Nicki Thiim ist endlich 'Coming Home': Der Däne startet in der DTM-Saison 2026 zum ersten Mal mit dem ihm bestens vertrauten Aston Martin Vantage GT3 Evo. Mit dem britischen Sportwagen und seinem neuen Team Comtoyou Racing will der 36-Jährige auch in der DTM zeigen, dass er zweifelsohne zu den besten GT-Rennfahrern der Welt zählt.

Diese Reputation hatte zumindest in seiner bisherigen DTM-Zeit etwas gelitten. Nur ein Sieg 2024 auf dem Norisring und ein weiterer Podestplatz in 36 Rennen - viel zu wenig für die hohen Ansprüche des langjährigen Aston-Martin-Werksfahrers, der bei T3 Motorsport (2022, nur 4 Rennen) SSR Performance (2024) und zuletzt Abt Sportsline (2025) mit dem ihm 'fremden' Lamborghini Huracan GT3 an den Start ging.

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Nicki Thiim: Lamborghini bereitete schlaflose Nächte

Der Aston Martin Vantage ist natürlich Thiims motorsportliche Heimat, und doch war es immer wieder verblüffend, zu beobachten, dass ein erfahrener GT-Allrounder wie er mit dem Lamborghini nie so recht warm werden wollte. "Ich bin frontgetriebene Autos gefahren, Allrad, alles - von Cup bis Class 1", sagte Thiim bei einer Online-Runde mit ausgewählten Medienvertretern, darunter Motorsport-Magazin.com. "Normalerweise habe ich kein Riesenproblem zu wechseln. Aber diese Autos sind so detailliert und der Lambo war ein sehr spezielles Auto."

Tatsächlich gilt der Huracan, der dieses Jahr durch den brandneuen Temerario GT3 abgelöst wird, als ziemlich spitzes Auto, also mit einem engen Arbeitsfenster. Das kann sich gerade in der DTM rächen, wo ein gutes Qualifying schon die halbe Miete bedeutet und die Abstände teilweise im Hundertstelbereich liegen.

Warum es rückblickend mit dem Lamborghini nicht klappen wollte und wie seine Analyse dazu ausfalle, fragten wir Thiim. Antwort: "Mein Kopf arbeitet da immer noch dran, weil du als Rennfahrer natürlich immer konkurrenzfähig sein willst. Du kannst dir vorstellen, wie viele schlaflose Nächte ich wegen dieses Autos hatte."

Thiim: "Wenn du im Rennauto nachdenken musst, bist du schon zu langsam"

Dass Thiim bei SSR Performance und Abt Sportsline mit Mirko Bortolotti (alle Infos zu seinem Sensations-Wechsel zu GRT) den erfolgreichsten Lamborghini-Werksfahrer als Teamkollegen hatte und in beiden Jahren deutlich hinterherfuhr, machte die Herausforderung sicherlich nicht einfacher. Ebenso wenig die Tatsache, dass die Äbte im ersten DTM-Jahr mit dem Lamborghini ihre schlechteste Saison seit dem Einstieg im Jahr 2000 erlebten.

Thiim suchte explizit nicht nach Ausreden, sagte aber: "Ich bin wahrscheinlich gegen den besten Mann in diesem Auto gefahren - Mirko. Ich habe viel von ihm gelernt und versucht, so viel mitzunehmen wie möglich. Mir war von Anfang an klar, dass ich bei der Sache im Nachteil sein würde - gerade im ersten Jahr. Politisch ist das eben so. Aber das ist eine andere Geschichte."

Und weiter: "Wir haben wirklich alles versucht. Aber speziell im Qualifying - da musst du eins mit dem Auto sein. Und da habe ich gemerkt: Das ist nicht meine Heimat. Du musst jedes Wochenende in diesem Auto sitzen, wie alle anderen Fahrer auch, um diese ein bis drei Zehntel rauszuholen - gerade in der DTM. Wenn es nicht instinktiv kommt, wenn du in einem Rennauto nachdenken musst, bist du schon zu langsam. Das war definitiv mein Problem mit dem Lambo: Ich musste Energie in Dinge stecken, in die ich sie nicht stecken wollte."

