38 Piloten nahmen seit der Einführung zu Saisonbeginn 2023 an einem MotoGP-Sprint teil und 20 von ihnen, also knapp die Hälfte, schafften es seither mindestens einmal unter die Top-Drei. Das gilt für Weltmeister wie Marc Marquez, Francesco Bagnaia oder Jorge Martin, das gilt für gestandene Topfahrer wie Fabio Quartararo oder Maverick Vinales. Und das gilt auch für einen 'Teilzeit-Racer': Dani Pedrosa. Der kleine Spanier ist bis heute der einzige MotoGP-Pilot, der nicht als Stammfahrer, sondern als Wildcardpilot eine Sprintmedaille ergattern konnte. 2024 gelang ihm das vor Heimpublikum in Jerez, nachdem Quartararo eine Reifendruckstrafe kassiert hatte. Der Jubel auf dem Sprintpodium blieb damals also aus, und er wird sich 2026 wohl auch nicht nachholen lassen.
Denn wie schon im Vorjahr plant Arbeitgeber KTM auch in der neuen Saison nicht damit, Wildcards an den Start zu schicken, obwohl den Österreichern dank ihrer Position in Concession-Rang C bis zu sechs derartige Auftritte an Grand-Prix-Wochenenden erlaubt wären. "Nein, wir haben momentan keine Wildcards geplant", gab Motorsportchef Pit Beirer am Dienstag im Rahmen der KTM-Teampräsentation für die neue Saison zu verstehen.
KTM verzichtet auf MotoGP-Wildcards: Die Hintergründe erklärt
Was im letzten Jahr wohl primär noch eine gern genutzte Möglichkeit war, in finanziell ungewissen Zeiten Geld einzusparen und von Testfahrer Pol Espargaro scharf kritisiert wurde, hat 2026 nachvollziehbare Beweggründe. Denn 2027 startet die MotoGP mit völlig neuen Motorrädern, die im Hintergrund längst entwickelt und getestet werden, schließlich in eine neue Ära. Die 2026er-Bikes sind also Auslaufmodelle, die im Verlauf der Saison kaum noch mit neuen Teilen ausgestattet werden dürften. Vielmehr wird sich der Fokus aller Werke nach Ende der Wintertestfahrten 2026 schnell mehr und mehr auf die neuen 2027er-Maschinen verlagern. Und ohne Upgrades, die es mit den Testfahrern im Rennbetrieb zu testen gilt, bevor sie an die Stammfahrer weitergereicht werden, gibt es natürlich auch nur wenig Grund für die MotoGP-Hersteller, 2026 noch Wildcards durchzuführen.
Aus diesem Grund entschied sich im vergangenen Herbst beispielsweise auch Miguel Oliveira, nach seinem Aus bei Pramac-Yamaha nicht als Testfahrer zu Aprilia zu wechseln. "Wo liegt der Sinn in einer Wildcard, wenn die Motorräder im nächsten Jahr [2027, Anm.] ohnehin komplett anders sein werden?", fragte der Portugiese schon damals und entschied sich deshalb zur Vertragsunterschrift bei BMW in der Superbike-WM, um weiterhin Rennen fahren zu können.
Nicht nur für Pol Espargaro und Pedrosa sind Wildcard-Einsätze 2026 also unwahrscheinlich, sondern auch für andere MotoGP-Testfahrer wie Nicolo Bulega (Ducati), Lorenzo Savadori (Aprilia) oder Aleix Espargaro und Takaaki Nakagami (beide Honda). Einzig Augusto Fernandez scheint aufgrund Yamahas fleißiger Entwicklung am V4-Motorrad gute Chancen auf einige Wildcard-Auftritte im Jahr 2026 zu haben.
Zumindest eine kleine Hintertür ließ Beirer für seine Piloten aber ebenfalls offen. "Wir haben keinen Masterplan", gab er zu verstehen und ordnete ein: "Wenn wir denken, dass es [ein Wildcard-Einsatz, Anm.] gut für unser MotoGP-Projekt ist, weil wir gemeinsame Streckenzeit mit den Stammfahrern bekommen, dann werden wir das schon machen. Und wenn wir denken, dass zwei Testtage besser sind, dann machen wir eben das."
Ein erfreulicher Nachsatz für Dani Pedrosa, denn der 'kleine Samurai' würde eigentlich gerne noch ein letztes Mal MotoGP fahren, um die 300 Grand-Prix-Starts vollzumachen:



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