Das erste Qualifying der Saison ist geschlagen. Im Albert Park zu Melbourne sicherte sich wenig überraschend Mercedes die erste Startreihe und nahm der Konkurrenz gehörig Zeit ab. Lewis Hamilton startet in Australien zum bereits vierten Mal von der Pole Position, während sein Teamkollege Nico Rosberg nach einem durchwachsenen Zeittraining mit Platz zwei Vorlieb nehmen musste. Dahinter geht es zwischen Williams und Ferrari eng zu. Motorsport-Magazin.com nimmt die Topteams vor dem Australien GP unter die Lupe.

Der Trend spricht für Hamilton

Das Rennwochenende in Melbourne hatte für Nico Rosberg am Freitag mit zwei Trainingsbestzeiten blendend begonnen. Doch der Deutsche vermochte den Vorteil gegenüber seinem Stallgefährten Lewis Hamilton am Samstag nicht zu verteidigen und lag bereits im dritten Freien Training zurück. Im Qualifying verfestigte sich dieses Bild und Hamilton erzielte - nicht zuletzt begünstigt von einer fehlerhaften Performance Rosbergs - in allen drei Segmenten die Bestzeit.

Fahrer1. Training2. Training3. TrainingQ1Q2Q3
Hamilton1:29.5861:27.7971:27.8671:28.5861:26.8941:26.327
Rosberg1:29.5571:27.6971:28.5631:28.9061:27.0971:26.921

Rosberg büßte schlussendlich knapp sechs Zehntel auf die Bestzeit ein, was aber immer noch einen äußerst komfortablen Vorsprung auf den drittplatzierten Felipe Massa bedeutete, der 1,4 Sekunden langsamer als Hamilton war. Geschieht nichts Unvorhergesehenes wie ein Technikdefekt oder eine stallinterne Kollision, sollte der Sieg demnach an Mercedes gehen.

Hamilton oder Rosberg - wer gewinnt? -, Foto: Sutton
Hamilton oder Rosberg - wer gewinnt? -, Foto: Sutton

Die besseren Karten, die Saison mit einem vollen Erfolg zu beginnen, hat Hamilton. Der Brite startet nicht nur von der Pole und ist nach dem starken Samstag vollgepumpt mit Selbstvertrauen, sondern gilt, wie das Vorjahr mehrfach zeigte, auch auf der Strecke, wenn es hart auf hart kommt, verglichen mit Rosberg als der bessere Racer.

Trotzdem hat der Deutsche noch nicht aufgesteckt und gibt sich kampfeslustig: "Es kann noch viel passieren und ich werde alles geben. Meine Pace auf Long Runs war am Freitag besser als jene von Lewis." Allerdings räumte Rosberg, wohlwissend, was sich auf der anderen Seite der Garage tut, auch ein: "Er hat einige Setupänderungen an seinem Auto vorgenommen. Möglicherweise ist also noch mehr von ihm zu erwarten."

Hoffnung macht Rosberg unter anderem der Faktor Sprit. "Wenn ich den Druck auf Lewis aufrecht halten und im Windschatten fahren kann, spart man automatisch, das ist eine große Chance", so der Deutsche. Zudem seien die Probestarts im Winter vielversprechend gewesen und würden eine weitere Option bieten, den Teamkollegen zu überholen.

Doch ist Mercedes wirklich unschlagbar? Bei den Longruns am Freitag kam Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen auf den weichen Reifen erstaunliche nahe an Rosberg heran, wenngleich die Spritmengen unbekannt sind und davon auszugehen ist, dass die Silberpfeile im Ernstfall mehr als die Konkurrenz zulegen können.

Trotzdem bleibt Motorsportchef Toto Wolff vorsichtig. "Sebastian [Vettel] sieht stark aus und die Williams sind sehr konkurrenzfähig, besonders auf den Geraden", so der Österreicher. "Die Pace steckt in unserem Auto. Aber jeder Fehler kann uns teuer zu stehen kommen." Weitaus offensiver formulierte es hingegen Rosberg: "Wir müssen morgen keinen fürchten, wir fahren gegeneinander."

