Seit Montagabend ist es Gewissheit: Marc Marquez hat bei seiner Kollision mit Marco Bezzecchi im Indonesien-Grand-Prix eine Fraktur und eine Bänderverletzung im Bereich der rechten Schulter erlitten. Eine Operation ist nicht nötig, die Ärzte setzen auf eine konservative Behandlung. Diese bedeutet, dass Marquez definitiv nicht an den MotoGP-Rennwochenenden in Australien und Malaysia teilnehmen wird.

Ducati zu MotoGP-Ersatz verpflichtet

Sein Ducati-Team ist daher per Reglement dazu verpflichtet, einen Reservefahrer aufzubieten. Nur in extremen Fällen, etwa bei mehreren Ausfällen im Fahrerkader eines Herstellers, darf auf einen Ersatz verzichtet werden. "Teams müssen alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, um innerhalb von 10 Tagen nach dem Rückzug einen qualifizierten Ersatzfahrer zu finden, um ihre Teilnahmeverpflichtungen zu erfüllen", steht im Regelwerk geschrieben.

Verletzung für Marc Marquez! Heftiger Crash mit Bezzecchi (06:11 Min.)

Es ist daher davon auszugehen, dass Ducati für Ersatz sorgen wird. Denn mögliche Kandidaten hat man zur Genüge im eigenen Lager. Die logische und einfachste Variante wäre Michele Pirro: Das Testfahrer-Urgestein hat für seinen Arbeitgeber seit 2013 nicht weniger als 51 Einsätze in seinen Funktionen als Wildcard- oder Ersatzpilot bestritten. Sonderlich reizvoll wäre die Option Pirro allerdings nicht: Einst für großartige Ergebnisse bei seinen Auftritten bekannt, war der mittlerweile 39-Jährige zuletzt kaum mehr konkurrenzfähig, blieb an seinen letzten fünf MotoGP-Rennwochenenden ohne Punkte. Auf Phillip Island wird er dennoch aller Voraussicht nach zum Zug kommen, denn alle anderen Kandidaten sind da beim WSBK-Finale in Jerez im Einsatz.

Michele Pirro nur Teilzeitersatz?

Eine Einberufung des Routiniers darüber hinaus wäre aber eher als bloßer Dank für seine jahrelange Arbeit zu verstehen. Denn auch aus technischer Sicht macht ein Einsatz Pirros nur bedingt Sinn: Ducati darf ja aufgrund seiner Einstufung in Concession-Rang A keine Wildcard-Einsätze bestreiten, womit Grands Prix als Ersatzfahrer Pirros einzige Chance auf MotoGP-Rennkilometer sind. Doch im Gegensatz zu einem Wildcard-Auftritt muss sich ein Reservepilot an die Homologationsrichtlinien halten, in diesem Fall müssen also Motoren und Aerodynamikpakete von Marc Marquez verwendet werden. Das Testen von neuen Verkleidungen oder Triebwerken, das mit einer Wildcard möglich wäre, muss somit also ausfallen.

In der Vergangenheit ging Michele Pirro regelmäßig auf MotoGP-Punktejagd, Foto: Ducati
In der Vergangenheit ging Michele Pirro regelmäßig auf MotoGP-Punktejagd, Foto: Ducati

Dementsprechend wäre das Sepang-Wochenende für Ducati eine reizvolle Möglichkeit, einem anderen Fahrer die Chance auf einen MotoGP-Einsatz zu geben. In den vergangenen Jahren folgte der Hersteller aus Borgo Panigale immer wieder diesem Prinzip: 2023 durfte Alvaro Bautista nach seinem WSBK-Titel mit einer Wildcard in Sepang ran, im Vorjahr kam Andrea Iannone als Ersatz für Fabio Di Giannantonio beim Malaysia-GP zum Zug. Beide Fahrer sind nach wie vor Teil der Ducati-Familie, kämen demnach als Ersatz in Frage. Für Danilo Petrucci, der 2026 zu BMW wechselt, gilt dies wohl eher weniger.

Kommt Nicolo Bulega zu MotoGP-Debüt bei Ducati?

Die spannendste Variante wäre aber ohnehin eine andere, die allerdings ebenfalls aus der Superbike-Weltmeisterschaft kommt: Nicolo Bulega. Er hat mit 36 Punkten Rückstand auf WM-Leader Toprak Razgatlioglu zwei Rennwochenenden vor Ende noch Titelchancen, ein Einsatz in der Königsklasse könnte so als Belohnung dienen. Vor allem aber wird Bulega 2026 ohnehin MotoGP-Testfahrer bei Ducati. Das war Teil seiner Vertragsverlängerung für die Superbike-WM. Bulega könnte also frühzeitig einen Vorgeschmack auf die MotoGP bekommen. Fraglich ist lediglich, ob Ducati ein Rennwochenende als idealen Erstkontakt mit der Desmosedici GP ansieht.

Jetzt seid ihr dran: Welchem Fahrer würdet ihr Marc Marquez' Ducati geben? Schreibt es uns in die Kommentare!