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Zwei Jahre lang Teamkollegen in der DTM: Nicki Thiim und Mirko Bortolotti, Foto: Sebastian Marko / Limex Images

Dank an Abt Sportsline trotz "furchtbarer Saison"

Dennoch will Thiim diese lehrreichen DTM-Jahre nicht missen. Im Gegenteil: Er bedankte sich sowohl bei Aston Martin für die Freigabe als auch bei seinen Ex-Teams SSR und Abt Sportsline für das entgegengebrachte Vertrauen.

Thiim: "Es ist ein Privileg, überhaupt als Fahrer genommen zu werden, obwohl diese Teams Fahrer haben, die Spezialisten für dieses Auto sind. Dass ich die Chance bekommen habe, für zwei große Teams zu fahren, ist nicht selbstverständlich. Die DTM ist meine große Liebe. Wenn ich die Chance bekomme, nehme ich sie. Vor allem mit Abt war es eine furchtbare Saison für uns alle - aber ich habe trotzdem viel Liebe und Respekt dafür, was wir versucht haben, auch wenn es hart war."

Nicki Thiim in der DTM 2026: Endlich zuhause bei der Familie

Mit dem Aston Martin Vantage und dem belgischen Rennstall Comtoyou Racing soll jetzt alles anders werden. Wie erfolgreich diese Zusammenarbeit sein kann, bewies Thiim zuletzt 2024 mit dem Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps. Es war ein weiterer Prestige-Erfolg für den 'Dane Train' nach seinem Triumph beim 24h-Rennen Nürburgring 2013, dem LMGTE-Am-Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans 2014 und dem Gewinn von zwei LMGTE-Pro-Meisterschaften in der WEC 2016 sowie 2019/20.

"Jetzt ist es eine komplett andere Geschichte", sagt Thiim, dessen Vater Kurt 1986 die DTM-Meisterschaft gewann. "Ich bin zwar seit zwei Jahren in der DTM, aber jetzt komme ich endlich nach Hause zur Familie. Und ich sage: Jetzt bin ich auf dem gleichen Spielfeld mit den anderen, weil jeder in dieser Serie sein Markenauto jedes Wochenende fährt. Und jetzt ist es das erste Jahr für mich, in dem ich sagen kann: Ich fahre ein Auto, bei dem alles instinktiv ist."

Aston Martin präsentiert DTM-Auto von Comtoyou Racing
Mit diesem Aston Martin Vantage GT3 Evo startet Nicki Thiim in der DTM 2026, Foto: Aston Martin

Ansage: Comtoyou hat besseren Job gemacht als HRT

Thiims Qualitäten in sämtlichen Modellen des Aston Martin Vantage sind unbestritten, wie er erst im Januar mit Platz zwei in der GTD-Klasse bei den 24 Stunden von Daytona unter Beweis stellte. Fragezeichen schweben hingegen über der Performance seines Teams Comtoyou Racing, das 2025 sein DTM-Debüt gab und sich vor allem in der ersten Saisonhälfte enorm schwer tat.

Thiim meinte in gewohnt offenen Worten: "Sie kamen als komplette Neulinge mit quasi null Vorbereitung. Und wenn ich sie vergleiche mit HRT, die letztes Jahr mit dem Ford kamen, dann muss ich brutal ehrlich sein: Comtoyou hat einen besseren Job gemacht als ein großes DTM-Team wie HRT. Wenn man sieht, wo sie angefangen haben - und wie sie das letzte Rennen mit einer Pole Position abgeschlossen haben - dann zeigt das, dass es in die richtige Richtung ging."

Ob sich Thiim Druck mache, weil jetzt von ihm erwartet wird, mit 'seinem' Aston auch in der DTM abzuliefern? "Wir werden dafür bezahlt. Unser Job ist, diese Marke zu repräsentieren und so viele Rennen wie möglich für sie zu gewinnen. Druck wird es immer geben als Werksfahrer. Und wie ich immer sage: Du bist nie besser als dein letztes Rennen. Du kannst dich nie entspannen, weil genug andere Fahrer darauf warten, dass du einen Fehler machst."

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