Williams vs. Ferrari um Platz drei

Werden Hamilton und Rosberg ihrer klaren Favoritenrolle gerecht, gibt es nur mehr einen freien Platz auf dem Podium. Um diesen dürfte ein Drei- respektive Vierkampf (je nachdem, ob der angeschlagene Valtteri Bottas starten kann) zwischen den Piloten von Williams und Ferrari entbrennen, die sich am gesamten bisherigen Wochenende als erster Silberpfeil-Verfolger erwiesen.

Vettel nimmt das Podium ins Visier -, Foto: Ferrari
Vettel nimmt das Podium ins Visier -, Foto: Ferrari

Schien es vor dem Qualifying so als wäre Sebastian Vettel der erste Anwärter auf Platz drei, machte dem Deutschen schlussendlich Felipe Massa einen Strich durch die Rechnung. Während Vettel in seinem ersten Ferrari-Qualifying ebenso wie Teamkollege Räikkönen keine optimale Runde zustande brachte und Vierter wurde, nutzte der Brasilianer die Gunst der Stunde und qualifizierte sich auf Rang drei.

In Anbetracht der Tatsache, dass zwischen Massa auf Platz drei und Räikkönen auf Platz fünf nur 0,072 Sekunden liegen, ist zu vermuten, dass die zweite Startreihe geschlossen an die Scuderia gegangen wäre, hätten die Ferraristi keine Fehler gemacht. "Ich hätte auf P3 sein sollen. Vermutlich wären wir eine Sekunde hinter Mercedes gewesen", meinte Räikkönen. Und Vettel ergänzte: "Wir haben in allen Sessions bewiesen, dass wir stark genug sind, um für das Podium zu kämpfen."

Ob es auch im Rennen so eng zwischen Williams und Ferrari zugehen wird, bleibt abzuwarten. Am Freitag war bei den Volltanktests auf Medium-Reifen zu beobachten, dass sich Bottas und Vettel nicht viel nahmen, wenngleich der Finne eine Spur schneller unterwegs war. Dafür beeindruckte Vettel mit Konstanz. Ein Vorteil für Williams könnte der schnelle Mercedes-Motor sein, Bottas verzeichnete mit 329 km/h die absolute Höchstgeschwindigkeit im Qualifying.

Schadensbegrenzung bei Red Bull

Die große Enttäuschung des bisherigen Rennwochenendes ist fraglos Red Bull. Eigentlich hatte man damit gerechnet, dass sich das viermalige Weltmeisterteam auf Augenhöhe mit Ferrari und Williams befinden würde, doch davon kann keine Rede sein.

Schwere Motorprobleme lassen Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat mit stumpfen Waffen kämpfen, wenngleich der Australier bei seinem Heimspiel mit Startplatz sieben in Anbetracht der Umstände das absolute Optimum aus dem RB11 herausquetschte. Kvyat verpasste als 13. hingegen den Sprung in Q3 recht deutlich.

"Das Hauptproblem ist bei allen Triebwerken das Fahrverhalten. Das ist deutlich schlechter als in Barcelona. Statt einem Sprung vorwärts, ging es eher nach hinten", schäumte Motorsportberater Dr. Helmut Marko nicht zum ersten Mal über die Performance der Renault-Motoren, die sich laut dem Österreicher leistungsmäßig auf dem Stand des letztjährigen Saisonfinales in Abu Dhabi befinden würden.

Red Bull quält sich durch den Albert Park -, Foto: Sutton
Red Bull quält sich durch den Albert Park -, Foto: Sutton

Für Red Bull geht es beim Saisonauftakt somit lediglich darum, Schadensbegrenzung zu betreiben. Dabei könnte es zu einem konzerninternen Duell kommen, denn Toro Rosso präsentierte sich bislang durchaus auf Augenhöhe, was für den STR10 spricht, in dem ja bekanntlich ebenfalls ein Renault-Motor steckt.

Verabschiedet hat sich hingegen Lotus von den französischen Aggregaten, was sich sofort im Zeitentableau niederschlug. Sowohl Romain Grosjean als auch Pastor Maldonado schafften mit Mercedes-Power im Heck den Sprung in Q3 - ein Kunststück, das in der gesamten letzten Saison nicht gelungen war. Das Team aus Enstone droht somit zumindest vorläufig zu einem ernsthaften Konkurrenten für Red Bull zu werden.