Auf das MotoGP-Debüt von Toprak Razgatlioglu fiebern viele Fans sehnsüchtig hin. Dies liegt nicht nur an den großen Erfolgen des Türken in der Superbike-WM, sondern auch an seinem spektakulären Fahrstil, insbesondere auf der Bremse. Diesen wollte 'Stoprak' auch in die Königsklasse einbringen. Nach den Erfahrungen des dreitätigen Shakedowns muss er aber bereits ein zurückrudern.
Toprak Razgatlioglus Ringen mit dem Michelin-Reifen
Am Montag vor Beginn der offiziellen MotoGP-Testfahrten in Malaysia sprach 'El Turco' erstmals von den Eindrücken des dreitägigen Shakedowns an selber Stelle in der Woche zuvor. Als Rookie hätte er dort ohnehin teilnehmen können, doch aufgrund des Concessions-Rang D von Arbeitgeber Yamaha waren auch die weiteren Stammfahrer der Japaner zugelassen. Dies ermöglichte den direkten Vergleich. Razgatlioglu lag durchweg einige Zehntel hinter seinen Markenkollegen. Alle Infos zu den kommenden Testfahrten findet ihr hier:
Zeitrückstand ist bei einem MotoGP-Neuling keinerlei Überraschung, selbst bei einem Mann mit der Vita des Türken. Doch Razgatlioglu hatte sich Großes vorgenommen und dies selbstbewusst angekündigt. Die Fahrkunst aus der Superbike-WM sollte nun auch die MotoGP erobern. Dies umzusetzen, erweist sich bisher als heikel. Die Gummis stellen wie erwartet das Hauptproblem dar: "Im Moment fühle ich mich zwar etwas besser [als im Valencia-Test 2025, Anm. d. Red.], aber die Reifen sind immer noch nicht einfach zu handhaben, da sie sich völlig von denen der Superbikes unterscheiden."
"In der Superbike-WM habe ich mich besonders auf der Bremse sehr wohl gefühlt. Es war nicht einfach, aber ich konnte trotzdem gut herausbeschleunigen. Hier ist die Situation anders. Das Bremsen ist gut, aber das Beschleunigen ist nicht dasselbe. Das liegt daran, dass ich die Reifen noch nicht richtig nutzen kann", erklärt der Pramac-Pilot die Umstellung von Pirelli auf Michelin.

Mehr Kurvengeschwindigkeit gefragt: Alter Superbike-Stil auf MotoGP-Bike wirkungslos
In der Superbike-WM war 'Stoprak' als Spätbremser bekannt. Der Vorderreifen von Pirelli wurde auf der Bremse bis aufs äußerste malträtiert, aber hielt stand. Dann warf Razgatlioglu das Bike ruckartig um die Kurve und richtete es schnell auf, um trotzdem noch gut herauszubeschleunigen. Mit einem MotoGP-Bike und den Gummis von Michelin kann dies aber nur schwer umgesetzt werden. "Mein Fahrstil ist ziemlich aggressiv, aber in der MotoGP muss ich sanfter fahren. Je flüssiger man fährt, desto besser funktionieren die Reifen", stellt Razgatlioglu fest.

Was früher für Erfolg sprach, schlägt sich nun nicht auf dem Zeitenmonitor nieder: "Das Gefühl [auf der Bremse, Anm. d. Red.] ist gut, aber die Rundenzeiten stimmen noch nicht, weil ich immer noch zu sehr im Superbike-Stil fahre." Daher scheut er auch nicht davor zurück, neue Wege zu gehen: "Auf der Bremse sind wir zwar stark, aber wir verlieren dabei zu viel Geschwindigkeit in den Kurven. Darauf konzentrieren wir uns derzeit besonders. Vielleicht können wir die Kurvengeschwindigkeit erhöhen, indem wir beim Bremsen etwas nachlassen. Das wäre besser für mich."
Die MotoGP-Bikes ermöglichen auch dank ihrer Aerodynamik höhere Kurvengeschwindigkeiten. Außerdem erlauben sie es, bereits in Schräglage das Gas zu einem gewissen Grad zu öffnen. Die Ride-Height-Devices geben darüber hinaus Unterstützung bei der Beschleunigung und reduzieren den Wheelie-Effekt. Kurzum: Es ist oft besser, mehr Geschwindigkeit am Scheitelpunkt und in den Kurvenausgang mitzunehmen, als einen Stop-and-Go-Stil mit schnellem Aufrichten der Maschine zu praktizieren.
Razgatlioglu vertraut auf Yamaha und Pramac: Auch bei BMW brauchte es Anpassungen
Dennoch hat Razgatlioglu nicht aufgegeben, seine Superbike-Qualitäten zu einem gewissen Grad auch auf der Yamaha M1 ausspielen zu wollen. Dafür muss nicht nur er seinen Fahrstil ändern, sondern auch das Motorrad nach seinen Wünschen angepasst werden. "Als ich zu BMW gewechselt bin, wurde zunächst viel über das harte Bremsen gesprochen, aber dann wurde das Motorrad meinem Fahrstil angepasst. Hier muss ich auch an diesen Punkt kommen. Sobald ich mich damit wohlfühle, ist alles möglich", bleibt er weiterhin optimistisch.

Dass er die dafür nötige Unterstützung erhalten wird, daran besteht für Toprak Razgatlioglu weiterhin kein Zweifel. Vom ersten Moment an schwärmte der Türke von Pramac. Daran hat sich auch durch die Fahrschwierigkeiten des Shakedowns nichts geändert: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Team. Alle arbeiten sehr hart und die Atmosphäre ist sehr positiv." Die Zeit wird zeigen, zu welchem Kompromiss ihn die Arbeit mit dem Team führen wird. Oder anders gesagt: Wie viel Toprak-Stil ist möglich und wie viel MotoGP-Stil ist nötig?
Während Toprak Razgatlioglu seinen Platz bei Yamaha für die Saison 2027 bereits sicher hat, geht es an anderer Stelle im MotoGP-Fahrermarkt bereits komplett rund. In unserem neuen Video ordnen wir Gleich zwei Transferbomben und ihre Folgen ein:



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