"Wir fahren im M1-Cup", meint Jack Miller vielsagend zur derzeitigen Lage bei Yamaha. Dennoch dürfen wir den Sieger dieses Markenpokals am Ende des MotoGP-Feldes hervorheben. Auch mit schwachem Bike wusste Toprak Razgatlioglu beim USA-Grand-Prix zu überzeugen. Seine Kollegen sind beeindruckt.
Toprak Razgatlioglu beste Yamaha, aber 25 Sekunden Rückstand schmerzen
"Ich bin zufrieden, aber auch nicht wirklich. Okay, wir haben Yamaha-intern einen guten Job abgeliefert, aber insgesamt fehlen uns 25 Sekunden [auf die Spitze, Anm. d. Red.]. Das ist nicht wirklich gut. Wir müssen uns klar steigern", wollte sich 'El Turco' nach Platz 15 im Rennen von Austin nicht so richtig über seinen ersten Punkt in der Königslasse freuen.

Die brustschwache Yamaha M1 mit V4-Motor litt auf den langen Geraden des Circuit of the Americas besonders. Alle vier Piloten fuhren der Konkurrenz im Rennen hinterher. Dennoch konnte Razgatlioglu Eindruck hinterlassen. "Nicht nur heute [am Sonntag, Anm. d. Red.], sondern am gesamten Wochenende", bemerkte Fabio Quartararo anerkennend. Tatsächlich blitzten da immer wieder bemerkenswerte Positionen auf. Im Q1 fehlten nur zwei Zehntel auf den Qualifying-Spezialisten aus Frankreich. Im Warm Up gab es sogar Rang fünf für den dreifachen Superbike-Weltmeister.
Wenn der MotoGP-Neuling die Reifen besser managt: Sieg im Duell mit Fabio Quartararo
Im Sprint rollte die Pramac-Yamaha des Türken noch mit einem der zahlreichen Defekte des anfälligen Bikes aus, doch im Rennen konnte Razgatlioglu endlich auch im Longrun zeigen, was er mittlerweile draufhat. Alles will aber noch nicht gelingen. "Ich habe versucht, Fabio zu überholen. Er ist vor allem in Kurve 12 sehr stark gewesen. Ich verstehe nicht, wie er sein Bike da abbremsen kann. Mein Vorderreifen blockiert da immer", berichtet 'El Turco' von seinen Beobachtungen hinter 'El Diablo'.

In einer anderen Disziplin war aber der Neuling der eigentlichen Speerspitze voraus. "Mein Problem war, dass mein Reifen in den letzten fünf Runden massiv abbaute. Er konnte mehr Konstanz wahren. Er fuhr sehr präzise und geschmeidig", erklärte uns Quartararo. "Am Ende hat sein Reifen abgebaut. Ich konnte ihn in einer anderen Kurve [als T12, Anm. d. Red.] überholen und versuchte, in meinen Rhythmus zu kommen. Das war nicht schlecht, aber es war wirklich schwierig für uns alle", äußerte Razgatlioglu seine Sicht. Die Probleme beim Krisenhersteller der Königsklasse haben wir auch in unserem neuesten Video zum Austin-Rennen thematisiert:
"Wie eine Goldwing" - Unglücklicher Toprak Razgatlioglu beeindruckt Kollegen
Für den hochdekorierten Debütanten stellt sich die Lage trotz seines Achtungserfolges nicht gerade rosig dar. Bei ihm steht die Großwetterlage derzeit über dem persönlichen Abschneiden: "Ich kam vor ihm [Quartararo] ins Ziel, aber wir hängen da alle zusammen mit drin. Das ist nicht schön. Es sind nur Yamahas am Ende des Feldes. Da kann ich nicht wirklich glücklich sein. Ich bin beste Yamaha, aber das ändert nichts." Alle Vier kämpfen sie gegen die Limitierungen ihres Motorrads. Ausgerechnet mit einem Modell von Erzrivale Honda zieht der 29-Jährige einen wenig schmeichelhaften Vergleich: "Nach 12 bis 14 Runden hier auf dieser Strecke spürst du, dass das Bike schwer wie eine Goldwing [rund 360 Kilogramm schweres Reisemotorrad von Honda, Anm.] wird."
Während Razgatlioglu also mit der Gesamtsituation bei Yamaha hadert, sind seine Fahrerkollegen voller Anerkennung. "Toprak macht einen fantastischen Job. Er fuhr ein gutes Rennen. Da musste ich hart arbeiten, um an ihn ranzukommen", lobte Stallgefährte Jack Miller. Der Australier konnte beim Duell zwischen Quartararo und seinem Teamkollegen zwar in Schlagdistanz bleiben, aber nie eingreifen. Der Franzose fällte nach seiner Niederlage ein klares Fazit: "Ich war sehr beeindruckt von seiner Leistung."

Bleibt nur zu hoffen, dass die Fahrer irgendwann mal ein Motorrad bekommen, mit dem sie ihr Können auch gegen die anderen 18 Piloten des Feldes demonstrieren dürfen. Doch der Update-Plan aus Japan bleibt weiterhin ein Mysterium. Toprak Razgatlioglus Einschätzung sagt eigentlich alles aus: "Yamaha gibt alles, um Verbesserungen zu finden. Wir werden sehen, wann wir uns deutlich steigern können. Vielleicht wird es bis Ende des Jahres dauern, vielleicht zur Mitte der Saison oder vielleicht auch erst nächstes Jahr." Bis dahin kann er sich weiterhin nur gegen drei Gegner profilieren, doch das tat er in den USA eindrucksvoll.
Wenn auch auf viel höherem Niveau, so hofft Pedro Acosta ebenso auf eine technische Hilfe aus dem Hause KTM. Mehr dazu hier:



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