Ride-by-Wire - jenes System, das die mechanische Verbindung zwischen Gasgriff und den Drosselklappen des Motors durch eine elektronische Steuerung ersetzt - ist bei hochkarätigen Serienmotorrädern mitterweile zum Standard geworden. Auch in der MotoGP kommt das System seit vielen Jahren zum Einsatz, weil es die Integration von Elektroniksystemen wie Traktionskontrolle oder Anti-Wheely-Regelung vereinfacht, was ein Plus an Performance und Sicherheit bedeutet.
Seil statt Elektronik: Wie kommt es zu dieser MotoGP-Präferenz?
Und dennoch ist an den Lenkern vieler MotoGP-Stars wie Francesco Bagnaia, Jack Miller oder Luca Marini mittlerweile wieder ein traditionelles Gasseil statt des elektronischen Griffes zu sehen. Warum ist das so? Beginnen wir mit dem grundsätzlichen Aufbau des Ride-by-Wire-Systems. Wie bereits erwähnt ist hier kein gewöhnlicher Seilzug dafür verantwortlich, die Stellung des Gasgriffs in ein Öffnen oder Schließen der Drosselklappen, welche die Luft- beziehungsweise Gemischzufuhr des Motors regeln, umzuwandeln.

Stattdessen wird der Gasgriff zu einem elektronischen Bauteil, genauer genommen einem Drehpotentiometer. Vergleichbar ist die Funktion dabei mit der Dimmer-Funktion eines Lichtschalters. Je nach Drehposition des Gasgriffs ändert sich der erzeugte elektrische Widerstand. Dieser wird in ein Signal umgewandelt, das im Motorsteuergerät - im Rennsport meist als ECU (Electronic Control Unit) bezeichnet - von der Software in eine Öffnungsstellung der Drosselklappen umgerechnet wird.
MotoGP-Stars wollen gewohntes Gasspiel
Durch Elektronikeinstellungen kann mit dem Ride-by-Wire-System in der Theorie auch ein Gasspiel, wie man es vom traditionellen Bowdenzug-Mechanismus kennt, simuliert werden. Eine Lösung, die für einige Fahrer funktioniert, bei anderen aber dennoch ein künstliches Gefühl hinterlässt. Teams und Hersteller haben dafür aber eine kluge Lösung gefunden. Vom Gasgriff führt dabei nach wie vor ein Seil weg, was dem Fahrer das gewohnte Ansprechverhalten vermittelt. Dieses betätigt aber lediglich ein Drehpotentiometer an anderer Stelle, wodurch weiterhin die Vorteile des Ride-by-Wire-Systems genützt werden können. Das Ride-by-Wire-Prinzip wird also nur verlagert und der tradtionelle Mechanismus dazwischen geschalten.

"Ich werde dieses System so lange nützen, wie es mir erlaubt ist", sagt Ducati-Star Francesco Bagnaia. "Ich verwende es seit meinem Debüt in der MotoGP. Mir gefällt das Gasspiel besser. Ich habe auch die elektronische Variante ausprobiert, in der das Gasspiel simuliert wird, aber das hat mir nicht gefallen. Für mich ist das zu direkt." Ganz ähnliche Worte findet Pramac-Yamaha-Pilot Jack Miller: "Mit dem Seilzug fühle ich mich sofort wie zuhause. Du kannst dieses Gefühl einfach nicht nachahmen. Egal was du versuchst - es ist nicht dasselbe." Das sieht auch Luca Marini so. "Damit fühlt sich ein MotoGP-Bike an, wie jedes andere Motorrad auf dieser Welt", findet der Honda-Mann. "Du hast also dieses Gefühl, mit dem du groß geworden bist. Ich glaube, dass das an dieser Reibung des Seils liegt. Es ist einfach besser."



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