Mercedes-AMG hat die Enttäuschung über den knapp verpassten Fahrer-Titelgewinn in der vergangenen DTM-Saison halbwegs verdaut und will 2026 wieder nach der Meisterschaft greifen. Herrschte im Winter für eine gewisse Zeit Unklarheit, in welcher Konstellation sich die Affalterbacher dieses Jahr engagieren würden, steht das Aufgebot für die Saison 2026 inzwischen offiziell fest.
Es bleibt alles beim Alten: Die Kundenteams Landgraf und Winward Racing führen je zwei Mercedes-AMG GT3 an den Start. Für die 2025 in die DTM zurückgekehrte Landgraf-Mannschaft steigen erneut der amtierende Vizemeister Lucas Auer und Nachwuchstalent Tom Kalender in die beiden Cockpits. Winward wurden wie im Vorjahr Veteran Maro Engel und der Franzose Jules Gounon zugewiesen.
Vor DTM-Saisonstart: Deutliche Worte vom AMG-Chef
Im gleichem Atemzug schickt AMG-Motorsportleiter Christoph Sagemüller eine zwischen den Zeilen deutliche Ansage an den DTM-Promoter ADAC: "Nach dem enttäuschenden Saisonende im vergangenen Jahr war es uns wichtig, den offenen und konstruktiven Dialog mit dem ADAC zu suchen. Für 2026 wünschen wir uns Rahmenbedingungen, die für alle Beteiligten transparent und verlässlich sind, damit der sportliche Wettbewerb bis zum Schluss im Vordergrund steht."
Hintergrund: Sagemüller und AMG-Kundensportleiter Stefan Wendl hatten im Dezember gegenüber Motorsport-Magazin.com deutliche Kritik an der Balance of Performance geübt und Antworten vom ADAC gefordert. Vor allem die Einstufungen ab der zweiten Saisonhälfte missfielen den Verantwortlichen der Marke mit dem Stern.
Auer errang an den letzten vier Rennwochenenden 30 Punkte weniger als in der ersten Saisonhälfte, seine Markenkollegen Gounon und Engel 34 beziehungsweise 18 Zähler weniger. Nur Rookie Kalender verbesserte sich um 15 Punkte. Mercedes-AMG gewann am Ende dennoch die Hersteller-Meisterschaft.
Mercedes-AMG-Fahrer in der DTM: Statistik
| DTM-Statistik | Lucas Auer (Landgraf) | Tom Kalender (Landgraf) | Maro Engel (Winward) | Jules Gounon (Winward) |
|---|---|---|---|---|
| Rennen | 171 seit 2015 | 16 | 124 seit 2008 | 18 seit 2024 |
| Siege | 11 | - | 2 | - |
| Podestplätze | 27 | - | 15 | 3 |
| Pole Positions | 14 | - | 3 | 1 |
| Punkte | 1.114 | 25 | 626 | 152 |
| Bestes Ergebnis | P2 (2022, 2025) | P21 (2025) | P3 (2024, 2025) | P9 (2025) |
DTM-Vizemeister Lucas Auer: "Wollen wieder voll angreifen"
Auer, der als einziger Fahrer in allen 16 Saisonrennen Punkte eingefahren hatte, verlor die Meisterschaft mit vier Punkten an Manthey-Porsche-Pilot Ayhancan Güven. Für den 31-Jährigen war es der zweite Vize-Titelgewinn nach 2022.
"Es ist kein Geheimnis, dass die DTM für mich ein Stück Motorsport-Heimat bedeutet", sagt Auer, der sich selbst mit öffentlicher Kritik an der BoP stets sehr zurückhielt, und vor seiner elften DTM-Saison steht: "Ich gehe in mein zweites Jahr mit dem Mercedes-AMG Team Landgraf - 2025 haben wir stark vorgelegt und eine unglaublich intensive, schöne und erfolgreiche Saison erlebt. Daran wollen wir 2026 anknüpfen und wieder voll angreifen."

Maro Engel vor zehnter DTM-Saison: "Das große Ziel ist der Titel"
Einer, der den Titel mindestens genauso gerne gewinnen will wie Auer, ist Maro Engel. Der 40-Jährige hat vor Kurzem seinen ersten Gesamtsieg bei den 12 Stunden von Bathurst gefeiert und nimmt seine zehnte Saison in der DTM mit viel Rückenwind in Angriff. "Wir wissen, was wir können, aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir uns noch weiter steigern können", sagt Engel, der die vergangene Saison als Gesamt-Dritter abschloss. "Darauf wollen wir uns konzentrieren und dafür geben wir alles. Das große Ziel ist der DTM-Titel."
Engels Winward-Teamkollege, Jules Gounon, steht zwar erst vor seiner zweiten vollen DTM-Saison, hat aber schon mächtig Eindruck hinterlassen. Der 31-Jährige errang drei Podestplätze und eine Pole Position, plagte sich aber längere Zeit mit Problemen an seinem Mercedes-AMG GT3 herum. Während der Saison wechselte er sogar zweimal das Fahrzeug. Experten rechnen AMG-Experte Gounon das Potenzial aus, 2026 für eine faustdicke Überraschung in der DTM sorgen zu können.
"2025 war nicht immer einfach, aber gerade in schwierigen Momenten lernt man am meisten. Hoffentlich hilft uns diese Erfahrung in der Saison 2026", sagt Gounon, der zuletzt im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com eine regelrechte Liebeserklärung an die DTM richtete und den speziellen Wert der deutschen Traditionsserie hervorhob. Gounon bestreitet 2026 erneut ein Doppelprogramm bestehend aus DTM und WEC, wo er ein letztes Mal vor dem Werksausstieg für Alpine antreten wird.
Endlich 18! Tom Kalender vor zweiter DTM-Saison
Bleibt noch Tom Kalender, der bei Landgraf-Mercedes erneut an Auers Seite startet und sich noch einiges abschauen kann. Das Nachwuchstalent gab 2025 im Alter von nur 17 Jahren sein DTM-Debüt und musste einiges an Lehrgeld zahlen. Kalender, der am 27. März - einen Monat vor dem Saisonauftakt - seinen 18. Geburtstag feiert, beendete seine erste DTM-Saison auf Platz 21. Das Highlight des früheren ADAC-GT-Masters-Champions (2024 mit Landgraf) war ein fünfter Platz beim Hockenheim-Finale.
"2025 war mein Rookiejahr, mit guten Rennen, aber auch einigen Rückschlägen, aus denen ich viel gelernt habe", sagt Kalender. "Das Gelernte möchte ich nun noch besser umsetzen, näher an die anderen Mercedes-AMG Fahrer herankommen und mich konstant in den Top 10 etablieren. Über den Winter habe ich intensiv gearbeitet - körperlich und mental - und gehe mit etwas weniger Druck in die neue Saison."
Mercedes-AMG jagt weiter dem nächsten Fahrer-Titelgewinn seit Maximilian Götz 2021 hinterher - möglicherweise ein letztes Mal mit dem in die Jahre gekommenen Mercedes-AMG GT3? Nach der Trennung von HWA befindet sich ein erstmals komplett 'in-house' gefertigter Nachfolger in der Entwicklung. Was bisher zum GT3-Nachfolger bekannt ist, erfahrt ihr in diesem Artikel:



diese DTM Nachricht