Lediglich einen WM-Punkt holte die gesamte MotoGP-Mannschaft Yamahas beim Grand Prix in den USA. Der Abstecher nach Austin verkam für die Japaner damit zum neuen Tiefpunkt in der aktuellen Krise, die auch mit dem langersehnten Wechsel auf den V4-Motor nicht gestoppt werden konnte. Die Stimmung kippt immer mehr, und Rettung ist nicht in Sicht.

Einziger Lichtblick: Toprak Razgatlioglu. Der dreimalige Superbike-Weltmeister zeigte bereits in Brasilien mit seiner ersten Q2-Teilnahme als MotoGP-Pilot auf und in Austin gelang ihm mit Platz 15 im Grand Prix am Sonntag dann auch sein erster Punktgewinn in der Königsklasse. In der Weltmeisterschaft trennen ihn damit nur noch fünf Zähler vom bestplatzierten M1-Piloten Fabio Quartararo. Ist das Ziel, die Debütsaison in der MotoGP direkt als oberster Yamaha-Fahrer abzuschließen, also vielleicht doch gar nicht so unwahrscheinlich?

Tom Lüthi: Toprak Razgatlioglu kann 2026 bester Yamaha-Pilot werden

Unser Experte Tom Lüthi hat jedenfalls eine klare Meinung. "Ich glaube, dass er das schaffen kann", gab der Schweizer in der neusten Ausgabe unseres Interwetten MotoGP-Magazins an. Er lobt: "Toprak zeigt gute Leistungen. Wir wissen alle, dass das Paket von Yamaha zurzeit wirklich schwierig ist, sie sind alle mehr oder weniger hinten. Es ist also sicher nicht einfach, aber er versucht das Beste aus dem Paket rauszuholen. Er arbeitet ziemlich akribisch und lässt auch immer wieder seine Stärken aufblitzen, wie zum Beispiel bei den Starts und in den ersten Runden, da ist er auf der Bremse sehr, sehr stark. Das macht der Toprak wirklich gut."

Eine durchaus überraschende Entwicklung, hatte Razgatlioglu während der Wintertests in Sepang und Buriram doch größere Anpassungsprobleme an das MotoGP-Bike offenbart und zwischenzeitlich sogar fast schon die Lust verloren. Letztlich ließ sich der 29-Jährige aus Alanya aber nicht entmutigen und kämpfte sich schnell aus der ersten kleinen Krise als MotoGP-Pilot heraus - und zwar so gut, dass ihm Lüthi innerhalb des Yamaha-Lagers nun alles zutraut: "Wenn er in die Richtung weiterarbeitet und weiterlernt, das MotoGP-Bike besser versteht, dann kann er in dieser Saison schon der beste Yamaha-Fahrer werden."

Bezzecchi unterschätzt? Lüthi: Vor ihm muss man den Hut ziehen! (24:10 Min.)

Hätte Toprak Razgatlioglu erst 2027 mit Honda in die MotoGP kommen sollen?

Die große Frage lautet nur, wie viel das Razgatlioglu bringen wird. Denn selbst Top-10-Platzierungen scheinen mit der Yamaha-M1 in dieser Saison - zumindest zum aktuellen Zeitpunkt - kaum möglich. An Podien oder gar Siege ist nicht zu denken. Hätte es für den Türken also vielleicht mehr Sinn gemacht, das angebliche Honda-Angebot anzunehmen und 2026 noch eine Saison in der Superbike-WM zu fahren, ehe es dann 2027 unter neuem Reglement und bestenfalls auf einem konkurrenzfähigen Motorrad in die MotoGP gegangen wäre?

Toprak Razgatlioglu hat mit der MotoGP-Spitze aktuell nichts zu tun, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
Toprak Razgatlioglu hat mit der MotoGP-Spitze aktuell nichts zu tun, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Auch hier hat Lüthi eine klare Meinung: Nein! Es sei richtig gewesen, schon 2026 in die Königsklasse zu kommen. Der Schweizer begründet: "Jedes MotoGP-Rennen, das Toprak fährt, bringt ihn weiter. Er kann jetzt ein Jahr lang Erfahrungen sammeln, das Motorrad kennenlernen, die ganze Klasse kennenlernen und 2027 kommen dann die neuen Reifen dazu. Die Pirellis kennt er schon aus der Superbike-WM. Diese Erfahrung kann er also von dort ziehen und das dann beides zusammenpacken - MotoGP und die Pirelli-Reifen."

Wäre Razgatlioglu erst 2027 in die MotoGP gewechselt, würden ihm also wichtige Referenzwerte vom MotoGP-Bike fehlen. Außerdem würde er viele Rennstrecken und das allgemeine Leben im MotoGP-Paddock noch nicht kennen. Zu viele Unbekannte, um 2027 vorne mitmischen zu können - selbst auf einem konkurrenzfähigen Motorrad. Dank der Erfahrungen aus 2026 könnte nächstes Jahr nun aber mehr möglich sein: "Jedes Rennen oder jedes Mal, wenn er auf dem MotoGP-Bike sitzt, kann er jetzt Erfahrung sammeln, was ihn schlussendlich weiterbringt. Das wird ihn dann noch stärker machen."

Was traut ihr Toprak Razgatlioglu im restlichen Saisonverlauf 2026 und im kommenden Jahr zu? Sagt es uns in den Kommentaren! Wie Tom Lüthi das Kräfteverhältnis an der MotoGP-Spitze einschätzt, erfahrt ihr derweil hier: