Renault an den Start gehen.

Aktuell ist Lotus mit Mercedes-Power unterwegs - Foto: Sutton

Carlos Ghosn, Präsident des Renault-Nissan-Konzerns, wurde zuletzt häufiger im Fahrerlager gesehen. Auf Anfrage von Motorsport-Magazin.com verneinte Lotus allerdings, dass ein derartiger Deal bereits fix sei. Der Rennstall will sich zu Gerüchten um eine Übernahme nicht weiter äußern.

Probleme könnte es bei einer Übernahme auch mit Mercedes geben: Lotus wechselte erst 2015 auf die Power Units aus Brixworth. Der Deal ist eigentlich bis zum Ende des aktuellen Motorenreglements angesetzt. Dem Bericht zufolge soll sich Lotus aus dem Vertrag gekauft haben.

Und noch ein weiteres Problem steht im Raum: Red Bull. "Fakt ist, dass wir eine Vereinbarung bis 2016 haben, wobei Red Bull - wer auch immer noch mit Renault-Motoren fahren wird - immer Priorität hat", gab Dr. Helmut Marko bei Sky zu bedenken. Sollte Renault tatsächlich schon 2016 mit einem Werksteam an den Start gehen, ist nur schwer vorstellbar, dass Red Bull dem Werksteam vorgezogen würde.

Formel 1, Formel E und Le Mans gleichzeitig?

Renault ist auch in der Formel E stark vertreten - Foto: Sutton

Gleichzeitig will sich Renault übrigens auf die Formel E fokussieren. Renault ist beim Einheitsboliden in der Elektrorennserie für die Integration der Systeme verantwortlich und will das Engagement in Zukunft weiter ausbauen, weil nach und nach Teile des Fahrzeugs selbst entwickelt werden dürfen.

Mit einem Entwicklungswettrennen wird auch die Formel E teuer. Es ist fraglich, ob Renault in beide Projekten Unsummen investieren wird, zumal der Konzern zusätzlich mit Nissan in Le Mans vertreten ist. Ghosn brachte den Renault-Nissan-Konzern erst kürzlich wieder auf Erfolgskurs.


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