Knapp zehn Wochen ist es her, dass Maverick Vinales für die wohl größte Schlagzeile der MotoGP-Winterpause 2025/26 sorgte: Die Verkündung seiner Partnerschaft mit WM-Ikone und Ex-Rivale Jorge Lorenzo. Ob das gutgehen könnte? Das fragte sich seither die gesamte MotoGP-Gemeinde - und offenbar auch Vinales selbst, wie er am Dienstag im Rahmen des KTM-Launches für die Saison 2026 in einer Medienrunde verriet.
Maverick Vinales überrascht von Arbeitsklima mit Jorge Lorenzo
"Unser Verhältnis ist fantastisch. Um ehrlich zu sein, haben wir viel Spaß zusammen. Das hat mich selbst überrascht. Das hat mich überrascht, weil ich aus der Vergangenheit einen anderen Jorge kenne und unsere letzten Worte nicht die schönsten waren", gab der Tech3-Pilot offen und ehrlich zu, mit einem anderen, womöglich angespannteren oder kühleren Verhältnis zu Lorenzo gerechnet zu haben. Doch das scheint bislang überhaupt nicht der Fall. "Wir genießen es wirklich", unterstrich Vinales erneut und begründete: "Ich glaube, dass Jorge jetzt in einem anderen Lebensabschnitt angekommen ist und es ihm großen Spaß bereitet, wieder mit Motorrädern zu arbeiten."

Nach seinem Karriereende im Spätherbst 2019 hatte sich Jorge Lorenzo noch ein Jahr als Testfahrer bei Yamaha versucht, ehe er sich dem MotoGP-Paddock erstmal abwandte. Einzig für den spanischen TV-Partner der MotoGP 'DAZN' fungierte er seither regelmäßig als Experte, für einen Fahrer oder ein Team arbeitete der Weltmeister von 2010, 2012 und 2015 aber nie. Wie sich Lorenzo nun also bei seiner Premiere als Fahrlehrer so macht? Offenbar gelingt ihm der Spagat zwischen Freund und Autoritätsperson bislang gut. "Wir lachen viel, aber wir arbeiten auch viel", gab Vinales an und beschrieb: "Jorge bringt mich immer wieder dazu, in Bedingungen zu fahren, die ich eigentlich nicht mag."
Ein Beispiel gefällig? "Ich erinnere mich an einen Tag, da stand auf der Strecke überall Wasser. Wirklich, wirklich viel Wasser. Das sollte meine erste Ausfahrt mit einem Bike nach der Verletzung werden. Ich war also mental schon bereit, wieder nach Hause zu gehen und am nächsten Tag nochmal zu kommen. Aber nein, ich bin gefahren, weil Jorge mich dazu gebracht hat", gab die Startnummer 12 einen Einblick in ihre Winterpause und lobte: "Das sind genau die Dinge, die neues Potenzial in dir freischalten können. Das ist wirklich wichtig. Jorge bringt mir die nötige Intensität, die ich außerhalb der MotoGP brauche."
Maverick Vinales: Jorge Lorenzo hat "meinem Training einen Sinn verliehen"
Wer dem Duo auf Social Media folgte, der sah in den letzten Wochen vor allem eines: Vinales beim Fahren der fast schon legendären Lorenzo-Achten. Immer wieder musste der 31-Jährige auch mit PS-starken Supersport-Maschinen auf kleinen, Go-Kart-ähnlichen Strecken ran. Wieso? "Weil es schwieriger ist, eine 600er mit 20 oder 10 km/h zu fahren", begründete Vinales und erklärte: "Diese Bikes sind gemacht, um schnell zu fahren. Und wenn du im langsamen Geschwindigkeitsbereich unterwegs bist, sieht es erstmal so aus, als hättest du keine Ahnung, wie man ein Motorrad fährt. Wir versuchen also, mir alle Skills beizubringen. Ich verstehe immer besser, wie man mit dem Motorrad richtig slidet und wie man das Maximum aus dem Hinterreifen rausholt. Das sind Eigenschaften, die in der MotoGP sehr wichtig sind."
Das große Ziel der Partnerschaft mit Lorenzo lautet also, in jeglicher Hinsicht ein noch besserer, kompletterer Rennfahrer zu werden. "Ich will mein ganzes Potenzial entfalten. Die Erfahrung von einem Champion wie Jorge ist der Schlüssel für mich, um den nächsten Schritt zu machen", bestätigte Vinales und das heißt eben, auch mal dorthin zu gehen, wo es wehtut: "Ich habe dieses Jahr offensichtlich eine ganz andere Art von Winterpause erlebt. Aber wenn sich etwas ändern soll, muss ich eben etwas anders machen und genau das habe ich dieses Jahr getan. Ich bin viel Motorrad gefahren und speziell in Bedingungen, die schlechter nicht hätten sein können. Das habe ich davor immer vermieden und jetzt habe ich dort endlich Fortschritte gemacht. Jorge hat meinem Training einen Sinn verliehen. Davor bin ich oftmals einfach nur gefahren, habe mich aber nie auf ein spezifisches Detail fokussiert. Gemeinsam mit Jorge arbeite ich jetzt in jedem Bereich der Strecke. Er sieht von außen viele Dinge, die mir wirklich weiterhelfen."
Rein auf dem Papier könnten MotoGP-Fans in der neuen Saison also vielleicht den besten Maverick Vinales aller Zeiten zu sehen bekommen - wenn er sich inzwischen vollständig von seiner schweren Schulterverletzung erholt hat. Beim Comeback in Valencia im letzten November war die Nummer 12 schließlich noch weit von hundertprozentiger Fitness entfernt. Wie sieht es zweieinhalb Monate später aus?
Maverick Vinales: Große MotoGP-Ziele nach überstandener Schulterverletzung
"Ich musste viel arbeiten, weil ich nach der Verletzung echt dünn wurde. Ich habe nur noch 61 Kilogramm gewogen", blickte Vinales zurück, lieferte dann aber Entwarnung: "Ich bin jetzt wieder zwischen 65 und 67 Kilo, fühle mich viel stärker. Die Tests im Red Bull Athlete Performance Center haben ergeben, dass meine Kraft nicht nur zurück ist, sondern sogar noch stärker ist als bei den Tests letztes Jahr, die ich damals vollkommen fit gemacht habe. Wir haben also wirklich gute Arbeit geleistet. Die Schulter reagiert gut. Egal, welches Motorrad ich fahre. Daher bin ich positiv gestimmt, dass ich auch für ein MotoGP-Bike wieder fit genug bin."
Alle Fans von 'Top Gun' dürfen also optimistisch auf 2026 blicken. Wo die Reise hingehen soll? Vinales setzt sich große Ziele: "Ich will noch besser abschneiden [als vor der Sachsenring-Verletzung, Anm.]. Das war noch nicht gut genug, ich bin noch nicht perfekt gefahren. Ich will das Maximum aus der KTM herausholen. Pedro [Acosta] hat letztes Jahr schon gezeigt, dass sie auf einem tollen Level ist und über den Winter wurde hart gearbeitet. Wenn wir die kleinen Details wie das Chattering oder das Turning verbessern konnten, dann bin ich mir sicher, dass wir ganz vorne dabei sein werden."
Was glaubt ihr, welche Resultate 2026 für Maverick Vinales drin sind? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren! Was an den Gerüchten um seine Person als Nachfolger von Pedro Acosta im KTM-Werksteam dran ist, erfahrt ihr derweil hier:



diese MotoGP Nachricht