Als wäre die Schlussphase der 24 Stunden von Daytona nicht schon nervenaufreibend genug gewesen, kam es 9 Minuten vor dem Zieleinlauf zum wohl größten Schreckmoment des Rennens. Beim Kampf um den GTD-Klassensieg gerieten Winward-Mercedes-Pilot Philip Ellis und sein Verfolger im Magnus-Aston-Martin Vantage GT3, der Däne Nicki Thiim, eingangs der ersten Ovalkurve aneinander.

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Highspeed-Quersteher bei 270 km/h! Ellis berührte mit dem rechten Vorderrad seines Mercedes-AMG GT3 das linke Hinterrad des oben im Oval heranstürmenden Thiim beim Versuch, ihm per Side-Drafting den aerodynamischen Wind aus den Segeln zu nehmen. Durch den Kontakt am oberen Ende der Mauer geriet vor allem Ellis ins Schlingern und kurz erweckte des den Anschein, als würde sein Mercedes mit Höchstgeschwindigkeit die Kontrolle verlieren.

Philip Ellis nach 270-km/h-Schock: "Mehr Glück als sonst was"

Wie durch ein Wunder konnte der Schweizer seinen AMG-GT3 kurz vor dem Abflug abfangen, das Rennen fortsetzen und Winward Racing samt seinen Teamkollegen Lucas Auer, Indy Dontje und Russell Ward den Sieg in der GTD-Klasse bescheren. "Ich dachte erst, es wäre vorbei", sagte Ellis zu Motorsport-Magazin.com. "Es war mehr Glück als sonst was, dass ich auf der Strecke geblieben bin. Mehr quer als einem lieb ist, ganz besonders im Oval!"

Die Rennleitung hatte ein Nachsehen und beließ es bei einer Verwarnung für Ellis - im europäischen Motorsport wäre der frühere DTM-Pilot vielleicht nicht so glimpflich davongekommen. "Es war eine Fehleinschätzung von mir", räumte Ellis ehrlich ein. "Mir war nicht bewusst, dass wir so weit oben an der Wand fuhren. Ich dachte, dass Nicki Thiim noch ein bisschen Platz gehabt hätte. Gerade im Oval ist das sehr schwer abzuschätzen, weil man das andere Auto so spät sieht. Man versucht ans Limit heranzufahren, aber das war ein bisschen zu viel."

Winward-Teamchef: "Dann wären wir die Idioten gewesen..."

Thiim, selbst als harter wie fairer Racer bekannt, blieb Ellis bis zum Zielstrich dicht auf den Fersen und klopfte mehrfach beim Mercedes-AMG GT3 an, verzichtete aber auf eine Revanche-Aktion. Nur 1,3 Sekunden trennten die beiden am Ende. Ellis: "Ich bin ihm dankbar, dass alles fair geblieben ist. Ich nehme das auf meine Kappe. Deshalb bin ich ihm auch nicht böse, dass er mich ein paar Mal durch die Kurven geschoben hat. Das war gutes Racing, und das wollen wir alle doch sehen."

Dem 'Dane Train' Thiim und seinen Magnus-Teamkollegen blieb nur der undankbare zweite Platz - wie schon 2023. Dabei hätte der Aston-Martin-Werksfahrer den Klassensieg mehr als verdient gehabt: In den letzten Stunden des Rennens lieferte sich Thiim bereits ein fantastisches Duell mit Markenkollege Mattia Drudi und dessen Heart-of Racing-Vantage um den zweiten Platz. Nur an Ellis gab es am Ende kein Vorbeikommen. Thiim: "Es ist hart, den Sieg bei einem der größten Sportwagenrennen der Welt so knapp zu verpassen, aber wir können stolz sein auf unsere Leistung."

IMSA, 24h Daytona, #57, Winward Racing, Ward, Ellis, Dontje, Auer
Winward-Sieger in Daytona: Indy Dontje, Russell Ward, Philip Ellis und Lucas Auer (v.l.n.r.), Foto: Mercedes-Benz AG

Winward-Teamchef Christian Hohenadel sagte zu Motorsport-Magazin.com: "Am Ende gehört auch immer etwas Glück zu einem 24-Stunden-Rennen. Das hätte auch in der Wand enden können, dann wären wir die Idioten gewesen. Wir hatten aber das nötige Glück, und ich bin extrem stolz auf das gesamte Team."

Der Rennstall aus Altendiez mit seinem amerikanischen Partner bleibt eine Macht in der GTD-Kategorie der IMSA-Serie: Als amtierende Meister holten sie bereits den dritten Klassensieg in Daytona innerhalb von sechs Jahren. Bei den Erfolgen 2021, 2024 und 2026 immer als Konstante an Bord: die Fahrer Ellis, der Niederländer Dontje und Teambesitzer-Sohn Ellis, die jetzt ihre dritte Rolex-Daytona-Siegeruhr ans Handgelenk schnallen können. Winward-Mercedes konnte sich diesmal obendrein über den dritten Platz beim Debüt in der GTD-Pro-Klasse freuen.

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