Die DTM erhält mit dem Beginn der Saison 2026 einen neuen Spezial-Reifen von Pirelli, der ausschließlich der deutschen Traditionsserie vorbehalten sein soll. Bei der Vorstellung dieses Vorhabens am Rande des letztjährigen Saisonfinales deutete vieles nur auf eine Evolution der aktuellen Mischung hin, von einem "Fine-Tuning" seitens Pirelli war damals die Rede.
Inzwischen kristallisiert sich aber immer mehr heraus, dass die neuen DTM-Reifen des italienischen Herstellers einen signifikanten Einfluss auf die Performance haben sollen. Dabei geht es wohl weniger um schnellere Rundenzeiten als vielmehr um einen gewissen Verschleiß, der den Verlauf der Rennen spannender gestalten soll. "Haltbarkeit ist nicht die Priorität", hatte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss bereits angekündigt.
DTM 2026: Schwierigkeiten bei erstem Reifen-Test
Stärker abbauende Reifen kennt man vor allem aus der Formel 1, die ebenfalls von Pirelli beliefert wird. Im GT-Sport mit seinen oftmals mehrstündigen Rennen liegt der Fokus aus Kostengründen üblicherweise auf möglichst konstanter Reifen-Performance, auch, um Amateur-Rennfahrer nicht zu überfordern. Reifen mit einem gewünscht erhöhten Verschleiß gab es allerdings auch schon einmal in der DTM, damals mit Hankook und seinen Prime/Option-Mischungen.
Die in der DTM engagierten Hersteller hatten Anfang Dezember die Gelegenheit, erstmals die neuen Spezial-Reifen auszuprobieren und Pirelli ihr Feedback zu geben. Beim Test im französischen Paul Ricard stellten so ziemlich alle Teams ein starkes Graining - die aus der F1 bekannte Körnung der Reifen - fest. Eine komplette Rennsimulation sei deshalb nicht möglich gewesen, haben wir von unterschiedlichen Stellen gehört. Hinter vorgehaltener Hand schlugen manche Teamvertreter bereits Alarm. Andere zeigten sich eher gelassen mit Verweis auf den späten Saisonstart Ende April auf dem Red Bull Ring.
Weitere Testfahrten bei wärmeren Temperaturbedingungen als in Paul Ricard sind vor dem Auftakt in Österreich geplant, um sich auf eine finale Mischung zu einigen. Da die Spezial-Pirellis schon beim ersten Test ein erhöhtes Graining aufwiesen, deutet einiges darauf hin, dass ein stärkerer Verschleiß durchaus gewünscht ist, um die Spannung zu erhöhen und Überholmöglichkeiten zu fördern.
Nicki Thiim: "Würde Reifen lieben, der deutlich abbaut"
"Der Test hat natürlich viele unterschiedliche Kommentare gebracht", sagte Aston-Martin-Werksfahrer Nicki Thiim, der 2026 für das Team Comtoyou Racing an den Start gehen wird und beim Test dabei war. "Aber das Problem mit modernen Rennfahrern ist, dass wir zu sehr daran gewöhnt sind, dass Dinge einfach funktionieren." Das gelte für die Rennwagen heutzutage ebenso wie für die Reifen.
Thiim weiter: "Ich würde es lieben, wenn es - fast wie in der Formel 1 - einen Reifen gäbe, der deutlich abbaut. Ich glaube, genau daran arbeiten ADAC und Pirelli, damit mehr passiert. Als Fahrer sehe ich das als großes Plus, weil Erfahrung dann hoffentlich einen größeren Unterschied ausmachen kann. Aus Sicht der Serie geht es natürlich darum, es noch interessanter auf der Strecke zu machen. Wir wissen alle, wie schwer es ist, mit einem GT3-Auto zu überholen. Wenn du aber einen Reifen hast, der wirklich abbaut, bekommst du wahrscheinlich noch spannendere Rennen."
DTM mit Pirelli: Rückkehr der Reifenflüsterer?
Zu Class-1-Zeiten gab es in der DTM die sogenannten 'Reifenflüsterer', die mit ihrem Material schonender umgehen konnten als ihre Konkurrenten. Der zweifache Audi-Champion Mattias Ekström galt als Musterbeispiel und bog unter dem damaligen Reglement nicht selten schon nach der ersten Runde zum Pflicht-Boxenstopp ab, um sich dadurch einen taktischen Vorteil zu verschaffen. Wie das Sportliche Reglement für die DTM-Saison 2026 aussieht und ob die zwei Boxenstopps in den Sonntagsrennen beibehalten werden, steht noch nicht fest.
Das ewig leidige Thema namens Balance of Performance dürfte beim Blick auf die Reifen auch eine Rolle spielen. Thiim fand die Einführung neuer Spezial-Reifen jedenfalls "super-interessant", und fügte an: "Ich hoffe, dass damit die Fahrerqualität mehr zur Geltung kommt - dass du wirklich anfangen musst zu denken, um diese eine Stunde sowie die Reifen im Rennen zu managen."
Das sei in der Vergangenheit bei den knapp einstündigen Sprintrennen mit vorgegebenen Boxenstopp-Fenstern nicht unbedingt der Fall gewesen: "Als Fahrer musst du eigentlich nicht so viel denken. Du gehst raus, und wenn die Ampeln auf grün schalten, wird das Rennen zum Schlachtfeld. Ellbogen raus, voll drauf! Es gibt als Fahrer keine riesige Strategie."
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