Was sagt die Waage am Morgen? Für viele Menschen eine wichtige Frage, doch im Kontext des Leistungssports oftmals eine essenzielle. Im Fall der Motorradrennfahrer ist jedes Kilogramm weniger wertvolle Rundenzeit. Obwohl die Stars der MotoGP körperliche Höchstleistungen erbringen müssen, um ihre PS-Monster um die Rennstrecken dieser Welt zu wuchten, gleicht ihre Erscheinung eher den im Volksmund oft zitierten 'Bohnenstangen'. Ist es nicht Zeit, da einzugreifen?
Alex Marquez berichtet aus Moto3-Zeit: 59 Kilo bei 1,80m Körpergröße
"Ich wiege dieses Jahr zwischen 64 und 65 Kilogramm. Das ist mein Normalgewicht", gibt Alex Marquez zu. Geben wir dieses Gewicht des 1,80 Meter großen Spaniers in einen BMI-Rechner ein, dann kommen wir an der Grenze zum Untergewicht heraus. Und das wohlgemerkt bei einem Athleten, der eigentlich eine gewisse Muskelmasse braucht, um sein Sportgerät zu bedienen.

Sein aktuelles Gewicht war bei Marquez aber noch lange nicht das größte Extrem. "In der Moto3 war ich schon 1,80 Meter groß und ich wog 59 Kilo. Das war damals am Limit. Das wurde dann auch zur Kopfsache", blickt der heutige Gresini-Pilot zurück. Dass der ständige Druck, ein geringes Gewicht zu halten, eine psychische Belastung darstellt, ist nicht nur aus dem Sport bekannt. Doch der 29-Jährige betont, heute nicht mehr zu hungern: "Ich esse in normalen Maßen für einen Rennfahrer." Dann müssen als Ausgleich viele Kalorien verbrannt werden: "Der Schlüssel ist eine Menge Ausdauertraining."
Jorge Martin öffnet sich: Starke Gewichtszunahme nach Verletzungsdramen
Wie sehr das Thema Gewicht beziehungsweise Ernährung eine mentale, gar krankhafte, Belastung werden kann, verriet Weltmeister Jorge Martin. Im Nachgang seiner unfassbaren Verletzungsserie im ersten Halbjahr 2025 veränderte sich auch sein Körper. "Nach meinen Verletzungen habe ich 10 Kilos zugenommen. Nach der dritten Verletzung musste ich abschalten und ich aß wie verrückt, auch aus meiner Angst heraus. Das war wirklich übel", gestand der Aprilia-Pilot.

Dieses Zusatzgewicht, welches andere wohl als normal ansehen würden, hat er sich mittlerweile wieder abtraininert. "Dann habe ich diese Kilos wieder verloren, sogar ein bisschen mehr als ich zuvor hatte, denn ich bin sehr viel mit dem Rad gefahren", berichtet der 'Martinator'. "Ich fühle mich nun leichter und besser", gibt er an.
Ganz so leicht lässt sich das Thema aber dann doch nicht wegwischen. "Das ist die Elite des Motorsports, da geht es um jedes Detail. Eines davon ist nun Mal das Gewicht, daran arbeiten wir alle", reflektiert der Madrilene. Letztlich gibt er zu: "Wir sind alle ziemlich dünn und versuchen dennoch stark und ausdauernd zu sein. Das ist immer ein Kampf, diese Balance zu halten."
Superbike-WM und Nachwuchsserien reagierten mit Gewichtsregeln
Diskussionen um das Gewicht gab es im Übrigen nicht nur im MotoGP-Paddock. Auch in der Superbike-WM handelte es sich um heißes Thema. Der kleingewachsene und damit leichtgewichtige Alvaro Bautista galt im Vorteil gegenüber größeren Konkurrenten wie Toprak Razgatlioglu. Mit der Saison 2024 wurde daher eine Regelung eines kombinierten Mindestgewichts aus Motorrad und Fahrer (samt Lederkombi und Helm) eingeführt. Seitdem hat Bautista seine vormalige Dominanz komplett verloren.
Auch in der Moto3 und der Moto2 wurden solche kombinierten Mindestgewichte bereits 2018 eingeführt. In der kleinsten Klasse müssen Motorrad und Fahrer zusammen 152 Kilo haben, in der mittleren Klasse sind es deren 217. Damit sollte Extremen, wie sie Alex Marquez in seinen Nachwuchsjahren erlebt hatte, entgegengewirkt werden.
Vertane Chance: MotoGP beachtet Gewichtsthematik für 2027 nicht
Nur in der MotoGP gibt es eine solche Regel nicht. Das Motorrad muss mindestens 157 Kilogramm auf die Waage bringen, aber der Fahrer wird nicht berücksichtig. Die 'schwereren' Piloten sind hier also im Nachteil, vor allem in Sachen Belastung der Reifen. Es ist also kein Wunder, wenn Martin meint: "Wenn jemand mehr als 70 Kilo wiegt, hat er ein Problem." Und es kommt im Verhältnis sogar noch schlimmer. Im neuen Reglement von 2027 wird das Mindestgewicht auf 153 Kilogramm reduziert und der Fahrer spielt weiterhin keine Rolle. Die Gelegenheit, den Druck aus der Gewichtsthematik zu nehmen, wurde vertan.
Bereits vor einem Jahr hatte auch der heutige Chefsteward Simon Crafar die MotoGP vor einem bevorstehenden Hungerwahn gewarnt. Er forderte dringendst ein Mindestgewicht, wurde aber nicht erhört. Mehr dazu hier:



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