Marc Marquez wird 2025 nicht mehr auf einem MotoGP-Bike Platz nehmen, das wissen wir seit knapp zwei Wochen. Und dennoch waren in Portimao sämtliche Augen der Motorrad-Welt auf seine rote Weltmeistermaschine gerichtet. Warum? Natürlich, weil Ersatzmann Nicolo Bulega auf der roten Desmosedici GP25 seine ersten MotoGP-Runden drehen durfte. Wie würde sich der frischgebackene Superbike-Vizechampion im neuen Umfeld schlagen? Das wollten am Freitag alle wissen - und Bulega sollte nicht enttäuschen.
Francesco Bagnaia schwärmt schon: Nicolo Bulega überzeugt sofort
Lediglich vier Runden benötigte die Startnummer 11 am Freitagvormittag, um erstmals unter die 1:42er-Marke zu kommen. Das bedeutete zum damaligen Zeitpunkt lediglich anderthalb Sekunden Rückstand auf den Führenden Alex Marquez. Stark, fand auch Stallgefährte Francesco Bagnaia. "Ganz ehrlich, er hat mich wirklich beeindruckt", lobte er und verdeutlichte nochmal, welch krasse Vorstellung Bulega da hingelegt hatte: "Ja, er hatte einen Test in Jerez, aber das waren nur 30 Runden in schlechten Bedingungen. Jetzt also hier in Portimao anzukommen, einer der schwersten Strecken im Kalender, mit ganz anderen Reifen und Gripverhältnissen als in Jerez, und dann eine solche Rundenzeit zu fahren, nur eine Sekunde hinter dem Ersten - das war wirklich ein spektakulärer erster Tag."
Im 1. Freien Training musste sich Bagnaia Bulega sogar geschlagen geben, landete im Endklassement drei Plätze und knapp zwei Zehntel hinter dem Marquez-Ersatz. Die TV-Kameras hatten Ducati-Boss Gigi Dall'Igna daraufhin schon mit grimmigem Blick in der Box eingefangen. Die nächste Schmach für den zweimaligen MotoGP-Weltmeister? Nein, denn wenige Stunden später konnte Bagnaia im Training die erwartete Hackordnung herstellen. Er verlor als Zweiter nur 0,030 Sekunden auf die Tagesbestzeit von Alex Marquez, während Bulega 'nur' 17. wurde. Rein auf die Platzierung zu achten, würde der Leistung Bulegas am Freitag aber auch nicht gerecht. Denn er verlor lediglich 1,012 Sekunden auf die Marquez-Bestzeit - und das nach gerade einmal 45 Runden im MotoGP-Sattel.
"Wenn ich mir den Rückstand auf Platz eins anschaue, ist das nicht so schlecht", zeigte sich daher auch Bulega selbst erfreut. Ohne Erwartungen in den Tag gestartet, hatte er das MotoGP-Debüt mit Bravour gemeistert: "Mein einziges Ziel war heute, Erfahrungen zu sammeln, auf dem Motorrad sitzen zu bleiben und viele Runden zu fahren, um all die Dinge zu verstehen, die sich zum Superbike unterscheiden."
Nicolo Bulega bilanziert nach MotoGP-Debüt: Denke noch zu viel
Davon gibt es schließlich eine Menge. Wo der größte Unterschied zwischen MotoGP und WorldSBK liege? "Es gibt keinen im Besonderen, alles ist einfach etwas verschieden", meinte Bulega und beschrieb: "Es gibt die Devices und Karbon-Bremsen. Der Motor ist etwas stärker. Die Reifen sind ganz anders. Es gibt nichts, das heraussticht, aber alles kombiniert macht es zu einer großen Umstellung. Mein größtes Problem ist aktuell noch, dass ich während des Fahrens zu viel nachdenke, welche Geräte ich alle benutzen muss. Und ich muss beim Bremsen daran denken, dass ich einen ganz anderen Vorderreifen drin habe."

In der Superbike-WM liefert Pirelli die Pneus, in der MotoGP kommen sie (noch) von Michelin. Zwei Welten, die da aufeinanderprallen. "In der Superbike-WM kannst du beim ersten Griff an die Bremse sehr aggressiv sein und das Motorrad stoppt schnell. Hier [in der MotoGP] ist das nicht so sehr der Fall. Ich blockiere die Front noch sehr leicht und muss meinen Fahrstil noch anpassen. Das ist aber nicht leicht nach zwei Jahren in der Superbike-WM", verriet Bulega seine größten Schwierigkeiten am Freitag in Portimao.
"Ich kanns noch viel besser!" - Was geht für Nicolo Bulega in Portimao?
Da wirken 1,012 Sekunden Rückstand nochmal beeindruckender, nicht? Und was dann wohl erst möglich sein wird, sobald sich Bulega auch auf dem MotoGP-Bike heimisch fühlt? Der Italiener gab sich jedenfalls selbstbewusst. "Ich kann noch viel besser sein", lautete die klare Ansage. Ob das noch in Portimao oder in Valencia oder 2026 bei potenziellen Wildcard-Starts für Ducati der Fall sein wird, lässt sich aktuell aber noch nicht absehen. Für das restliche Wochenende will sich Bulega weiterhin keine Ziele setzen. Zumindest eine kleine Warnung an die Konkurrenz konnte sich der 26-Jährige dann aber doch nicht verkneifen: "Ich denke, dass ich rein vom Kopf her morgen schon viel freier fahren können werde."
Was traut ihr Nicolo Bulega am Samstag in Qualifying und Sprint zu? Gebt uns eure Prognosen in den Kommentaren ab!



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